Künstlerin treibt in der Donau

Lesedauer: 2 Min
Ganz in Plastik eingewickelt treibt Ingrid Schorscher im Wasser.
Ganz in Plastik eingewickelt treibt Ingrid Schorscher im Wasser. (Foto: Svdo)
svdo

Um die 50 Menschen haben sich am Freitagabend an der Donau versammelt, um die Solo-Nacht-Performance von Künstlerin Ingrid Schorscher zu erleben.

Knarzende, befremdliche Laute von irgendwoher, eine leise Stimme, die chemische Begriffe murmelt und weit hinten auf der Donau treibt ein beleuchtetes Etwas im Wasser, das langsam, auf subtile Weise bedrohlich, näher kommt. Die Zuschauer wissen noch nicht, dass es sich bei dem Torso im Wasser um Performancekünstlerin Ingrid Schorscher handelt. Ganz in Plastikfolie eingewickelt, lässt sie sich in der Donau treiben. Schorscher stellt durch ihre Aktion die Frage. „Wissen wir, wovon wir umgeben sind, was passiert mit dem natürlichen Zyklus von Werden und Vergehen im Zeitalter des Kunststoffs?“ Schorscher möchte auf die allgegenwärtige Präsenz des Kunststoffs, auch im Wasser, aufmerksam machen.

Langsam verschwindet der Torso unter dem Rathaussteg und auf der Donau treibt nur noch das Sinnbild der Erkenntnis – ein Apfel. Der Wortlaut aus den Lautsprechern hat sich verändert. Zu hören ist das Gedicht „Du, Nachbar Gott“ von Rainer Maria Rilke, ein Zwiegespräch mit dem Unsichtbaren. Während die Zuschauer gebannt ins verlassene Wasser starren und den Zeilen lauschen, betritt unbemerkt die Künstlerin, vollständig in Folie gewickelt, die Brücke. Bei jedem Schritt hinterlässt sie einen dicken Fußabdruck aus Wasser und einer roten Flüssigkeit – Blut?

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen