Initiative für Erdgastankstelle: Stadt sieht sich nicht in Verantwortung

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Schwäbische Zeitung

Vor wenigen Wochen hat sich in Tuttlingen eine Bürgerinitiative zur Wiederbelebung der Erdgastankstelle im Kreis gegründet. Seitdem ist einiges passiert. In der vergangenen Woche gab es ein erstes Gespräch mit Vertretern der Stadtverwaltung. Was dabei herausgekommen ist, hat unser Redakteur Sebastian Heilemann Bernd-Joachim Metzger von den Ergasfreunden Tuttlingen gefragt.

Herr Metzger, werden Sie bald wieder im Landkreis Erdgas tanken?

Wir werden uns darauf einstellen müssen, dicke Bretter zu bohren. Wir haben leider mit unserem Anliegen keine offenen Türen eingerannt.

Das heißt, vorerst wird die Stadt Tuttlingen nicht für eine Erdgastankstelle einspringen?

Die Stadt sieht sich zunächst nicht zu sehr in der Pflicht. Die Verwaltung sieht eher den Landkreis, das Land und die EU in der Verantwortung. Die Stadtwerke sind auch eher ablehnend. Herr Hensch (Grünplaner der Stadt, Anmerkung der Redaktion) hat vorgeschlagen, er könnte schon organisieren, dass wir uns im Herbst zum Beispiel bei den Innovationstagen der Stadt vorstellen können. Dafür würde er sich engagieren. Außerdem würde man darüber nachdenken, doch vielleicht noch Erdgasautos (für die Verwaltung, Anmerkung der Redaktion) für die Langstrecken anzuschaffen, sonst ist die Stadt ja eher auf Elektrofahrzeuge eingestellt.

Wie geht es dann jetzt weiter?

Wir werden mit einem Schreiben an den Landrat und die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat unsere Argumente vortragen. Die Stadtwerke wollen wir darauf aufmerksam machen, dass es da auch Fördermöglichkeiten gibt. Denn mit dem Verkauf von beispielsweise Erdgas, kann CO2 eingespart werden. Dieses eingesparte Co2 kann man wiederum als Zertifikat verkaufen. Das ist sehr bürokratisch, aber es gibt Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben. Wenn das läuft, kann man mehrere Tausend Euro einsparen. Solche Tipps haben wir von einer Erdgasinitiative aus Lippstadt im Ruhrgebiet bekommen. Die sind ein bisschen weiter als wir.

Wie hat das die Initiative aus dem Ruhrgebiet geschafft?

Die Initiative konnte einen Fuhrparkmanager dazu bringen, einen LKW mit Erdgasantrieb anzuschaffen. Der nimmt natürlich einiges ab. Damit hatte die Initiative ihre Tankstelle im Trockenen. Aber die Gruppe ist immer noch sehr aktiv und stellt beim Lippstädter Frühling, einem Stadtfest, ihre Fahrzeuge aus. Denn das ist eben ein „Henne und Ei“-Problem. Gibt es nicht genug Abnehmer, gibt es auch kein Angebot und andersherum. Wir wollen versuchen, auch Manager von Fuhrparks zu gewinnen. Das Entsorgerunternehmen Remondis betreibt im Ruhrgebiet auch Erdgasfahrzeuge. Und die sind ja auch in Talheim unterwegs. Vielleicht kann man mit denen ins Gespräch kommen.

Ihr Ziel war es ja, eine Tankstelle bis zum Ende des Jahres zu realisieren. Ist das nach den Gesprächen realistisch?

Die Stimmung für dieses Jahr ist etwas gedämpft, muss man zugeben. Insgesamt hat eben keiner gesagt: ja, wir machen das. Davon war leider fast auszugehen. Das wäre schon ein Geschenk gewesen. Hauptsächlich dämpft uns, dass von den Stadtwerken wohl nichts Positives rüberkommen wird. Aber deswegen wollen wir uns ja auch nochmal direkt vorstellen.

Wie haben die anderen Mitglieder der Initiative auf die Nachricht reagiert?

Die Stimmung beim Treffen war so, dass wir uns berappelt haben und weitermachen. In der kommenden Woche steht ein Termin mit der Klimaschuztbeauftragten des Landkreises an.

Es würde ja auch die Möglichkeit geben, dass die Initiative eine eigene Tankstelle als Genossenschaft betreibt. Ist das eine Option?

Ich denke schon, dass ein Träger da sein muss, der sich in diesem komplexen Feld auskennt. So einigermaßen dazu berufen wären eben die Stadtwerke, die ja auch Gas verkaufen. Oder eben die Gaslieferanten wie Badenova oder Eon, die durch ein entsprechendes politisches Signaldoch noch davon überzeugt werden könnten, so eine Tankstelle zu eröffnen.

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