Handeln im „europäischen Team“

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 Sprechen sich für den Zusammenhalt Europas aus: Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck, die Landesvorsitzende der Europa-Un
Sprechen sich für den Zusammenhalt Europas aus: Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck, die Landesvorsitzende der Europa-Union Baden-Württemberg Evelyne Gebhardt, EU-Kommissar Günther Oettinger, die Landesausschussvorsitzende der Jungen Europäer Baden-Württemberg Katharina Csik, Landesjustizminister und für Europa Guido Wolf sowie Landrat Stefan Bär (von links). (Foto: Simon Schneider)
Simon Schneider

Er hat den europäischen Gedanken bei der Landesversammlung der Europa-Union Baden-Württemberg vor mehr als 100 Delegierten mit seiner Festrede gestärkt: der EU-Kommissar Günther Oettinger. Zudem erhielt er die goldene Ehrennadel der Europa-Union.

Die Geschichte der europäischen Union sei eine Erfolgsgeschichte sagte eingangs die Landesvorsitzende der Europa-Union Baden-Württemberg, Evelyne Gebhardt, im kleinen Saal der Tuttlinger Stadthalle. Populisten und Rechtsextreme würden Europa zerstören wollen, indem sie die Gesellschaft spalten würden. „Das dürfen wir nicht zulassen“, ergänzt sie. Sie erinnerte an die Menschenwürde und den dazugehörenden Respekt.

Oberbürgermeister Michael Beck findet, dass Europapolitik auch kommunale Aufgabe sei. Dies werde von der Stadt mit fünf Partnerstädten gepflegt, genauso eine gute Erinnerungskultur. Europa soll in Tuttlingen spürbar und sichtbar sein. In diesem Zusammenhang erwähnte er beispielsweise den Europaplatz an der Stadthalle.

Auch der Landesjustizminister und Minister für Europa, Guido Wolf, stärkte Europa den Rücken und findet, dass man aus einem möglichen Brexit auch Chancen und eine große Geschlossenheit der 27 europäischen Staaten erkenne könne. „Hier hat Europa Stärke bewiesen, die ihr viele im Vorfeld nicht zugetraut haben“, sagte Wolf und fügte hinzu: „Europa ist stärker als wir vermuten und diese Stärke müssen wir immer von neuem unter Beweis stellen“. Er betonte, dass die europäische Diskussion zu formalistisch geworden sei. „Wir reden zu viel über Regularien, Verordnungen, Richtlinien und den europäischen Haushalt.“ Das sei war zwingend, aber „was wir verstärkt brauchen, ist das Feuer, die innere Leidenschaft und Herzblut für Europa.“

Europawahl so ernst nehmen wie Bundestagswahl

In seiner Festrede appellierte der EU-Kommissar Günther Oettinger an alle Europäer. Er zählte europäische Werte wie Rechtsstaatlichkeit, soziale Marktwirtschaft, eine Gesellschaft voller Toleranz, Liberalität und Freiheit auf und betonte: „Wenn uns diese erhaltenswert erscheinen, dann müssen wir endlich dafür kämpfen.“ Und weiter sagte er: „Wenn wir unsere Werte erhalten und mitgestalten wollen“, dann gehe dies nur im europäischen Zusammenhang. „Alles andere wird nicht mehr wahrnehmbar sein.“ Die Deutschen sollen die Europawahl am 26. Mai so wichtig nehmen wie eine Bundestagswahl. Europa müsse sich um „eine faire Partnerschaft und um eine Perspektive des afrikanischen Nachbarkontinents“ bemühen. Oettinger betonte, dass die äußere und innere Sicherheit nur mit mehr „gemeinsamer Verteidigung“ funktioniere. Er bekräftigte die Stärke von Europa und dass Deutschland „bald weniger als einem Prozent Weltbevölkerung“ ausmache. In einem „europäischem Team“ klappe es besser, „die Welt von morgen zu gestalten und unsere Werte zu erhalten“.

Evelyne Gebhardt überreichte im Anschluss Oettinger in Anerkennung für seine Dienste von der Europa-Union Deutschlands eine Urkunde und die Europa-Union-Nadel in Gold. Katharina Csik, die Landesausschussvorsitzende der Jungen Europäer, bekräftige den europäischen Gedanken: „Wir müssen gemeinsam an unserer Zukunft arbeiten. Wir müssen Europa machen.“ Sie sprach die europäischen Werte wie die Meinungs- und Pressefreiheit an. Die nächste Generation soll zur Verantwortung erzogen werden. „Wir lassen uns unser Europa nicht von den Populisten kaputt machen“, sagte sie und erntete dafür Applaus. Sie kämpfe unter anderem für ein Ende der Jugendarbeitslosigkeit.

Das Streichquintett des Konservatoriums Vila-Seca in Katalonien umrahmte den Festakt musikalisch.

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