Griechische Busfahrer schließen Lücken

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Die Busunternehmen in Deutschland haben Probleme, neue Fahrer zu finden.
Die Busunternehmen in Deutschland haben Probleme, neue Fahrer zu finden. (Foto: Fabian Sommer/dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Ein Dienstwagen mit 500 PS – so wirbt die Busbranche um Fahrer. Doch die niedrige Arbeitslosigkeit macht die Suche schwierig.

Rainer Klink ist der Chef der Firma Stadtbus Tuttlingen. Neben Tuttlingen hat sein Betrieb auch in Tübingen und Mössingen Niederlassungen, beschäftigt rund 150 Personen. Der Fuhrpark umfasst 50 Busse. „In Tuttlingen ist es am schwierigsten, Fahrer zu finden. Hier herrscht quasi Vollbeschäftigung“, sagt Klink. Es gebe kaum Arbeitslose, die sich auf offene Stellen bewerben könnten. Dennoch sei es dem Unternehmen gelungen, die Lücken zu schließen. „Wir haben einige griechische Mitarbeiter, die in ihrer Heimat nachfragen, ob jemand Interesse hat, in Deutschland Busfahrer zu werden.“ Insgesamt seien schon mehr als 20 Griechen eingestellt worden. In der Firma finden regelmäßig Deutschkurse für die neuen Mitarbeiter statt. Zudem besuchen sie die Fahrschule Gruler, um sich an die deutschen Straßenverhältnisse zu gewöhnen.

Erschwerend komme bei der Suche hinzu, dass Busfahrer teils ungünstige Arbeitszeiten haben: etwa am Wochenende und abends. Allerdings habe der Beruf auch zahlreiche Vorteile: „In Baden-Württemberg haben wir den höchsten Tariflohn im Bundesgebiet“, sagt Klink – und sein Unternehmen zahle nach Tarif. Zudem könne der Beruf problemlos bis ins Rentenalter ausgeübt werden. Der Job genieße eine hohe soziale Anerkennung, zudem sei der Arbeitsplatz sicher: „Es werden immer Busfahrer gebraucht“, sagt Klink.

Die Busunternehmen in Deutschland haben jedoch zunehmend Probleme, neue Fahrer zu finden, sagte Karl Hülsmann, Präsident des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer, der Deutschen Presse-Agentur: „Wir haben in vielen Regionen praktisch keine Arbeitslosen mehr, die sich auf offene Stellen bewerben könnten.“ Und bis sich Flüchtlinge ans Steuer setzen können, sei es noch ein weiter Weg. Der Bedarf sei groß, weil viele der bundesweit rund 103 000 Busfahrer schon vergleichsweise alt seien und zudem noch immer Personal für den wachsenden Fernbus-Markt gebraucht werden. Die Führerscheinkosten von rund 10 000 Euro könnten Interessenten ebenfalls abschrecken. „Unternehmen gehen bereits dazu über, die Kosten mitzufinanzieren“, sagte Hülsmann. „Aber es gibt keine Leute.“ Busfahrer im Ausland anzuwerben, sei schwierig. Die Sprachbarriere gilt oft auch für Flüchtlinge. „Zunächst einmal ist für Bewerber ein entsprechender Anerkennungsstatus notwendig“, erklärte Hülsmann. „Dann müssen sie wirklich Deutsch sprechen können.“ Der Fahrgast wolle ja Fragen stellen. Dann fehle noch der Führerschein.

Hoffnung verbindet die Branche mit dem autonomen Fahren. „Der Fahrermangel könnte sich auf diese Weise abwenden lassen, weil nur noch eine Begleitperson mitfährt.“ Es werde beim Bus aber länger dauern als beim Auto, bis das autonome Fahren kommt. „Auf dem Weg dorthin sind noch Probleme zu lösen, etwa das Anfahren an eine Haltestelle in Ausnahmesituationen wie beim Gedränge kurz nach Schulschluss.“

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