Hinter den Kulissen des IFC

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Martin Haimerl, Wissenschaftlicher Direktor des IFC, führt Leser unserer Zeitung durch das im Juli eröffnete Forschungszentrum.
Martin Haimerl, Wissenschaftlicher Direktor des IFC, führt Leser unserer Zeitung durch das im Juli eröffnete Forschungszentrum. Noch sind nicht alle Räume in Gebrauch. (Foto: Sebastian Heilemann)

Forschungseinrichtung auf Weltniveau, Schnittstelle zwischen Industrie und Hochschule, Raum für neue Ideen. All das möchte das Innovations- und Forschungszentrum (IFC) in Tuttlingen in Zukunft sein. 25 Leser unserer Zeitung erhielten im Rahmen der Leseraktion „SZ öffnet Türen“ einen exklusiven Einblick in die Arbeit der Einrichtung.

Wenn die Glastür zum Kompetenzzentrum für Spanende Fertigung im Erdgeschoss des IFC aufgeht, dringt ein tiefes Brummen aus dem fünf Meter hohem Raum mit Sichtbetonwänden. Silber-glänzende Metallrohren hängen an Wänden und Decken und Maschinen teilweise so groß wie Lastwagen reihen sich an einander. Drei Männer stehen gedrängt um den Bildschirm einer Maschine und diskutieren, auf einem Tisch steht ein Laptop, der ein Computermodell eines Werkstückes anzeigt. Was hier im Detail passiert, ist geheim. Fotos während dem laufenden Betrieb zu machen, ist verboten. Denn die Ingenieure entwickeln hier unter anderem neue Schleifprozesse, optimieren Drehmaschinen oder Techniken, um völlig neue Materialien kostengünstig zu bearbeiten. Forschungsprojekte, in die Wirtschaftsunternehmen zum Teil viel Geld investieren. „Wenn Unternehmen einen neuen Werkstoff bearbeiten wollen oder die Produktivität bei der Herstellung erhöhen wollen, dann kommen sie zu uns“, sagt Bahman Azarhousang, Professor an der Fakultät Mecanical and Medical Engineering und Leiter des Kompetenzzentrums Spanende Fertigung.

Forschungsarbeit mit Laser und Ultraschall

Acht Doktoranden und 13 wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten an den Dreh- und Fräsmaschinen, die unterschiedliche Techniken zur Herstellung von den verschiedenen Bauteilen anwenden: Schleifen, Fräsen, Bohren, Drehen und das mit Laser, Strom oder Ultraschall. Diese Techniken kombinieren die Ingenieure innerhalb der Maschinen und optimieren sie. Solange, bis Werkstoffe, die eigentlich nicht wirtschaftlich zu bearbeiten sind, kostengünstig in kurzer Zeit hergestellt werden können. Azarhousang zeigt auf eine Walze mit spiegelglatter Oberfläche – bearbeitet mit einer Schleiftechnik, die im Kompetenzzentrum entwickelt wurde. „Das ist die am besten geschliffene Oberfläche weltweit“, sagt der Wissenschaftler. Mit einer solchen Walze könnten beispielsweise Displayschutzfolien für Smartphones deutlich kostengünstiger produziert werden – nur ein Beispiel dafür, welche Art von Forschung am IFC praktiziert wird. Zum Teil mit Forschungsaufträgen direkt von Auto- oder Werkzeugherstellern. Teilweise aber auch mit Forschungsgeldern aus dem Wissenschaftsministerium.

Doch das Kompetenzzentrum für Spanende Fertigung ist nur ein Teil dessen, was das IFC in Zukunft ausmachen soll. „Das IFC soll eine Schnittstelle sein. Darin sehen wir unsere Aufgabe“, sagt Martin Haimerl, Professor an der Fakultät für Industrial Technologies und seit kurzem wissenschaftlicher Direktor des IFC. Professoren leisten im Rahmen von Industrieprojekten Forschungsarbeit, verschiedenste Unternehmen sollen einen Raum zur Vernetzung finden, Startups werden begleitet und in der Gründungsphase unterstützt. „Das sind unsere drei Standbeine“, sagt Haimerl.

Doch noch ist nicht in allen Räumen Leben eingezogen. Die Labore im Obergeschoss sind noch unbenutzt. Viele Plätze im Großraumbüro noch frei. Weitere Forschungsprojekte müssen erst noch anlaufen.

Mehrere Projekte haben Arbeit aufgenommen

Erst vor einer Woche sei Medical Mountains, eine Gesellschaft zur Stärkung der heimischen Medizintechnik, im IFC angekommen. Das Startup HB microtech, das sich auf den Bereich Zerspanungstechnik spezialisiert hat, hat seine Arbeit aufgenommen. Und Cohmed, eine Initiative, die vor allem regionale Unternehmen bei der Entwicklung neuer Projekte durch Unterstützung bei Forschungsanträgen unter die Arme greifen will. Doch bis es im IFC so laut brummt, wie in einem Bienenschwarm, wird noch etwas Zeit vergehen.

Einen Eindruck davon, was hier in Zukunft passieren wird, erhielten die Leser dennoch. Und noch dazu gab es einen Blick über Tuttlingen – denn die exklusive Führung endete auf der Dachterasse des IFC.

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