Kaum jemand will in den Ortschaftsrat

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Wahlen für die Ortsparlamente: In Nendingen ist die Suche nach Kandidaten vor allem wegen des Streits um das Heizerheim schwier (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Es ist eine Zahl, die von Unmut, Frust und Missstimmung zeugt. Es könnte aber auch eine Zahl sein, die für Nendingen einen Neuanfang bedeutet: Nur noch fünf von elf Ortschaftsräten in Nendingen wollen nach Informationen unserer Zeitung bei der Kommunalwahl im Mai wieder antreten. Unter denen, die nicht mehr dabei sein werden, ist auch Ortsvorsteher Hans-Dieter Schwarz.

Natürlich gibt es verschiedene Gründe, weshalb ein Großteil der Ortschaftsräte nicht mehr will. Die Doppelbelastung durch die Arbeit, wird da genannt, und das mangelnde Interesse an den Themen. Bei Franz Boos, Schulleiter der Donauschule, ist es der nahende Ruhestand, den er nicht nur in Nendingen verbringen will. Aber er nennt auch ganz offen einen anderen Grund: „Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht.“

Die Stimmung in den Sitzungen sei schlecht, gerade die Diskussion um den Standort für das Heizerheim sorgt für Streitereien und bringt die Räte immer wieder in die Kritik. Besonders in der CDU sorgt das für Probleme, beim Thema Heizerheim ist sie intern gespalten. Wenn sie potenzielle Kandidaten bitte, sich für ihre Liste aufstellen zu lassen, komme das Argument „Heizer“ immer wieder, sagt Ilse Schnepf, Ortsverbandsvorsitzende der CDU, und ist enttäuscht. „Da werden vier Jahre gute Politik wegen eines Themas zunichte gemacht.“

Schon am vergangenen Donnerstag wollte die CDU ihre Kandidaten nominieren. Nur sieben standen da auf der Liste, jetzt ist die endgültige Nominierung auf den 24. März verschoben. „Wir hoffen, dass wir noch drei finden, wir wollen elf Kandidaten stellen“, meint Schnepf.

Dass Hans-Dieter Schwarz, der bisher für die CDU im Ortschaftsrat und zehn Jahre lang Ortsvorsteher war, keiner von ihnen sein wird, hat er Schnepf noch vor der Versammlung mitgeteilt. Grund sei das „niveaulose Auftreten“ einiger Ortschaftsräte. „Mit denen kann ich einfach nicht mehr zusammenarbeiten“, sagt er dem Gränzboten. Auch persönlich wurde er mehrmals angegriffen. Die Streitereien seien eine große Belastung, sagt Schwarz. Nach Rücksprache mit seiner Familie habe er sich dagegen entschieden, noch einmal anzutreten.

Von den fünf CDU-Ortschaftsräten wollen es nur Franz Schilling und Jörg Schwarz noch einmal probieren. Zwar bestätigen beide die negative Stimmung, „aber es bringt nichts, jetzt den Kopf einzuziehen“, meint Schwarz. Schilling, der bereits 34 Jahre Ortschaftsrat ist, wird als potenzieller Ortsvorsteher gehandelt. Ob er antreten will, da will er sich noch nicht festlegen. Das müsse noch intern diskutiert werden und entscheide sich erst nach der Wahl.

Ein weiterer Kandidat könnte Klaus Braun sein, der, so heißt es, der einzige amtierende Ortschaftsrat der Freien Wähler ist, der noch einmal antritt. Von den Vertretern der Freien Wähler im Ortschaftsrat war am Montag niemand zu erreichen.

Bleibt die SPD-Liste. Dort sieht es laut Ortschaftsrätin Rosmarie Szymanski zumindest nicht schlechter aus als vor fünf Jahren: „Wir haben fünf Kandidaten und zwei, die noch überlegen.“ Sowohl Szymanski als auch Edmund Stadler sind noch einmal dabei. „Auch wenn wir uns nicht immer einig sind, vertreten wir gemeinsam sozialdemokratische Werte“, sagt Szymanski. Ob die SPD einen eigenen Ortsvorsteherkandidaten stellen wird? „Das müssen wir noch abwarten.“

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