Karl Storz: Schwäbischer Pionier und Firmengründer

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Karl Storz in den Jahren um 1970: Das Buch "Schwäbische Pioniere" präsentiert auch manches bisher unbekannte Fotodokument. (Foto: arc)
Schwäbische Zeitung
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Karl Storz: Der Name des Unternehmers ist in Tuttlingen heute präsenter denn je. Denn die Firma Karl Storz Endoskope, die Storz, Jahrgang 1911, 1945 gründete, ist der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt. 5800 Menschen beschäftigt Storz weltweit, die 1,13 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften. Doch: Wer war dieser Karl Storz, der 1996 starb, eigentlich?

Die Antwort ist jetzt nachzulesen. In seinem Buch „Schwäbische Pioniere“ stellt der Journalist Burkhard Riering elf Persönlichkeiten vor, die wie Storz Wirtschaftsgeschichte in Baden-Württemberg schrieben. Hans Liebherr, Karl Storz, Max Weishaupt, Alfred Kärcher, Heinrich Vollmer, Alfred Eugen und Clara Ritter, Georg Allgaier, Albert Leitz, Friedrich Voith und Jakob Eberspächer: Der Autor hat sich zehn schwäbische Unternehmen herausgegriffen, die heute Weltmarktführer sind, deren Lebensgeschichten aber sonst nicht erzählt werden. „Die Firma ist schwäbisch, ist in Familienhand, sie trägt noch immer den Namen des Gründers und sie sollten eine gewisse Größe haben“, beschreibt Riering seine Auswahl.

Ein Leben für die Medizintechnik

Unter der Überschrift „Ein Leben für die Medizintechnik“ porträtiert der Autor, der in seiner beruflichen Laufbahn unter anderem einige Jahre das Wirtschaftsressort unserer Zeitung geleitet hat, den Tuttlinger Karl Storz. Das Lebensbild zeichnet einen Unternehmer, der sein Leben in den Dienst der Medizintechnik gestellt hat: „Die Medizintechnik war für ihn mehr als ein Job, es war Berufung und Lebensziel“, schreibt Riering und ergänzt: „Wenn andere von Arbeit und Mühsal redeten, sprach der unermüdliche Tuttlinger Firmengründer von der ,Erfüllung eines Lebenstraums‘.“

In Gesprächen mit Sybill Storz, Karl Storz‘ Tochter, die seit 1996 die Firma führt, und in den Archiven des Unternehmens hat sich Riering an Karl Storz herangearbeitet. Der Leser erfährt Details, die bisher nicht veröffentlicht wurden oder vergessen sind. Zwei Beispiele: Beeindruckend ist, dass Storz 1945 mit nur zwei Mitarbeitern in der Werkstatt in der Hermannstraße beginnt. Dass Storz aber wenig später ein Tabu bricht und selbst den Kontakt zu Ärzten sucht, ebnet den Erfolgsweg, der bis heute weiter beschritten wird. Denn bis dato haben nur die Händler Beziehungen zu den Medizinern, die Hersteller dagegen nicht. Jetzt aber erfährt Storz aus erster Hand, was seine Kunden wirklich brauchen. Riering beschreibt, wie aus der Manufaktur ein Weltunternehmen wird. Aufnahmen aus den Anfangsjahren, Skizzen und Fotodokumente komplettieren das Bild

Neben Storz werden in dem gut 100 Seiten starken Werk Persönlichkeiten porträtiert, die ebenso wie der Tuttlinger mit ihrem Durchhaltevermögen kleine schwäbische Unternehmen zu großem Erfolg gebracht haben. Autor Riering erläutert sein Interesse an den Pionieren: „Es hat mich insgesamt beeindruckt, wie zäh und ausdauernd die Unternehmer an ihrem Traum gearbeitet haben. Viele haben zwei Weltkriege durchgestanden. Trotz Rückschlägen sind sie immer wieder aufgestanden. Sie haben gleichzeitig diszipliniert und visionär gearbeitet. Und hinter all dem stecken Menschen. Ich beschreibe sie daher nicht nur als Technikpioniere, sondern auch als Persönlichkeiten aus der Region.“ Diesen Anspruch erfüllt Riering bei Storz wie auch bei den weiteren zehn Unternehmern: Ein Buch, das als Weihnachtsgeschenk Lesevergnügen, regionales Wissen und Erkenntnisgewinn miteinander vereint.

Burkhard Riering: Schwäbische Pioniere. Von der Werkstatt zum Weltunternehmen, Biberach (Biberacher Verlagsdruckerei) 2012, 104 Seiten, 19,80 Euro.

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