Handball-Saison ist beendet: Heimische Teams ziehen Bilanz

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Rouven Spindler

Was für die Fußballer in Württemberg noch bis Dienstag unklar war, ist bei den Handballern seit rund zwei Wochen beschlossene Sache: Der Handballverband Württemberg (HVW) folgte, wie vorab angekündigt, den Beschlüssen des Deutschen Handballbunds (DHB) und hat die Saison 2019/2020 beendet.

Wie aus einer Stellungnahme des HVW hervorgeht, wurden die Abschlusstabellen mit der Quotientenregelung (der Wert aus erreichten Punkten durch die Anzahl absolvierter Spiele mit 100 multipliziert) berechnet, um die durchschnittliche Punkteausbeute der Mannschaften pro absolvierte Partie zu berechnen. Aufsteiger wird es geben, Relegationsspiele und Absteiger nicht. Um den Vereinen mehr Zeit einzuräumen, wurde der Meldebeschluss für die kommende Saison um einen Monat auf den 15. Mai verlegt. Offiziell wird die zukünftige Ligazugehörigkeit der Teams erst dann feststehen. In Württemberg ist die Lage etwas komplizierter: Mit der geplanten Strukturreform wird es in Zukunft nur noch eine statt wie bisher zwei Württembergliga-Staffeln geben. Die vielen Absteiger finden sich in der neuen, zweigleisige Verbandsliga und in der Landesliga, die künftig aus vier Staffeln besteht, wieder.

Dass der Saisonabbruch die richtige Entscheidung war, darüber sind sich die Verantwortlichen der überregional spielenden Teams aus dem Kreis Tuttlingen allesamt einig. Rückblickend ziehen sie ein Fazit zum Abschneiden ihrer Mannschaft.

Die HSG Fridingen/Mühlheim wird zur neuen Saison nur noch mit dem Frauenteam in der Württembergliga vertreten sein. Das Team von Frank Rohrmeier und Uwe Langeneck spielte nach leichten Startschwierigkeiten eine konstant starke Saison. Mit 23:13-Punkten (Quotient: 127,8) auf Platz sechs und sieben Pluspunkten Vorsprung auf Platz sieben war der Donautal-HSG der Qualifikationsrang für die eingleisige Liga ohnehin kaum noch zu nehmen. Acht der letzten neun Partien vor dem Abbruch wurden gewonnen, darunter auch Erfolge gegen Spitzenteams wie den TV Weilstetten (31:30) und den TV Reichenbach (31:26). „Wir sind absolut zufrieden, das war eine Bomben-Saison“, so Rohrmeier, dessen Team in der Vorsaison nur knapp am Oberliga-Aufstieg vorbeischrammte. „Das ist für uns wie eine kleine Meisterschaft.“

Die HSG-Männer verpassten ihr anfangs geplantes Ziel „eingleisige Württembergliga“ nach einer alles andere als optimalen Vorbereitung, einem schlechten Saisonstart und Personalproblemen um mehrere Plätze. Das später formulierte Ziel, es in die Verbandsliga zu schaffen, wurde mit Platz zwölf (13:29, 61,9) erreicht. „Die Mannschaft hat Moral gezeigt. Wir konnten uns ein bisschen berappeln, haben die ersten Punkte geholt“, erinnert sich Co-Trainer Ibrahim Parlak an den ersten Aufschwung. „Gegen Ende der Hinrunde haben wir gegen obere Mannschaften Punkte geholt. Das hat uns gerettet.“ Weiterhin wolle man verstärkt auf die Jugendarbeit setzen. „Die Mannschaft wird wieder in einem Umbruch stehen. Von der A-Jugend kommen einige hoch“, deutet Parlak bereits personelle Veränderungen an.

Die Landesliga, Staffel 2 der Männer hatte einige Derbys zu bieten. Durch den Wiederaufstieg der HSG Baar waren bereits drei Kreis-Teams vertreten, auch Duelle mit der HSG Rottweil und dem TV Weilstetten II standen auf dem Spielplan.

Die HSG Baar erwischte unter anderem durch den 14:13-Sieg zum Auftakt gegen den TV Neuhausen/Erms II den erhofft guten Start in die Saison, sah sich dann aber mit Verletzungspech konfrontiert. Die HSG, die nicht den breitesten Kader zur Verfügung hatte, konzentrierte sich auf den Klassenerhalt und setzte sich recht früh ins hintere Tabellenmittelfeld ab, wo man die Saison auf Platz zehn beendet (19:23, 90,5). Trainer Martin Irion: „Wir wollten von Anfang an hinten raus, um nicht den Druck wie vor zwei Jahren zu haben.“ Damals musste die HSG Baar runter in die Bezirksliga. Der Derbysieg bei der HSG Rottweil (35:34) kurz vor der Winterpause ist für Irion auch rückblickend ein wichtiger Schritt weg von der Abstiegszone gewesen.

Aus dieser befreite sich die HSG Rietheim-Weilheim währenddessen nie wirklich. Mit 8:34-Punkten (38,1) als Schlusslicht, dafür aber mit den Duellen gegen die direkte Konkurrenz vor der Brust, hatte der langjährige Landesligist jedoch noch die Möglichkeit, sich aus eigener Kraft zu befreien. Da es keine Absteiger geben wird, ist das Saisonziel Klassenerhalt erreicht worden. „Dass es mit den namhaften Abgängen eine schwere Runde wird, war klar“, fasst der sportliche Leiter zusammen. Er ist überzeugt davon, dass man auch aus eigener Kraft den Klassenerhalt möglich gemacht hätte. Auch die längeren Verletzungsausfälle waren ein Faktor. Mit Alexander Job hatte die HSG einen bundesligaerfahrenen Trainer an der Seitenlinie, der für eine weitere Saison zugesagt hatte (Extrabericht folgt). „Alex hat einen super Job gemacht“, findet Haffa stellvertretend für den Verein und die Mannschaft nur lobende Worte.

Ligakonkurrent TV Aixheim stand vor seiner zweiten Saison nach dem Aufstieg. Am Ende rangiert die Mannschaft von Holger Hafner auf dem siebten Rang (19:23, 90,5). „Wir haben ein bisschen besser in den Lauf gefunden als in der Hinrunde und waren auch ein bisschen kompletter“, sagt Hafner in Bezug auf die Rückrunde und die Kaderbreite. Dennoch fehlte Toptorschütze Michel Klaritsch über die gesamte Rückrunde. Die Ziele, am Ende vor den Derby-Kontrahenten zu stehen und die Klasse zu halten, wurden erreicht. Für den Trainer war es „eine gute Runde“. In der wichtigen Phase der Saison holten die Grün-Weißen entscheidende Zähler, unter anderem gegen die HSG Rottweil (27:18). Abschließend revanchierte sich der TV Aixheim im letzten Saisonspiel beim 36:25 gegen die HSG Baar eindrucksvoll für die Derbypleite im Hinspiel (22:33).

Die Frauen-Landesligisten HSG Nendingen/Tuttlingen/Wurmlingen und HSG Baar hatten es in ihrer Staffel 3 mit einem unangefochtenen Spitzenteam zu tun. Während die HSG Böblingen/Sindelfingen ohne Punktverlust in die Verbandsliga marschiert, war ein Großteil der weiteren Mannschaften relativ gleich auf und duellierte sich um die Qualifikationsränge für die neue Liga. Die HSG NTW (19:11, 126,7) wird als drittplatziertes Team den Sprung dorthin schaffen. „Die Verbandsliga wird auf gar keinen Fall leicht. Das wird ein richtig großer Schritt“, ist sich Trainerin Zeljana Pfeffer sicher. Sie blickt zufrieden auf die abgelaufene Spielzeit zurück: „Die Mannschaft hat das super gemacht, wir sind super zufrieden.“ Auch wenn die HSG NTW zeitweise wieder Personalsorgen hatte und auch vereinzelt sehr schwache Leistungen ablieferte, belohnte man sich am Ende mit neun Siegen aus 15 Partien mit Platz drei.

Den zweiten Aufstieg in Serie verpassten die Frauen der HSG Baar. Die junge Mannschaft startete mit Schwung und Spielfreude in die neue Liga und war nach fünf Spieltagen mit fünf Siegen vorne mit dabei. Platz fünf in der Abschlusstabelle (15:15-Punkte, 100) bedeutet wohl einen Landesliga-Startplatz für die nächste Saison. Der beste Aufsteiger der Liga habe „viel Lehrgeld bezahlt“, so Trainer Oliver Ulrich. „Rückblickend wäre mehr drin gewesen. Bis auf Böblingen/Sindelfingen war alles möglich.“ Dennoch sei man stolz darauf, was man im ersten Jahr geschafft habe.

Die Vorfreude, nach längerer Pause mit dem eigenen Team wieder in der Halle zu stehen, steigt bei Trainern und Spielern. Wann genau und wie das wieder möglich sein wird, bleibt vorerst noch abzuwarten.

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