Kein bisschen alter Mann

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Kann die Gitarren-Soli (fast) noch so überzeugend, aber mindestens so enthusiastisch rüberbringen wie vor  30 Jahren: Manfred Ma
Kann die Gitarren-Soli (fast) noch so überzeugend, aber mindestens so enthusiastisch rüberbringen wie vor 30 Jahren: Manfred Mann am Keyboard. (Foto: Jens Geschke)

Neues Album nach 46 Jahren Bandgeschichte? Klar! 17 Konzerte in einem halben Jahr? Und das mit 77? Auch kein Problem! Nur eins tat den britischen Bandmitgliedern von Manfred Mann’s Earth Band beim Konzert am Mittwoch auf dem Honberg ein bisschen weh: Sie spielten just während des WM-Halbfinales. Und da verpassten sie bekanntlich England gegen Kroatien.

Fußball hin oder her – die Fans waren gekommen, um die Hits zu hören. „Davy’s on the Road Again“, „For You“, „Spirits in the Night“... sie wurden nicht enttäuscht.

Die Liste der Songs ist lang, mit denen die Band seit Jahren bevorzugt durch Deutschland tourt. Was vielleicht nicht jeder weiß: Ein Teil der bekannteren ist aus fremder Feder. Bob Dylan etwa schrieb „Mighty Quinn“, Bruce Springsteen „Spirits in the Night“.

Robert röhrt am Mikro

Macht ja nichts, spielen wie kein Zweiter kann sie nur Manfred Mann mit seiner Crew. Das Mikrofon hat er vor einigen Jahren Sänger Robert Hart übernommen. Der röhrt, wie es sich gehört, kräht durchaus klangvoll seine „Aaaaaaaaaaahs“ ins Mikro, kann durchaus aber auch sanfter: Bei „You Angel You“ an der Akustik-Gitarre zum Beispiel.

Für die satten Klänge im Hintergrund sorgt der 77-jährige Mann natürlich selbst – auch wenn er manchmal nur zu erahnen ist hinter seinem Keyboard-Turm. Nur der Hut ragt über die Kante. Umso schöner, wenn er nach vorne kommt für die Soli, beim Opener „Bobby“ etwa: das zebragestreifte Umhänge-Keyboard locker über der Schulter, den Takt immer im Fuß, das „Dudadadi“ auf den Lippen, am Ende kommt sogar die Drehung samt Sprung – wenn da die Fan-Herzen nicht höher geschlagen haben!?

Überhaupt: Die Männer von Manfred Mann lassen ihre Instrumente gerne ausgiebig klingen. Gitarre, Bass, auch mal das Schlagzeug, und natürlich immer wieder das tongebende Keyboard. Improvisieren ist das Stichwort – das darf man sich mit Jahrezehnten an Bühnenerfahrung schon mal erlauben. Auch wenn die Fans dann ein paar Minuten länger auf den nächsten Hit warten müssen.

Die Männer von Manfred Mann’s Earth Band mögen seit Jahren auf der Bühne stehen, das Konzert zeigt: Sie tun es immer noch gerne. Und wer am Ende nicht mindestens „Come on without, come on within“ vor sich hin summt oder mit der Luftgitarre in der Hand einschläft, hat was falsch gemacht.

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