Kammern wollen Potenziale besser nutzen

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Zeigen sich schon vor dem Start des Projekts „Potenziale der Region nutzen“ von seinem Erfolg überzeugt (von links): Thomas Albi
Zeigen sich schon vor dem Start des Projekts „Potenziale der Region nutzen“ von seinem Erfolg überzeugt (von links): Thomas Albiez, Harald Hauptmann, Martina Furtwängler, Hugo Frey und Georg Hiltner. (Foto: cg)
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Weitere Informationen über Po.Re.Nu gibt es bei der BBT unter Telefon 07461 / 9290-0.

Bisher versteckte Potenziale von Mitarbeitern im Handwerk und in der Industrie verstärkt nutzen. Das ist das Ziel des neuen Gemeinschaftsprojekts „Potenziale der Region nutzen“ (Po.Re.Nu) der Beruflichen Bildungsstätte Tuttlingen in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg und der Handwerkskammer Konstanz, die auch für den Kreis Tuttlingen zuständig ist.

Angesichts des eklatanten Fachkräftemangels in der Region soll mit dem Projekt das Rekrutierungsproblem der Unternehmen und der Handwerker laut BBT-Geschäftsführer Harald Hauptmann „konzeptionell und strukturell bekämpft“ werden. Schließlich sei die Verfügbarkeit von Arbeitskräften der Grundstein dafür, dass die Region zwischen dem Bodensee und Rottweil, zwischen Bräunlingen und Gosheim weiter prosperiert. Dafür holt die BBT, bei der die Fäden zusammenlaufen, auch den Arbeitgeberverband Südwestmetall, die Gewerkschaft IG Metall, die Agentur für Arbeit und die Jobcenter in einem Beirat ins Boot.

Multiplikatoren gesucht

In 90 Kleinunternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitern sollen insgesamt 300 Führungskräfte und Betriebsräte sowie in zehn mittleren Unternehmen von 50 bis 249 Mitarbeitern insgesamt 100 Führungskräfte und Betriebsräte für die Weiterbildung in der Durchführung von Fördergesprächen gewonnen werden. Sie sollen Leitfäden und Anforderungsprofile an die Hand bekommen, um so das Potenzial der Mitarbeiter herauszufinden. In den Betrieben sollen deswegen Bildungslotsen als Multiplikator herangezogen werden, idealerweise ist das die Führungskraft, die für die Weiterbildung bereits zuständig ist. Sie sollen in der Führungsebene auf die Durchführung von Fördergesprächen pochen, und es soll die notwendige Struktur aufgebaut werden, damit sich die Mitarbeiter auch weiterbilden können. Also so, wie es laut des Tarifvertrags eigentlich vorgesehen ist, aber immer wieder aufgrund von personellen und zeitlichen Engpässen nicht zum Tragen kommt.

„Wir reden von Menschen, die in Lohn und Arbeit stehen und eine höhere Qualifikation erreichen wollen“, betont Hauptmann. 25 Prozent der Mitarbeiter seien in ihrem Bereich ungelernte Fachkräfte, betont Hugo Frey, Auditor Attraktiver Arbeitgeber, der das Projekt begleitet: „Ihr Potenzial bleibt bisher ungenutzt“, sagt er. Der ursprüngliche Schulabschluss sei laut IHK-Mitarbeiterin Martina Furtwängler, die mit Hauptmann das Projekt leitet, nicht von Bedeutung. „Wir wollen vor allem auch Frauen in Führungspositionen einbinden“, sagt sie.

Da die größeren Unternehmen für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter bessere Möglichkeiten haben, fokussiert sich Po.Re.Nu auf die kleineren und mittleren Unternehmen. 50 Industrieunternehmen und 50 Handwerksbetriebe sollen mitmachen. „Wir gehen an die Unternehmen heran und bieten unsere Unterstützung an“, sagt Hauptmann. Bereits 20 Unternehmen seien angeschrieben worden, und alle hätten ihre Bereitschaft signalisiert, mitzumachen.

1,6 Millionen Euro fließen

Thomas Albiez, Geschäftsführer der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, und Georg Hiltner, Geschäftsführer der Konstanzer Handwerkskammer, zeigen sich davon überzeugt, dass das Projekt mehr der anvisierten hundert Unternehmen erreichen könnte. In der Anfangsphase sollen rund 5000 Ausbildungsbetriebe angeschrieben werden und zu Informationsveranstaltungen in den Kreisen Tuttlingen, Schwarzwald-Baar und Rottweil eingeladen werden.

Für die Umsetzung des Projekts und um die Führungskräfte zu schulen, fließen in den kommenden drei Jahren insgesamt 1,6 Millionen aus gemeinsamen Fördermitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und Fördermitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales im Rahmen des ESF-Bundesprogramms „Fachkräfte sichern – weiter bilden und Gleichstellung fördern“ in die Region.

Die eigentliche Weiterbildung muss über andere Töpfe, etwa das Programm Wegebau der Agentur für Arbeit, oder vom Unternehmen und dem Mitarbeiter finanziert werden. „Wir bieten als BBT die Weiterbildungsmaßnahmen gerne an. Wir sind aber nicht die Einzigen am Markt“, betont Hauptmann, dass das Projekt auch andere Bildungspartner ansprechen soll. Klar sei laut Albiez aber auch: „Es gibt nicht die eine Lösung, um den Fachkräftebedarf zu decken. Wir müssen auf allen Wegen unterwegs sein.“

Weitere Informationen über Po.Re.Nu gibt es bei der BBT unter Telefon 07461 / 9290-0.

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