Im Auftrag der Chancengleichheit

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Lucia Faller will Frauen ermutigen, Führungspositionen im Berufsleben einzunehmen.
Lucia Faller will Frauen ermutigen, Führungspositionen im Berufsleben einzunehmen. (Foto: Stadtverwaltung Tuttlingen)
Sabine Doderer

Lucia Faller ist Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Tuttlingen. Sie setzt sich unter anderem dafür ein, dass Frauen und Männer die selben Chancen im Berufsleben haben. Dass das nicht immer so ist, musste sie am eigenen Leib erfahren.

Auch Männer gehören zu ihrem Klientel, sagt Lucia Faller, die seit dem Jahr 2007 Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Tuttlingen ist. Jedoch würde die Zahl der Frauen, die sich in Sachen beruflicher Chancengleichheit an sie wenden, überwiegen. Sie seien, gerade was das Thema Lohn beträfe, einfach immer noch nicht auf dem gleichen Stand wie Männer.

Es habe sich in der Vergangenheit seit der generellen Berufung von Gleichstellungsbeauftragten in der gesamten Bundesrepublik viel getan. Doch, so räumt Lucia Faller ein, es fehle nach wie vor in Verwaltungen, Wirtschaft und Politik an einer paritätischen Gleichstellung. Gerade Führungspositionen seien nach wie vor von Männern besetzt.

Gute hundert Jahre liege nun die gesetzliche Verankerung des Frauenwahlrechts zurück. Doch ginge rückblickend die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft nur in kleinen Schritten voran. Dabei sei es zwar markant, dass mittlerweile viele Frauen (aktuell sind dies dreißig Prozent) in den Aufsichtsräten von Dax-notierten Großunternehmen seien. Doch in der breiten Mitte sei das Thema immer noch strittig.

Genau jene Mitte der Gesellschaft ist Fallers Tätigkeitsbereich. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind die Fragen und Belange der rund achthundert Mitarbeiter des Tuttlinger Rathauses. Rund zwei Drittel der Stellen sind von Frauen besetzt. Auch sie selbst habe mit dem Thema Frau und Beruf ihre Erfahrungen gemacht. Nach der Geburt ihres Sohnes musste sie ihren Job in der Führungsebene eines Industrieunternehmens aufgeben.

Teilzeitarbeit wurde der diplomierten Betriebswirtin damals nicht ermöglicht. Mittlerweile sei das ganz anders. Es gebe mehr Betreuungsangebote für Kinder und die Arbeitswelt habe sich zudem mehr auf die Belange von Müttern im Berufsleben eingestellt.

Heute motiviert Faller die Mitarbeiterinnen des Rathauses nach der Geburt zum Wiedereinstieg ins Berufsleben. Dabei ist sie Coach, Mentorin und manchmal auch Kummerkasten zugleich. Konkret stellt sie sich jeden Tag neuen Herausforderungen, um die Gleichstellung zu fördern. Hierfür entwickelt sie kontinuierlich Projekte, um neue Potentiale zu entdecken und diese zu nutzen.

Gerade im Tuttlinger Rathaus, so betont Faller, haben Frauen ideale Möglichkeiten, nach der Geburt ihres Kindes wieder ins Berufsleben einzusteigen. Die Stadt Tuttlingen mit ihrem Oberbürgermeister Beck als modernem Teamplayer an der Spitze, biete heute sehr gute Möglichkeiten, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Ein gutes Kommunikationsmanagement mit den Wiedereinsteigerinnen und die Möglichkeit zum Home Office sowie flexible und individuelle Arbeitszeitregelungen seien da nur einige Aspekte eines attraktiven Arbeitsplatzes.

Lucia Faller will in ihrem Beruf Frauen Lust machen, verantwortungsvolle Führungspositionen zu übernehmen. Sie will weibliches Selbstbewusstsein stärken und Mut machen, sich von immer noch üblichen Rollenklischees zu lösen. Netzwerken sei da gerade für Frauen enorm wichtig. Hierfür ist das aktuelle Projekt, das sie zusammen mit Frauen aus regionalen Beratungsinstitutionen, dem Innovations- und Forschungs-Centrum (IFC) und der Hochschule Furtwangen (HFU) vorantreibt, genau das richtige Forum:

Am 18. Oktober findet im Innovations- und Forschungs-Centrum (IFC)Tuttlingen der von der Baden-Württembergischen Landesregierung initiierte FrauenWirtschaftsTag unter dem Titel „Female Leadership – Erfolgreich führen“statt. Es geht um die Kernthemen, die auch Lucia Faller tagtäglich beschäftigen: Karriere, Partnerschaft, Familie, und Engagement – wie kann das gelingen?

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