In vier Stunden brannte Tuttlingen ab

Lesedauer: 5 Min
 Angelika Bender, Claudia Schreiber-Winkler, Elke Mattes (von links) berichten vom Tuttlinger Stadtbrand.
Angelika Bender, Claudia Schreiber-Winkler, Elke Mattes (von links) berichten vom Tuttlinger Stadtbrand. (Foto: Michelle Fallert)
Michelle Fallert

Mit Erzählungen, kurzen Theaterpassagen und Gedichten haben die drei Stadtführerinnen Claudia Schreiber-Winkler, Elke Mattes und Angelika Bender den Besuchern eine abwechslungsreiche Führung zum Tuttlinger Stadtbrand geboten. Trotz des regnerischen Wetters fanden sich circa 25 Interessierte ein.

Am 1. November 1803 traf das Unglück die Stadt Tuttlingen unerwartet. Es brach ein Feuer aus, im Haus neben einem Kaufmann, der Schießpulver gelagert hatte. Das war drei Häuser weg vom heutigen Kino Richtung Rundes Eck. Die genaue Ursache ist unbekannt, man hat bis heute nichts herausgefunden.

Die Häuser standen eng beieinander und enge Gassen zogen sich durch die Stadt. Kienspäne und Heu wurden auf den Dachböden gelagert, was wie Zunder brennt. Der Wind trieb die Funken von Haus zu Haus, das Feuer konnte sich somit rasant ausbreiten. Die ganze Stadt innerhalb der Stadtmauern brannte in vier Stunden, komplett ab.

Die Donau und der Seltenbach, der heute unterirdisch fließt, bildeten eine Feuergrenze. Alles außerhalb wurde verschont, somit auch Wöhrden und die Mühlen. Eine Feuerwehr wie heute gab es damals nicht, die wurde erst in den 1850er-Jahren gegründet. Man schickte Feuerreiter aus, um benachbarte Dörfer um Hilfe zu bitten. Es gab nicht viel Wasser, die Männer mussten mit kleinen Eimern zum Brunnen laufen und mühsam das Wasser holen. Durch den Brand sind zwei Menschen um das Leben gekommen.

Tuttlingen galt damals als eine der größten und bedeutendsten Handelsstädte. Die Stadt war der Knotenpunkt für den Handel, sie besaß die einzige Holzbrücke, die für schwere Fuhrwerke befahrbar war. Schuhmacher, Seidenspinner und vor allem die Gerber hatten ihren Sitz in Tuttlingen.

Die Stadt Tuttlingen bekam schnelle Hilfe von den benachbarten Städten, wie Tübingen und Schaffhausen. Nach dem Stadtbrand konnten die meisten ausgebrannten Einwohner in den Häusern der Unteren und Oberen Vorstadt Unterschlupf finden, wo dann bis zu 20 Menschen in einem Zimmer lebten. Die Kinder wurden zum Teil nach Stuttgart geschickt. Doch die Tuttlinger, deren Häuser abgebrannt waren, wollten nicht aus der Stadt weg. Sie halfen beim Wiederaufbau, der 1804 nach den Plänen von Landbaumeister Carl Leonard von Uber begann.

Die kleinen Fachwerkhäuser wurden nach dem Brand vergrößert, die Stadt wurde höher gelegt und auf dem Schutt wieder aufgebaut. Das half gleichzeitig gegen die früheren Hochwasser der Donau. Uber legte quadratische Häuserquartiere an, zwischen den Häusern sind Brandschutzgassen und jeder Quartiers-Innenhof hat zwei oder drei Gassen als Flucht- oder Rettungszugang.

Der Landbaumeister entwarf rechtwinklig angelegte breite Straßen um den quadratischen Marktplatz herum. Das machte Tuttlingen zu einer der modernsten württembergischen Städte jener Zeit. Auch das Rathaus mit seinen zwei Türmen ist 1804 entstanden. Früher besaß Tuttlingen zwei Rathäuser, weswegen die Bürger darauf bestanden, dass bei dem neuen Gebäude wenigstens zwei Türme als Symbol dafür daraufgesetzt werden.

Im Tuttlinger Haus, dem Heimatmuseum, das als Musterhaus ebenfalls nach dem Stadtbrand gebaut wurde, kann man sich heute noch ein Bild von der damaligen Situation Tuttlingens und dem Stadtbrand machen.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen