Gespräche für eine bessere Welt

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Wirtshaus Irish Pub will eine offene Gesellschaft

Toleranz und freie Meinungsäußerung im Irish Pub Tuttlingen: Das Wirtshaus in der Tuttlinger Innenstadt nimmt seit heute an der Berliner Kampagne „Die offene Gesellschaft“ teil.

Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Das Wirtshaus ist der Ort, an dem seit jeher viel diskutiert worden ist. Allerdings ist diese Kultur in den vergangenen Jahren immer mehr ins Hintertreffen gerückt. Nun möchte Michael Steiger, Geschäftsführer des Irish Pub in Tuttlingen, an die gute alte Tradition wieder anknüpfen. Er unterstützt die Berliner Kampagne „Die offene Gesellschaft“, die die offene Diskussion wieder in die Wirtshäuser tragen will.

„In Zeiten der sozialen Medien müssen die Menschen wieder mehr miteinander reden – und zwar face-to-face“, sagt Steiger. Also von Angesicht zu Angesicht und nicht mit irgendwelchen Synonymen etwa bei Facebook. Die Gaststätte sei laut des Wirts schon immer der Ort gewesen, an dem eine Meinung frei geäußert und vertreten worden sei: „Mit der Macht des Bieres einen raushauen“, sagt Steiger.

Mit dem heutigen Freitag soll die Kampagne „Die offene Gesellschaft“ im Irish Pub losgehen. „Wir haben bewusst die Zeit nach dem Bundestagswahlkampf ausgesucht, damit der Start nicht im Wahlkampfmodus untergeht“, sagt Steiger. Am Fenster des Pubs wird also künftig ein Schild hängen mit der Aufschrift „Heute offene Gesellschaft“.

Kellner werden angesprochen

Steiger hat mit dem Irish Pub in Schwenningen, den er ebenfalls betreibt, bereits den Start in die neue Diskussionskultur eröffnet. „Das Personal ist schon das eine oder andere Mal darauf angesprochen worden“, sagt er. Allerdings ist es nicht so, dass nun im Pub ein Tisch extra für die Diskussion freigehalten wird. „Bevor in der Gruppe der Gesprächsstoff ausgeht, kann man doch auch über aktuelle Themen reden“, meint Steiger.

Die Kampagne selbst, so hat der Gastronom schon erkannt, spielt viel mit dem Thema Integration. Und das ist auch ein Aspekt, der im Irish Pub durchaus wichtig ist: Wir haben hier immer viele Nationen, sei es als Gäste oder Angestellte“, betont Steiger. Daher verstehe sich der Pub auch als kosmopolitisch: „Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben“, betont er. Genau deshalb wolle sich das Wirtshaus einbringen und sich für eine offene Gesellschaft einsetzen.

Er sei im Internet durch einen Tweed auf die Kampagne aufmerksam geworden, berichtet Steiger. Er habe das Team, das in Berlin sitzt angeschrieben und ein Aktionsbox mit Werbematerial inklusive Bierdeckel für die Tische bekommen. 20 Euro werden dafür als Spende fällig.

Mehr als 4000 Unterstützer

Und Steiger ist damit nicht allein: „Mehr als 4000 Freundinnen und Freunde aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen sind schon dabei“, schreibt „Die offene Gesellschaft“ auf ihrer Internetseite. Ihr Geschäftsführender Vorsitzende und Mitbegründer ist der Politikwissenschaftler und Autor Andre Wilkens. Auch große Verbände und Stiftungen wie etwa die die Robert-Bosch-Stiftung, die Bertelsmann-Stiftung oder die Diakonie und das Deutsche Theater in Berlin stehen hinter der Idee.

Bei all der Unterstützung hat sich „Die offene Gesellschaft“ den bekannten deutsch-britischen Soziologen Ralf Dahrendorf (18929 - 2009) als Sinnstifter ausgesucht: „Wir leben in einer Welt der Ungewissheit. Niemand weiß genau, was wahr und was gut ist. Darum müssen wir immer neue und bessere Antworten suchen. Das geht aber nur, wenn Versuch und Irrtum erlaubt sind, ja, ermutigt werden, also in einer offenen Gesellschaft. Sie wenn nötig zu verteidigen und sie jederzeit zu entwickeln, ist daher die erste Aufgabe.“ Von daher scheint sich der Irish Pub in guter Gesellschaft zu befinden.

Weitere Informationen zur Kampagne „Die offene Gesellschaft“ gibt es im Internet unter

www.die-offene-gesellschaft.de

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