Kleiderschrank statt Altkleidercontainer: Caritas-Projekt setzt auf Nachhaltigkeit

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 Schüler der Hermann-Hesse-Realschule Tuttlingen haben im Rahmen des Projekts „Fair statt Flucht“ selbst Hand angelegt und sich
Schüler der Hermann-Hesse-Realschule Tuttlingen haben im Rahmen des Projekts „Fair statt Flucht“ selbst Hand angelegt und sich am Weben versucht. (Foto: Ulrike Irion)

Auch in diesem Jahr organisiert die Schwäbische Zeitung und die Caritas die Weihnachtsspendenaktion „Helfen bringt Freude“. Ziel ist, Spenden für wohltätige Zwecke zu sammeln. Die Aktion unterstützt unter anderem die beiden Caritas-Projekte „Fair statt Flucht“ sowie „Sprache und Nähen“.

Das T-Shirt zweimal getragen, schon landet es in der Altkleidertonne oder dem Mülleimer. „Die Lebenszeit unserer Kleidung wird leider immer kürzer“, sagt Ulrike Irion. Sie ist Leiterin des Caritas-Zentrums in Tuttlingen und Anprechpartnerin für das Projekt „Fair statt Flucht“.

Es sei wichtig, bereits Kinder zu informieren, wo die Kleidung herkommt, wie sie hergestellt wird und vor allem, wie viel Arbeit das Ganze macht.

Die Projektleitung von „Fair statt Flucht“ hat Birgit Nesper. Als Weberin kennt sie sich gut mit den verschiedenen Stoffarten aus und weiß, wie Kleidung hergestellt wird. Genau das versucht sie, den Kindern zu vermitteln. Dazu besucht sie beispielsweise Schulklassen und zeigt, wo die Stoffe hergestellt werden, wie dort die Arbeitsbedingungen sind und was den Menschen zum Leben bleibt: „Oft nicht besonders viel“, sagt Irion.

Die Initiative selbst sei aus anderen Projekten entstanden. „Wir machen die Kleidung in einer Weberei. Die Arbeit ist ein Zeichen gegen die heutige Wegwerfgesellschaft“, sagt Irion. Denn die Stoffe, die Birgit Nesper verwendet, wären normalerweise im Müll gelandet.

Nachdem die Schüler alle Infos haben, geht es ans Eingemachte: Sie dürfen selbst handanlegen. „Für die Schüler geht es an den Webrahmen. Sie sollen selbst sehen, wie aufwendig die Herstellung von Kleidung ist“, erzählt Irion. Kleidung soll wieder wertgeschätzt und „Kinder zum nachhaltigen und bewussten Handeln anreget werden“, sagt sie.

Das Projekt gibt es seit 2017. Die Verantwortlichen möchten in Zukunft noch mehr Schulen ansprechen. „Wir würden sehr gerne weitere Interessenten auf unser Projekt aufmerksam machen“, sagt die Leiterin des Caritas-Zentrums.

Ein anderes Projekt der Caritas ist „Sprache und Nähen“ und meint genau das, was der Name sagt: Ein Angebot ist für Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen können. Annika Pohl ist Deutschlehrerin an der Schrotenschule und als Honorarkraft angestellt. Sie ist Ansprechpartner für die Teilnehmer, die in die Nähwerkstatt kommen. „Nach einer theoretischen Einführung, wird gemeinsam genäht – und nebenher eben mit Annika Pohl deutsch gelernt“, sagt Irion.

Im letzten Jahr sei eine Frau in den Kurs gekommen, die kein Wort Deutsch sprach. „Mittlerweile kann sie sich gut verständigen und auch am Leben in Tuttlingen teilnehmen“, sagt Irion. Der Kurs ist auf deutsch, Annika Pohl bereitet für die Nähstunden immer verschiedene sprachliche Themen, wie zum Beispiel die unterschiedlichen Jahreszeiten, vor. „Es ist kein Frontalunterricht. Die Menschen lernen die Sprache quasi nebenbei“, erklärt Irion. Viele der Teilnehmer können bereits nähen. Denen, die es nicht können, helfen Ehrenamtliche dabei. „Es ist toll zu sehen, wie zufrieden die Näherinnen sind und mit welchem Spaß sie bei der Sache sind“, sagt Ulrike Irion.

Sowohl „Fair statt Flucht“, also auch „Sprache und Nähen“ kommen von dem Projekt Buntgut. Das Konzept des des Verbandes ist das Upcycling, also aus Altem etwas Neues zu machen.

Wie „Helfen bringt Freude“ funktioniert und was mit Ihrer Spende passiert, erfahren Sie auf www.schwäbische.de/spenden-video

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