„Internet gehört einfach dazu“

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Unumstrittene Nummer Eins im „sozialmedialen Hinterland“ Tuttlingens ist der Spaichinger Kedo mit seinem Youtube-Kanal TheKedos
Unumstrittene Nummer Eins im „sozialmedialen Hinterland“ Tuttlingens ist der Spaichinger Kedo mit seinem Youtube-Kanal TheKedos (Foto: Screenshot: D. Hecht)
Schwäbische Zeitung

Es ist unglaublich einfach: zwei Zeilen schreiben, auf Senden klicken und schon ist es draußen in der Welt. „Scho gschwätzt“ sozusagen. Noch nie ging es so schnell und so leicht, seine Meinung, Ideen und Beobachtungen in die Welt hinauszuposaunen wie im Internet. In unserer Reihe TuttlingTEN porträtieren wir zehn Leute aus dem Landkreis, die Facebook, Twitter und Youtube für sich entdeckt haben – und teilweise sogar Geld damit verdienen.

1 TheKedosZone

Dominik Keßler ist erst 20 Jahre alt und doch kennen 170000 Leute seinen Namen. Sie alle haben den Youtube-Kanal des Spaichingers, „TheKedoZone“, abonniert. Was er da macht? „Es hat angefangen mit Let’s Play, dabei kommentiere ich Computerspiele in eigenen Videos“, erklärt Keßler, „inzwischen kommt das, was ich vor der Kamera mache, aber fast noch besser an.“

Vor der Kamera macht Keßler alles Mögliche: Raps, Kurzfilme, sogar eine wöchentliche Show. Warum das so gut ankommt? „Ich glaube, viele interessieren sich inzwischen mehr für die Person, die dahintersteckt, als nur für die Spiele-Videos.“ Natürlich gehört zu Kedos Rundum-Programm auch die Präsenz in anderen Kanälen, auf Facebook (fast 30000 Fans) und auf Twitter (63 000 Follower) etwa. Das läuft so gut, dass er von Youtube sogar Geld bekommt – das er für sein Studium sparen will.

Mit dem Studium übrigens soll es erst nächstes Jahr losgehen. Das Abi hat er zwar in der Tasche, ein (halbes) Freiwilliges Soziales Jahr auch, Keßler ist aber noch auf der Suche nach dem geeigneten Studium. „Was Mediales“ interessiert ihn, das ist klar, „aber auch die soziale Schiene wäre was für mich.“

youtube.com/TheKedosZone

2 Blaulichtreport

Aus purer Langeweile hat es für Benjamin May vor zwei Jahren angefangen. Er war längere Zeit krankgeschrieben und kam dabei auf die Idee, sich als Reporter zu betätigen. Nicht für die klassischen Medien Zeitung, Radio oder Fernsehen – er kreierte seine eigene Facebook-Seite – „schnell, unkompliziert und kostenlos“, wie er sagt – und befriedigt inzwischen die Sensationsgier von 10 000 Fans, die seine Meldungen über Polizei- und Feuerwehreinsätze in der Region lesen.

„Ich war selber lange bei der Feuerwehr“, erzählt er, „ich hab mich schon immer für diese Themen interessiert.“ Teilweise ist er selbst vor Ort, macht Fotos, stellt sie noch vom Unfall aus online. Aber immer kann er nicht dabei sein, deshalb verlinkt er auch die Meldungen der Polizei oder der Feuerwehr. Nicht immer gefällt das den Hilfskräften vor Ort. „Die Leute reagieren sehr gemischt, ich bin auch schon über Facebook bedroht worden. Meistens ist es aber nur heiße Luft“, meint May. Ein wenig zu heiß ist es ihm aber inzwischen fast geworden. Er hat einen neuen Job als Abschlepper für den ADAC, „da kann ich nicht gleichzeitig als Presse auftreten“.

facebook.com/BlaulichtreportTuttlingenUndUmgebung

3 Der Ideealist

Nachwuchssorgen? Hat der Baubetrieb von Jens Heim und seinen Brüdern in Neuhausen ob Eck derzeit nicht. Und dafür macht er vor allem seine Social-Media-Aktivitäten verantwortlich. „Bei uns laufen die Bewerbungen inzwischen fast nur noch online“, erzählt er, sogar über die Facebook können sich potenzielle Azubis bewerben.

Aber nicht nur für sein Unternehmen ist Heim im Netz aktiv. Seit er 2011 angefangen hat, sich „einfach mal auszuprobieren“, investierte er vor allem morgens und abends viel Zeit in sein Blog, auf Facebook und auf Twitter. Gemeinsam mit anderen Bloggern hat er außerdem das Blog „Schleckgöschle“ gegründet. Dabei veranstaltet er Süßigkeiten-Verkostungen für die digitale Gemeinde – aber natürlich mit echten Süßigkeiten in der echten Welt.

der-ideealist.de

4 Jay F Kay

Der zweite in einem Dreigestirn von aktiven Bloggern im Landkreis, auch bekannt als Hoomygumb oder unter seinem richtigen Namen: Jürgen Keks. Anfangs testete er Currywürste, inzwischen sammelt er „Lifestyle-Themen“ in seinem Blog und versucht, das „sozialmediale Hinterland“ rund um Tuttlingen zu beleben.

hoomygumb.com

5 Der Herr Meier

Der Herr Meier, wie er sich auf Twitter nennt, ist neben Ideealist und Jay F Kay der dritte Blogger aus Tuttlingen – der seine Website sogar mit einem Foto von der Stadt ziert.

meiers-home.de

6 Guido Wolf

Viel ist von unseren Regionalpolitikern auf Social-Media-Kanälen nicht zu sehen, aber Guido Wolf geht es jetzt an. Wohl im Zuge seiner Kampagne, möglichst viele Unterstützer für die Ministerpräsidenten-Kandidatur zu finden, hat Wolf schon 4769 Freunde auf Facebook gesammelt – mit Erfolg: Die Gruppe „Wir für Guido Wolf“ hat schon 1680 Fans.

7 Der Stadtflüsterer

Wenn es um politische, gesellschaftliche und sonstige Diskussionen in Tuttlingen geht, ist Mathias Schwarz vorne mit dabei. Angefangen hat es auf der Plattform Tuttlingen mixxt, inzwischen hat Schwarz seine eigene Facebook-Gruppe, das Tuttlinger Stadtgeflüster, gegründet. Inzwischen hat die Gruppe gut 1500 Mitglieder – und sie wächst weiter.

facebook.com/groups/1489666887912505/

8 Gordon, Crischa, Gabaz

Gordon November, Crischa Wagner, Gabaz und zahlreiche andere: Musiker aus dem Kreis nutzen die Social-Media-Plattformen, um sich selbst zu bewerben. Was ganz gut funktioniert: Gordon November zum Beispiel erreicht so 1500 Leute.

9 Feuerwehr Tuttlingen

Keine andere Feuerwehr im Kreis ist so aktiv wie die Tuttlinger. Nach den Einsätzen gibt’s den Bericht nicht nur auf der Homepage, sondern auch auf Facebook, meistens sogar mit Foto.

facebook.com/FwTuttlingen

10 Squadhouse

Das Forum war mal sowas wie der Ursprung von Social Media in Tuttlingen, konnte sich gegen Facebook aber nicht behaupten. Immerhin gefällt die Facebook-Fan-Seite noch 1500 Leuten – deutlich mehr als auf der Plattform selbst noch aktiv sind, aber weniger als die Webentwickler-Firma, die dahinter steckt, inzwischen hat.

squadhouse.de

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