Gehörlosenverein feiert Jubiläum

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 Der Vorsitzende Wolfgang Egle und der Unionsfraktionschef Volker Kauder (von links) bejubeln das Vereinsjubiläum mit Applaus i
Der Vorsitzende Wolfgang Egle und der Unionsfraktionschef Volker Kauder (von links) bejubeln das Vereinsjubiläum mit Applaus in der Gebärdensprache. Dolmetscherin Anke Hagemann freut sich mit. (Foto: Simon Schneider)
Simon Schneider

Mit mehr als 200 Gästen und einem vielfältigen Rahmenprogramm hat der Gehörlosenverein Donau-Heuberg Tuttlingen am Freitag seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Die Aula des Immanuel-Kant-Gymnasiums war nahezu voll besetzt, als der Vorsitzende des Gehörlosenvereins, Wolfgang Egle, seine geladenen Gäste zu diesem Jubiläumsakt begrüßte. Er betonte, dass es für die Gehörlosen wichtig sei, die deutsche Gebärdensprache zu nutzen, „da wir sie im Alltag nicht benutzen können“, fügte er hinzu. Deshalb sei der Gehörlosenverein für die Mitglieder wichtig. „Hier können wir gebärden, Spaß haben und spielen unter Freunden. Für die Gehörlosen ist der Verein die Heimat“, sagte Egle eingangs.

Oberbürgermeister Michael Beck gratulierte dem Verein zum Jubiläum und lobte deren Arbeit. „Der Verein kümmert sich seit 100 Jahren um Inklusion der Menschen und unterstützt damit in unserer Gesellschaft die, die nicht hören können“, sagte er. Der Verein könne auf eine Vergangenheit zurückblicken, in der alle Bereiche abgedeckt seien – sowohl praktische Angebote, der Sozialbereich, Freizeitaktivitäten und die Geselligkeit. „Sie sind Teil eines gesellschaftlichen Lebens und sie können in der Stadt und Region mitwirken“, so Becks Worte an die Gehörlosen, die die Dolmetscherinnen Sabine Schemel und Anke Hagemann den Gästen übersetzten.

Verein dient als Berater und Vermittler

Der Oberbürgermeister betonte, dass die Stadt gemeinsam mit Experten die richtige Technik zum Einsatz bringen werde, um hörgeschädigten Kindern in Schulen den Unterricht zu erleichtern. Er überreichte Egle als Geschenk einen Gutschein über 500 Euro. Landrat Stefan Bär bezeichnete den 100. Geburtstag als „stolzes Jubiläum“. Er erinnerte daran, welche schlimmen Kriegszeiten 1918 herrschten. „Aber es gab Menschen, die damals den Mut hatten, den Verein zu gründen, obwohl es damals im Alltag ganz andere Sorgen gab. Das finde ich bemerkenswert. Ein großes Kompliment für diese weitsichtige Entscheidung“, so seine Lobesworte. Der Verein fungiere als Berater und Vermittler, er schaffe aber auch eine Bühne, auf der sich Gleichgesinnte treffen könnten. „Ihnen und dem Landesverband ist es zu verdanken, dass die Einstellung der Gesellschaft zu behinderten Menschen deutlich verbessert wurde.“ Auch er überreichte Egle eine finanzielle Unterstützung zur Vereinsarbeit.

Der Landesverbandsvorsitzende Wolfgang Reiner erinnerte an die Anfänge des Vereins. „Damals hat sich der Verein gegründet, um Erfahrungen in der Gebärdensprache auszutauschen ohne Barrieren“, sagte Reiner und fügt hinzu: „Wir brauchen die Gebärdensprache in der Gesellschaft. Obwohl die Technik immer besser wird, wird diese Sprache als Kommunikation weiterhin ein wichtiges Mittel sein“, ist sich Reiner sicher.

Gottesdienst und Showeinlagen

Als weiteren Ehrengast begrüßte der Verein im Verlauf der Feier den Bundestagsabgeordneten und Unionsfraktionschef Volker Kauder. Er erinnerte an die Zeit, als er selbst Sozialdezernent war und die erste Bekanntschaft mit dem Gehörlosenverein machte und Barrieren abbaute. „Ich finde es prima, dass sie zusammengefunden und im Berufsleben Fuß gefasst haben“, sagte Kauder stolz. Als Geschenk lud er den Tuttlinger Verein gemeinsam mit Begleitpersonen nach Berlin ein. „Sie haben mit mir nicht nur einen Abgeordneten, sondern einen Freund“, versicherte Kauder ihnen.

Vor der Veranstaltung fand ein Gottesdienst mit dem evangelischen Pfarrer Roland Martin in Gebärdensprache und dem katholischen Gebärdenchor statt. Ein Gebärdenslam sorgte während der Feierstunde für Abwechslung. Viele Lacher gab es bei der Franken-Deaf-Show. Unter anderem zeigten sie in Sketchen, wie mit zwei Wunder-Bügeleisen verletzte Füße wieder geheilt und die Handysucht abgelegt wird. Für diese Showeinlagen gab es Applaus, aber keinen gewöhnlichen, sondern einen stummen in Gebärdensprache mit hochgehaltenen Armen und wedelnden Händen.

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