Karl Storz lagert 19 Fahrer aus

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19 Mitarbeiter der Karl Storz-Logistikabteilung haben seit Ende April mit der 2M Logistics GmbH urplötzlich einen neuen Arbeitge
19 Mitarbeiter der Karl Storz-Logistikabteilung haben seit Ende April mit der 2M Logistics GmbH urplötzlich einen neuen Arbeitgeber. (Foto: Winfried Rimmele)
Redaktionsleiter

Das Tuttlinger Medizintechnik-Unternehmen Karl Storz hat seine interne Transportlogistik für Messen und Veranstaltungen ausgelagert. Betroffen sind laut des Unternehmens 19 Mitarbeiter, die seit Ende April bei der 2M Logistics GmbH in Dauchingen untergekommen sind. Das Unternehmen möchte sich eigenen Angaben zufolge auf sein Kerngeschäft, also die Produktion von Endoskopen, konzentrieren und hat daher die Sparte übergeben.

Am Mittwoch der vergangenen Woche wurde Sybill Storz bei einem städtischen Empfang anlässlich ihres 80. Geburtstags mit stehendem Applaus gefeiert. Horst Köhler, Bundespräsident a. D., sagte als Laudator zu diesem Anlass, dass die Jubilarin mit niemandem kumpeln würde, aber „allen Mitarbeitern zugewandt“ sei. Dass es bei der Belegschaft allerdings rumort, davon kein Wort.

Kommen und Gehen?

So sollen dem Vernehmen nach die Fahrer, die nun nach 2M Logistics ausgelagert worden sind, am 1. Mai ohne Vorwarnung keinen Zugang mehr zum Logistikzentrum von Karl Storz im Gewerbepark Take-off in Neuhausen ob Eck bekommen haben. Sie wurden demnach vor vollendete Tatsachen gestellt. Mitarbeiter sprechen von einer undurchsichtigen Aktion. Unternehmensintern wurde die Auslagerung der Fahrer erst rund zwei Wochen später kommuniziert. Dieser Schritt scheint aber nur die Spitze des Eisbergs beim Medizintechnik-Unternehmen zu sein.

Schon länger hält sich in Tuttlingen das Gerücht, dass sich viele Mitarbeiter von dem Unternehmen abwenden würden oder das Arbeitsverhältnis aufgekündigt werde. So ist etwa Heiko Bähr, über mehrere Jahrzehnte Leiter des Produktmanagements, bei Karl Storz ausgeschieden. Wie Regina Stern, Leiterin Unternehmenskommunikation bei Karl Storz, betont, wurde der Arbeitsvertrag in gegenseitigem Einvernehmen aufgehoben. Eine Personalie, die anders als etwa bei dem Rücktritt von Hanns-Peter Knaebel als Vorstandsvorsitzender des Tuttlinger Medizintechnik-Unternehmens Aesculap vor wenigen Wochen laut des Unternehmens Karl Storz keine große Nachricht wert sei.

Das Unternehmen bestätigte auf Nachfrage, dass sich Karl Storz „mit der Wirkung Ende April dafür entschieden hat, die bisher intern ausgeführten Transportdienstleistungen in einem geordneten Betriebsübergang an die Firma 2M Logistics zu übergeben.“ Die GmbH sei eine Neugründung der FET Funk Express Transporte GmbH, mit der Karl Storz schon länger zusammenarbeitet. Mit der neuen Gesellschaft habe FET laut Karl Storz die Voraussetzung geschaffen, „dass die Mitarbeiter, wie bisher, nicht nur als Fahrer, sondern auch als Spezialisten für den Messeauf- und -abbau eingesetzt werden können“.

Dem Unternehmen sei es wichtig gewesen, dass die Mitarbeiter auch zukünftig „vollumfänglich zu identischen Rahmenbedingungen“ angestellt sind. Karl Storz zeigt sich davon überzeugt, dass „dieser Schritt helfen wird, sich zukunftsfähig auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und von der Expertise des externen Transportdienstleisters profitieren zu können.“ Allerdings betrifft dieser Schritt lediglich ein Prozent der Mitarbeiter des Unternehmens, das an seinem Standort in Tuttlingen rund 2000 Menschen beschäftigt. Weltweit sind es 7500.

Arbeitsverträge bleiben gültig

Die bisherigen Bestimmungen der Arbeitsverträge behalten laut Paragraf 613 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) ihre Gültigkeit: „Für die Wahrung des jeweils individuellen Arbeitsvertrags und somit auch des Gehalts gelten selbstverständlich die gängigen Schutzrechte des Arbeitsrechts. Zu hören ist, dass die Fahrer neue Fünf-Jahres-Verträge bekommen haben. Zu prüfen ist das nicht. Das Unternehmen hält sich bedeckt. Die Stimmung im Unternehmen selbst – so ist von Mitarbeiterseite zu erfahren – sei derzeit angespannt.

Die Arbeitsverträge haben rechtlichen Bestandschutz, da von dem Betriebsübergang 19 Mitarbeiter betroffen sind.“ Laut eines Urteils des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2007 liegt der Schwellenwert für den Bestandschutz der Arbeitsverträge bei zehn Mitarbeitern, die in ein anderes Unternehmen übergehen.

Spekulationen, dass dieser Schritt aufgrund von zurückliegenden Auseinandersetzungen mit Teilen der Fahrer und der Leitung des Logistikzentrums erfolgt sei, weist das Unternehmen „mit aller Deutlichkeit zurück“. Vielmehr sei die Entscheidung über Monate geprüft worden und „erst nach reiflicher Überlegung gefällt worden“.

Wichtig sei dem Unternehmen gewesen, dass auch in Zeiten, in denen viele Kongresse gleichzeitig stattfinden, die Logistik für den innerbetrieblichen Warenverkehr reibungslos funktioniert und eine pünktliche Lieferung gewährleistet ist. Das sei mit der bisherigen Struktur nicht gewährleistet gewesen: „Bereits vor dem Betriebsübergang musste ein hoher zweistelliger Prozentsatz an Fahrten nach extern vergeben werden“, heißt es aus dem Unternehmen. Jetzt könne Karl Storz flexibler auf „die Kapazitäten des leistungsstarken Partners“ zurückgreifen.

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