Gleicher Lohn für alle?

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 Organisatorin Katharina Buß (links) und Nadine Nobile.
Organisatorin Katharina Buß (links) und Nadine Nobile. (Foto: Michelle Fallert)
Michelle Fallert

Die Gründerin und Geschäftsführerin Nadine Nobile von der CO:X in Niedersachsen hat am Donnerstag einen Vortrag am Hochschulcampus Tuttlingen gehalten.Unter der Überschrift „New Pay – Oder wie die Zukunft der Entlohnung aussieht“ gab sie einen Überblick über alternative Entlohnungsmodelle und stellte anschaulich dar, wie Organisationen ihren eigenen Weg finden können.

Nadine Nobile ist in Spaichingen geboren und hat ihre Schullaufbahn in Tuttlingen durchlaufen. Danach studierte sie Wirtschaftspädagogik an der Universität Konstanz. nach weiteren Zwischenstationen gründete sie schließlich das CO:X. Dabei handele es sich um ein „Herzensthema“ von ihr, wie sie den vielen Zuschauern erzählte. Sie habe gemerkt, dass sie sich viel besser entfalten kann, wenn sie mehr Freiraum hat und weiß, dass es anderen Menschen genauso geht.

Die Wirtschaft ist im Wandel, Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, wie sie den neuen Bedingungen gerecht werden können. „New Work“ ist eine Antwort darauf und setzt sich mit neuen Arbeitsformen auseinander. Nadine Nobile hat zusammen mit ihrem Mann Sven Franke und der Journalistin Stefanie Hornung in ihrem Buch „New Pay – Oder wie die Zukunft der Entlohnung aussieht!“ dieses Thema aufgegriffen. Zehn Unternehmen werden darin vorgestellt, und es wird gezeigt, wie „New Work“ entlohnt.

Auf jedem Stuhl der Zuhörer lagen zu Beginn drei Legosteine. Nun war die Kreativität der Besucher gefragt. Die Aufgabe bestand darin, in Dreiergruppen innerhalb von zwei Minuten aus den neun Steinen etwas zu bauen. Das Bauwerk sollte einen Namen bekommen und man sollte erklären können, was es darstellen soll. Die Challenge sollte zeigen, wie gut man mit geteilter Führung Dinge gestalten kann. Jeder Baustein sollte für eine Kompetenz stehen und deutlich machen, dass es zusammen besser geht, etwas zu verwirklichen. Die wesentlichen Erkenntnisse der Lego-Challenge waren, dass Menschen gestalten wollen und hochkooperativ sind sowie hochkreativ.

Der Versuch ging weiter: Mal angenommen, jedes Team erhielt für ihr Bauwerk 100 Euro und sollte gemeinsam entscheiden, was es damit machen würde. Einige hätten es gerecht aufgeteilt, andere würden einen Teil in ihr geschaffenes Bauwerk investieren, manche hätten sogar alles investiert. Die Mehrheit hätte es gerecht untereinander aufgeteilt, daraus stellte sich die Frage, ob es heutzutage überhaupt Unternehmen mit Einheitsgehalt gibt.

Nobile stellte ein paar Beispielunternehmen aus ihrem Buch vor, die jeweils unterschiedliche Entlohnungsmodelle aufwiesen. Mitarbeiter bekamen beispielsweise ein Einheitsgehalt, ein Wunschgehalt oder eine Gehaltsformel wurde entwickelt, in der Selbst- und Fremdeinschätzung sowie Extraengagement eine Rolle spielen. Nadine Nobile erklärte, dass bei „New Pay“ Systemlogik auf Psychologik trifft. Außerdem bestehe das Konzept aus sieben Dimensionen, wie Partizipation und Selbstverantwortung, Permanent-Beta, Flexibilität, Transparenz und Wir-Denken, sowie die Fairness, die den Mittelpunkt einnimmt. Fairness wiederum funktioniere nur mit Verfahrensgerechtigkeit, mit gleichen Regeln für alle, die auch anfechtbar sind, und mit Verteilungsgerechtigkeit.

Den Besuchern wurde ein Film über das Unternehmen „Elobau“ aus dem Allgäu gezeigt, das ein neues Entlohnungsmodell eingeführt hat. Mitarbeiter erzählten, wie es ihnen während dieser Entwicklung ging, als sie im Team gemeinsam über Dinge entschieden haben. Alle waren sich einig, dass diese Form der Mitsprache jeden Beteiligten in hohem Maße motiviert habe.

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