Heimische Experten trauen Deutschland viel zu

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 Geglückter Start in die Handball-Weltmeisterschaft: Die deutschen Spieler nach dem 30:19-Auftaktsieg gegen Korea.
Geglückter Start in die Handball-Weltmeisterschaft: Die deutschen Spieler nach dem 30:19-Auftaktsieg gegen Korea. (Foto: dpa/Soeren Stache)
Sportredakteur

Seit Donnerstag läuft die Handball-Weltmeisterschaft. Die beiden Gastgeber, Deutschland und Dänemark, gewannen ihre Auftaktspiele. Für Deutschland geht es am Samstag gegen Brasilien weiter. Wir haben uns bei heimischen Handball-Experten umgehört, was sie der deutschen Mannschaft zutrauen und wer als Top-Favorit gilt. Dabei wurde auch Kritik an Bundestrainer Christian Prokop laut.

Der Trainer der HSG Baar, Martin Irion, ist optimistisch: „Alle Mannschaften in der Gruppe, außer Frankreich, dürften kein Problem für uns sein.“ Im Vergleich zur vergangenen Europameisterschaft, als die Deutschen überraschend früh die Segel streichen mussten, sagt Irion: „Die EM ist gerade in der Vorrunde qualitativ höher als eine WM.“ Daher glaubt er, dass sich die Deutschen sicher durchsetzen werden. Irion: „Auch Russland ist nicht mehr das, was es schon einmal war.“

Das Auftaktspiel gegen Korea gewannen die Deutschen am Donnerstag 30:19. „Gegen so einen Gegner zu begeistern, ist schwierig“, war der erfahrene Coach Irion nicht rundherum zufrieden. „Das Spiel ist nicht aussagekräftig. Ich meine, in solchen Spielen sollten sich die ersten Sieben einspielen“, reagierte Irion kritisch auf die Worte von Trainer Christian Prokop, der anmerkte, alle Spieler mit Einsatzzeiten ins Turnier gebracht zu haben.

„Man braucht auch Glück“

Spannend wird es für Martin Irion in der Zwischenrunde und möglichst auch danach im Halbfinale. „Entscheidend für den weiteren Verlauf wird auch sein, wie viele Punkte wir in die Zwischenrunde mitnehmen.“ Auf die Frage, ob Deutschland den Titel holt, weicht der Coach aus. Irion: „Am Schluss braucht man auch Glück. Ich traue Deutschland aber das Halbfinale zu.“

Stark schätzt Irion die skandinavischen Mannschaften ein. „Das 39:16 von Dänemark gegen Chile mit einem zwischenzeitlichen 14:0-Lauf in der ersten Hälfte war eindrucksvoll. Der Heimvorteil könnte am Ende für Dänemark entscheidend sein“, sagt Irion mit Blick auf den Endspielort Herning in Dänemark. „Aber auch die Schweden und Norweger haben zuletzt oft starke Leistungen geboten und müssen beachtet werden“, sagt Irion.

„Die Brocken kommen noch“

Frankreich, Spanien, Norwegen, Dänemark und auch Deutschland sind Mannschaften, die man erst einmal schlagen muss“, sagt Paul Epple aus Wurmlingen, der von 1967 bis 1975 für Frisch Auf Göppingen in der Bundesliga spielte und zweimal deutscher Meister wurde. „Vielleicht gewinnt auch ein Außenseiter“, hält Epple eine Überraschung für möglich. „Wir haben gegen Korea einen guten Start hingelegt, wobei der Gegner aber nur drittklassig war. Der nächste Gegner Brasilien ist schon stärker, aber auch nur zweitklassig. Die Brocken kommen erst danach mit Frankreich, Russland und Serbien. Doch für die Zwischenrunde müsste es reichen. Die Tagesform wird in vielen Spielen entscheidend sein“, sagt der frühere Nationalspieler. Epple kann nicht alle personellen Entscheidungen von Christian Prokop nachvollziehen. Der Bundestrainer hatte Rechtsaußen Tobias Reichmann aussortiert, der bei dem EM-Gewinn 2016 noch der treffsicherste deutsche Spieler war (46 Tore). Epple: „Wir haben mit Patrick Groetzki nur einen Rechtsaußen im Kader. Wenn er verletzt ausfällt, dann haben wir ein Problem. Ich kenne die Gedankengänge von Bundestrainer Christian Prokop nicht. Ich wünsche der Mannschaft und ihm aber Erfolg.“

„Frankreich oder Deutschland“

Holger Hafner, Trainer des Landesligisten TV Aixheim, sagt: „Eine Weltmeisterschaft im eigenen Land ist für die Außendarstellung wichtig. Da haben wir die Chance, uns zu zeigen.“ Sportlich traut er dem deutschen Team einiges zu. „Wenn man gut reinkommt, hat man die Chance, das Turnier zu gewinnen. Aber wir sind nicht der Top-Favorit. Allerdings sind wir auch nicht weit von der Weltspitze entfernt. Aber wenn wir nicht alles abrufen, kann es in der Zwischenrunde schiefgehen.“ Der Coach hebt die üblichen Verdächtigen auf den Favoritenthron: „Mit Frankreich, Dänemark, Spanien und Kroatien muss man rechnen. Ich tippe auf Frankreich oder Deutschland.“ Der Heimvorteil kann für Hafner Fluch oder Segen sein: „Ich hoffe, dass das eigene Publikum die Mannschaft beflügelt und nicht hemmt.“

„Mindestens Halbfinale ist drin“

Gunter Haffa, der sportliche Leiter der HSG Rietheim-Weilheim, freut sich auf die Weltmeisterschaft: „Ich denke, der Heimvorteil und eine positive Stimmung – mindestens das Halbfinale ist bestimmt für unsere Mannschaft drin. Wenn es noch mehr würde, wäre das toll.“ Mit dem 30:19-Sieg gegen Korea im ersten Spiel ist er zufrieden. Haffa: „Der Anfang ist immer holprig. Auch weil man nervös ist. Daher ist der Start nicht einfach. Aber Korea war der richtige Auftaktgegner und es hat den Pflichtsieg gegeben.“ Zwei Mannschaften stehen bei Haffa besonders hoch im Kurs: „Frankreich ist der Top-Favorit. Aber auch Dänemark muss man auf der Rechnung haben.“ Er freut sich, dass die Handball-WM im öffentlichen Fernsehen übertragen wird. „Da können wir richtig Werbung für unseren Sport machen und zeigen, dass der Handball temporeich und rasant ist. Bei einem erfolgreichen Verlauf können wir viele neue Freunde finden.“

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