Kindheitserinnerungen inspirieren zu künstlichem Biberbau

Lesedauer: 3 Min
Mit Unterstützung von Schülern und Jugendlichen, dem Kulturkasten-Verein und Mutpol hat Thomas Putze das Kunstwerk Biberbau für
Mit Unterstützung von Schülern und Jugendlichen, dem Kulturkasten-Verein und Mutpol hat Thomas Putze das Kunstwerk Biberbau für die Donaugalerie in Tuttlingen erschaffen. (Foto: Sabine von Döllen)
Sabine von Döllen

Passanten an der Donau spähen im Vorbeigehen auf den Holzberg im Wasser. Auf die Frage „Wissen Sie, was das ist?“ folgen Antworten wie „Wir dachten, es sei ein Baum umgefallen,“ oder „Treibgut.“ Die Antwort auf die nächste Frage „Ist das Kunst?“ kommt spontan. „Das da? – Nein, das ist keine Kunst.“ Der Duden und Thomas Putze haben da sicher eine andere Meinung, wenn es um den Biberbau geht, der Teil der Tuttlinger Donaugalerie ist.

Das Rechtschreibwörterbuch sagt, Kunst sei ein „schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur und Welt.“ Und genau das macht Thomas Putze. Er geht bei seinen Kunstwerken gerne auf die Orte ein, für die das Kunstwerk entsteht.

In Tuttlingen fiel ihm das durch die Donau leicht. Als naturaffines Kind am Lech aufgewachsen und gewandert, erinnert er sich noch gut an die Meldung aus Kindheitstagen: „Im Weitmannsee hat sich ein Biber niedergelassen.“ Damals eine kleine Sensation.

Als erwachsener Bildhauer ist er beeindruckt von den Mengen an Holz, die ein Biber verarbeiten kann. Für Putze sind es eher Beweggründe, als Botschaften, die zu einem Kunstwerk wie dem Biberbau führen: Viele Äste sind notwendig, um einen Biberbau zu erschaffen, und viele Menschen tragen gemeinsam etwas zu diesem einzigartigen Objekt bei.

Schüler, Jugendliche mit und ohne Behinderung, der Kulturkasten-Verein für interkulturellen Austausch (KuKaV) und Mutpol haben gemeinsam das Holz, das der echte Biber „produziert“ hat, eingesammelt und für das Kunstwerk auf einem Floß verwendet. Allein die Idee ist für Putze schon Kunst, nicht das bloße Handwerk dahinter. Seine ganze Energie steckt in seinen Kunstwerken, was nur durch Authentizität, durch den persönlichen und intuitiven Bezug, möglich ist. Mit diesem neuen Hintergrundwissen im Gepäck erneut die Frage an die Passanten: „Ist das Kunst?“ – „Ja, unbedingt. Keine Frage.“

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen