Guido Wolf muss sich vor dem Möhringer Schemengericht verantworten.
Guido Wolf muss sich vor dem Möhringer Schemengericht verantworten. (Foto: Manger)
Stefan Manger

Nicht schlecht staunten Guido Wolf, Baden-Württembergs Minister für Justiz und Europaangelegenheiten, und der Löffinger Ehrennarrenrat Hermann Nägele, dass sie beide beide vom Möhringer Schemengericht für die diesjährige Sitzung am Schmotzigen Dunschtig im Möhringer Rathaus vorgeladen werden. Bei diesen beiden Delinquenten sind närrische Wortgefechte garantiert.

Das Möhringer Schemengericht ist einer der ältesten Narrenbräuche in der Region – und das einzige Gericht der schwäbisch-alemannischen Fasnet, das unter der Maske (alemannisch: Scheme) verhandelt. Es tagt öffentlich, stets bis auf den letzten Platz gefüllt, am Schmotzige Dunschtig im historischen Rathausgang in Möhringen.

Guido Wolf hatte im vergangenen Jahr mit einem Schreiben versucht, für die Christbaum-Lober Michael Seiberlich und Norbert Martin, die beide vor das Möhringer Schemengericht zitiert worden, waren, eine mildere Strafe zu erlangen. Das Gericht sah das als unentschuldbare Einmischung in seine närrisch-unabhängige Gerichtsbarkeit. Es lud den „Oberschte Rechtsvodreher vom Ländle, ehemalig Landrot und Weingärtler Blutreiter“ daher für die diesjährigen Schemengerichtssitzung vor. Der Vorwurf lautet „Innedränglerei e diä letschtjährig Vohandlung vom oabhängigä, freiä und johrhunderte altä Mehringer Schemegricht.“ Das Möhringer Schemengericht wollte sich nicht bieten lassen, dass der baden-württembergische Minister für Justiz doch tatsächlich versucht hat in die Urteilsfindung des hohen weisen närrischen Schemengerichtes zu Möhringen einzugreifen und die Enscheidung mitzubeeinflussen.

Deshalb muss er sich nun selbst vor dem Gericht verantworten. Dass er einen Freispruch erwirken kann ist nicht anzunehmen. das wäre das erste Mal in der Geschichte des Schemengerichtes zu Möhringen.

Der zweite Angeklagte in diesem Jahr ist Hermann Nägele, der wohl die bekannteste Persönlichkeit der alten Löffinger Fasnet ist. Er war jahrzehntelang Narrenrat, ist Heimatforscher und gibt auch Fasnetsküchle-Backkurse.

Im vergangenen Frühjahr gab er allen Zunftmeistern der Landschaft Baar – neben Möhringen auch Geisingen und Immendingen – vermeintlich einen Schnaps aus. Doch in den Gläsern befand sich nur Wasser, das versprochene Getränk gab es während der Tagung nicht mehr. Da dies nach Ansicht der „Geprellten“ so natürlich nicht geht muss er sich nun vor dem Möhringer Schemengericht verantworten. Der Vorwurf lautet: „Vosecklerei vo ä baar Baaremer Zunfmoaschter beim letschtjährige Frühjohrshock durch usschenkälau vo schalem Brunnewasser.“

Da beide der Angeklagten als Narren bekannt sind, verspricht die diesjährige Verhandlung des Schemengerichtes eine sehr kurzweilige und interessante zu werden. Wie letztlich die Urteile ausfallen werden, bleibt offen bis zum Schluss der Verhandlung.

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