Kaffee von Kleinbauern aus Peru: Ein Erfolgsprojekt geht in die nächste Runde

Kaffee-, aber auch Gemüseanbau sind Standbeine der Kleinbauern in Peru.
Kaffee-, aber auch Gemüseanbau sind Standbeine der Kleinbauern in Peru. (Foto: Pidecafe)
Redakteurin

Der Huarmaca-Distrikt in Peru ist einer der ärmsten. 160 Dörfer im Nordwesten des Landes, 35 000 Menschen, verteilt in einer teils unwegsamen Bergregion. An immerhin zwölf Dörfer kann der Tuttlinger Hans-Martin Schwarz gedanklich einen Haken machen. Dort läuft der Kaffeeanbau und -vertrieb auch ohne die Hilfe von Pidecafé. Aber es gibt noch 148 weitere Dörfer.

Die Hilfsorganisation Pidecafé hat es sich zum Ziel gesetzt, Kleinbauern in Peru dabei zu helfen, sich eine tragfähige Existenz mit Kaffeeanbau aufzubauen. 1992 startete das Projekt mit 300 Bauernfamilien. Der Tübinger Biologe Rudolf Schwarz hat es initiiert, sein Bruder Hans-Martin Schwarz war in Tuttlingen schnell mit an Bord. Inzwischen ist die Gruppe der Helfer angewachsen. Als Träger für die Projekte treten meist der Arbeitskreis Dritte Welt in Tuttlingen oder die Bad Uracher Initiative „Überleben“ auf. Das Ergebnis ihrer Arbeit und der Menschen in Peru gibt es täglich zu sehen: In 50 Weltläden in Baden-Württemberg wird der Kaffee aus Peru verkauft.

Es geht jedoch längst nicht mehr nur um Kaffee bei Pidecafé.

Vor Ort ist die Hilfsarbeit inzwischen besser unter dem Namen „Progreso“ bekannt. „Wir decken auch Themen wie Ernährung, Bildung, Hygiene oder Aufforstung ab“, erläutert Schwarz. „Da hat der Name besser gepasst.“ Vor Ort werden Promotoren ausgebildet, die den Bauernfamilien helfen, ihre Existenzen aufzubauen und zu sichern. Zehn von ihnen gibt es schon, sie tragen ihr Wissen weiter. Und helfen Familien, sich einen Gemüsegarten oder Kaffeeparzellen anzulegen oder Kleintierhaltung aufzubauen.

Dadurch, dass wir Leute direkt vor Ort haben, sind wir präsent und vertrauenswürdig.

Rudolf Schwarz, Biologe

2019 startete diese Idee in sieben Dörfern, 2020 sind noch einmal sieben hinzugekommen. Die Arbeit vor Ort koordinieren dabei zwei Agraringenieurinnen – einer der Aspekte, weshalb sie so gut funktioniert, glaubt Schwarz: „Dadurch, dass wir Leute direkt vor Ort haben, sind wir präsent und vertrauenswürdig.“ Jeweils sechs Jahre soll dieses Projekt intensiv verfolgt werden. „Sechs Jahre hat sich als guter Zeitraum herausgestellt“, sagt Schwarz. „Allein der Kaffee braucht drei Jahre, bis die Bohne soweit ist, dass man sie auch weiterverarbeiten kann.“ Drei Jahre betreibt Pidecafé deshalb Grundlagenarbeit, danach geht es in die Vermarktung.

Besonders was den Kaffee angeht, „müssen wir topfit sein, um neue Familien in den Markt zu integrieren“, sagt Schwarz. Die Konkurrenz aus Vietnam und anderen Ländern sei präsent, in der Masse könne ein Projekt wie Pidecafé da gar nicht mithalten. „Wir können uns nur durch Qualität und Siegel abgrenzen“, erklärt Schwarz. Der Pide-Kaffee ist 100 Prozent Bio und 100 Prozent Fairtrade, das neue Label „seio pequeños productores“ weist zudem darauf hin, dass er von Kleinbauern kommt. Neu sind auch spezielle Kaffeearten mit hohem Säuregehalt, die erst ab 1200 Metern Höhe wachsen – eben genau im Huamarca-Distrikt.

Unterstützung in der Corona-Krise

Ohne finanzielle Unterstützung, die über Projektgeld und Spenden zusammenkommt, ließen sich die Projekte allerdings nicht umsetzen. Aktuell geht es laut Schwarz um Ausgaben von 55.000 Euro jährlich. Zudem hat Pidecafé zwischen März und Juli die Bauernfamilien in der Coronakrise unterstützt. Das Virus hat Peru schlimm getroffen, Pidecafé hat deshalb 3000 Euro für zehn Familien ausgegeben, bei denen ein Familienmitglied beatmet werden musste. Inzwischen habe sich die Lage etwas gebessert, sagt Schwarz.

Er hofft nun, die Arbeit im Huamarca-Distrikt vorantreiben zu können. Und eventuell, wenn nicht wieder Corona dazwischenkommt, steht für das kommende Jahr noch etwas auf dem Plan: Die ausgefallene Projektreise nachzuholen.

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