Hebu feiert 90-Jähriges und Richtfest

Lesedauer: 5 Min
IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez (von links) über die Urkunde zum 90-jährigen Bestehen von Hebu Medical an Geschäftsführer
IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez (von links) über die Urkunde zum 90-jährigen Bestehen von Hebu Medical an Geschäftsführer Thomas Butsch und seine Mutter, Barbara Butsch. Den Richtspruch für den Erweiterungsbau (im Hintergrund) hielt Hans-Walter Haller. (Foto: Christian Gerards)
Redaktionsleiter

Das Tuttlinger Medizintechnik-Unternehmen Hebu Medical hat am Freitagnachmittag sein 90-jähriges Bestehen gefeiert. Gleichzeitig wurde der Richtspruch für den Erweiterungsbau gesprochen. Geschäftsführer Thomas Butsch sprach zu diesem Anlass von einem entscheidenden Jahr für das Tuttlinger Medizintechnik-Cluster.

1928 hatte der Urgroßvater von Thomas Butsch, Thaddäus Butsch, aus der Not heraus das Unternehmen gegründet. In der aufziehenden Weltwirtschaftskrise war der bekennende Kommunist arbeitslos geworden, und er sah in der Firmengründung die Chance, aus der Notlage herauszukommen. Im Erdgeschoss seines Hauses in Weilheim richtete er eine Polierwerkstatt ein.

1948 gründete schließlich dessen Sohn und Thomas Butschs Großvater, Hermann Butsch, ein Unternehmen für chirurgische Instrumente. Über viele Jahre war Hebu in Weilheim ansässig. Zunächst produzierte das Unternehmen vor allem Klemmen und Nadelhalter. Im Jahr 2001 wurde das neue Verwaltungs- und Produktionsgebäude unter der Leitung von Rudolf Butsch an der Tuttlinger Badstraße bezogen und damit der Wegzug aus Weilheim besiegelt.

1,8 Millionen an Investitionen

1,8 Millionen Euro investiert Hebu Medical in diesem Jahr in alle Bereiche. Ein Gutteil davon geht in den Erweiterungsbau mit all seinen Nebenarbeiten. So musste extra der Vogelsangweg verlegt werden, vom Tennisclub Rot-Weiß übernahm das Medizintechnik-Unternehmen einen Tennisplatz und eine Ballwand, um auf das eingeebnete Areal erweitern zu können. Zusätzlich zum Erweiterungsbau, in dem bald Sterilcontainer produziert werden sollen, hat das Unternehmen auch die Anzahl der Parkplätze erweitert. In Ungarn verfügt Hebu seit diesem Jahr nicht mehr nur über zwei Produktionsstandorte, sondern über drei.

45 Mitarbeiter zählt das Unternehmen derzeit an seinem Standort in Tuttlingen. Bisher verfügte es über eine Betriebsfläche von 3000 Quadratmetern. Mit dem Erweiterungsbau kommen 300 Quadratmeter hinzu. Der Spatenstich erfolgte Anfang Juni, der Bezug mitsamt Produktionsbeginn ist für Ende Oktober dieses Jahres vorgesehen. Thomas Butsch betonte, dass das Unternehmen „gesund und unabhängig“ sei. Das soll auch so bleiben. Der Umzug nach Tuttlingen sei ein Riesenschritt und „absolut richtig“ gewesen.

Das Jahr 2018 sei für das Medizintechnik-Cluster auch aufgrund der neuen Medizinprodukteverordnung der Europäischen Union ein entscheidendes. „Der Markt wird sich konsolidieren. Es werden weniger Unternehmen werden, die chirurgische Instrumente auf den Markt bringen“, sagte er. Derzeit gehe es „richtig ab“ in Tuttlingen, und diejenigen Firmen, die überleben würden, würden nicht kleiner, sondern durch Zukäufe vielmehr größer werden.

Geschäftsjahr läuft gut

Für Hebu Medical selbst laufe das Geschäftsjahr gut. Auch deswegen wolle das Unternehmen in diesem Jahr seine erste CNC-Fräsmaschine im Erweiterungsbau aufstellen, die von Montag bis Freitag durchproduzieren soll. Auch drei neue Beschriftungslaser schafft das Unternehmen an.

Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg, betonte, dass viele Unternehmen vor 90 oder hundert Jahren aus der Not heraus gegründet worden sind: „Was daraus entstanden ist, ist wunderbar“, sagte er. Albiez erinnerte daran, dass zwei von drei Neugründungen nach zehn Jahren nicht mehr aus dem Markt seien. Klar sei aber auch, dass der beste Unternehmen ohne seine Mitarbeiter nichts taugen würde.

Die aktuelle Vollbeschäftigung in der Region sei keine Selbstverständlichkeit. Die Medizinprodukteverordnung und die neue Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union mache die Unternehmen kaputt, auf dessen Schultern das ganze Land existiere.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen