Kindergarten wehrt sich gegen Pläne der Stadt: Rechts vor links soll bleiben

Lesedauer: 6 Min
Kinder und Erzieher des Nendinger Kindergartens protestierten kürzlich auf der Straße vor dem Kindergarten: Sie wollen die Recht
Kinder und Erzieher des Nendinger Kindergartens protestierten kürzlich auf der Straße vor dem Kindergarten: Sie wollen die Rechts-vor-links-Regelung behalten.
Simon Schneider

Rechts vor links, so soll es bleiben – jedenfalls wenn es nach den Kindern, vielen Eltern und den Erzieherinnen des katholischen Kindergartens in Nendingen geht. Sie alle fordern, dass die Bräunisbergstraße die Verkehrsregel beibehält, so wie es der Ortschaftsrat im vergangenen Jahr beschlossen hat und wie es in diesem Sommer in die Tat umgesetzt worden ist. Nun will die Stadt Tuttlingen die Regel wieder aufheben.

Dort, wo früher die Schilder „Vorfahrt an der nächsten Kreuzung“ hingen, erinnert jetzt „Achtung! Vorfahrt geändert“ alle Verkehrsteilnehmer an die derzeit geltende Regel rechts vor links. Aber Oberbürgermeister Michael Beck verkündete jüngst auf einer Gemeinderatssitzung, dass die Verkehrsregel in der Bräunisbergstraße wegen der Busspur wieder geändert werde.

Unverständnis im Kindergarten: „In der Altental- und Haldenstraße gilt auch die Regel rechts vor links. Dort fährt der Bus auch täglich“, gibt Kindergartenleiterin Sarah Waidelich zu verstehen. „Wir haben bei der Stadt schon um einen Zebrastreifen, eine bessere Beschilderung sowie Markierungen auf den Straßen angefragt, ohne Erfolg“, berichtet Waidelich unserer Zeitung.

Verkehr um Mittagszeit stark

Gerade um die Mittagszeit sei der Verkehr auf der Bräunisbergstraße stark. „Und genau zu dieser Uhrzeit sind viel Kinder auf dieser Straße unterwegs. Nicht nur Kindergartenkinder, sondern auch viele Grundschüler sind dort auf dem Heimweg“, beobachtet die Kindergartenleiterin täglich und ergänzt: „Wenn wir mit den Kindern als Gruppe einen Ausflug machen, rasen die Autos an uns vorbei und nehmen uns noch nicht einmal wahr“, appelliert sie an die Raser und an den OB. Häufig müssten die Kinder die Bräunisbergstraße queren, um an den Kindergarten oder an die Schule zu gelangen.

Durch die Änderung der Verkehrsregelung auf rechts vor links „hat sich in den vergangenen Wochen der Verkehr verlangsamt“, erklärt Waidelich. Genau das habe der Ortschaftsrat mit seiner Entscheidung erreichen wollen.

In einer Aktion machten die Kinder mit den Eltern und Erzieherinnen kürzlich auf die Verkehrssituation aufmerksam. Auf Plakaten schrieben sie: „Busspur wichtiger als Kinder?“, „Wo bleibt die Sicherheit für die Kindern?“ oder „Haben Raser Vorfahrt vor Kinder?“ Sie bitten außerdem mit den Plakaten um „Rücksicht auf uns“. Manch Autofahrer nahm den Appell der Kinder zur Kenntnis, andere umkurvten die Aktion ohne zu zögern quer über den Platz vor dem Kircheneingang.

Beck verteidigt Änderung

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte Oberbürgermeister Michael Beck: „Nach der Einführung der Rechts-vor-links-Regelung auf der Bräunisbergstraße kamen bei uns massive Beschwerden von Bürgern an. Sie beklagten sich über kritische Verkehrssituationen, die es zuvor nicht gegeben hatte. Daher habe ich veranlasst, dass die Empfehlung des Ortschaftsrates nochmals überprüft und gegebenenfalls korrigiert wird, was nun ja auch so geschieht.“

Ein weiterer Grund für die Aufhebung der Rechts-vor-Links-Regelung sei die Buslinie, die auf der Bräunisbergstraße verlaufe. „Generell ist es uns wichtig, auf diesen Straßen eine klare Vorfahrtsregelung im Interesse zuverlässiger Fahrpläne und auch der Fahrgäste zu haben“, erklärte der OB. Für Fahrgäste, die im Bus stehen müssten, könne das ständige Anfahren und Abbremsen „ziemlich lästig“ sein.

Mehrere Ortschaftsräte waren bei dieser Aktion mit dem Kindergarten dabei, darunter Edmund Stadler (SPD): „Ich unterstütze die Aktion. Ich bin gegen die Aufhebung der Verkehrsregel rechts vor links“, sagte der Ortschaftstrat und fügte hinzu: „Dass man diese Regelung wegen der Busspur wieder rückgängig macht, ist für mich nur ein vorgeschobenes Argument. Ich hätte mir gewünscht, dass der Oberbürgermeister vor der Entscheidung auf den Ortschaftsrat zugekommen wäre.“ Ratsmitglied Daniel Schnell (Freie Wähler) ergänzte: „Ich hätte mir eine Alternative erhofft, anstatt die Verkehrsregelung einfach aufzuheben.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen