Gastronomie wehrt sich gegen Pläne für kostenloses Trinkwasser

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Schwäbische Zeitung

Die Europäische Union möchte die Menschen dazu bringen, mehr Leitungswasser zu trinken. Daher soll die EU-Gesetzgebung zum Trinkwasser reformiert werden, was auch Auswirkungen auf Restaurants und Cafés im Landkreis Tuttlingen haben könnte.

Demnach soll die Gastronomie verpflichtet werden, Trinkwasser kostenlos anzubieten. Dieter Marquardt, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Kreis Tuttlingen hält nichts von derartigen Überlegungen.

Mehr Wasser zu trinken findet auch Marquardt vernünftig. Dass dies aber gerade während eines Restaurantbesuchs der Fall sein muss und auch noch gesetzlich geregelt werden soll, findet er Unsinn. „Man braucht keine Gesetzesregelung zum Wasser trinken, der Mensch kann das doch das selbst entscheiden“, meint der Inhaber des Gasthauses Rose auf dem Rußberg.

Das ist keine Serviceleistung, das ist einfach Gastfreundschaft.

 Dieter Marquardt, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Kreis Tuttlingen, und Inhaber des Gasthaus „Rose“
Dieter Marquardt, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Kreis Tuttlingen, und Inhaber des Gasthaus „Rose“ auf dem Rußberg sagt: „Man braucht keine Gesetzesregelung zum Wasser trinken, der Mensch kann das doch selbst entscheiden.“ (Foto: Valerie Gerards)

Wenn sich im Gasthaus Rose ein Radfahrer eine Flasche mit Leitungswasser auffüllen möchte, dürfe er das selbstverständlich gratis tun. Marquardt kennt keinen Gastronomen, der das verwehren würde. „Das ist keine Serviceleistung, das ist einfach Gastfreundschaft.“ Auch wenn jemand einen Schluck braucht, um eine Tablette einzunehmen, bekommt er das selbstverständlich.

Dass man durch eine Gesetzgebung den Konsum von Wasser erhöhen kann, davon geht auch Antonio Scavo vom Café Manuto in Tuttlingen nicht aus. Die Menschen würden mehr Leitungswasser trinken, wenn sie es wollen und nicht, weil es gratis ausgeschenkt wird. Und schließlich verbringe man ja nicht den Großteil seiner Zeit im Restaurant, sagt er. „Es sollte den Gastronomen frei stehen, was sie machen – es ist ja ihr Laden“, konstatiert Scavo.

 Antonio Scavo, Mitarbeiter im Café Manuto in Tuttlingen, findet: „Es sollte den Gastronomen frei stehen, was sie machen – es is
Antonio Scavo, Mitarbeiter im Café Manuto in Tuttlingen, findet: „Es sollte den Gastronomen frei stehen, was sie machen – es ist ja ihr Laden.“ (Foto: Valerie Gerards)

Die EU-Kommission schlägt unter anderem vor, dass alle Restaurants und Kantinen ihren Gästen kostenlos Leitungswasser anbieten sollen. Zudem soll es mehr öffentliche Trinkbrunnen und Wasserzapfstellen geben. Insgesamt betrachtet, geht es bei der Reform zum Trinkwasser um neue Qualitätsstandards und zusätzliche Kontrollen.

Sollte die gesetzliche Vorgabe tatsächlich kommen, wäre laut Marquardt ein Wasser-Dispenser in der Ecke eine Möglichkeit. Man könnte zum Trinken Spitzbecher verwenden, damit die Gäste das Wasser nicht mit an den Platz nehmen. Einfach einen Krug mit Wasser hinstellen, an dem sich die Gäste bedienen können, sei wegen der Hygiene fraglich. Aber eines ist für Marquardt klar: „Servieren geht gar nicht. Wenn wir das Wasser servieren, abräumen und spülen, ist das eine Serviceleistung, und Service muss bezahlt werden.“

Im Café Manuto wird Leitungswasser gratis dazugebracht, wenn ein Gast danach fragt. „Wir kassieren nichts fürs Leitungswasser, und das wird auch immer so bleiben,“ sagt Scavo. Noch dürfen die Gastronomen selbst entscheiden. Während der Gesetzesentwurf bei der Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) gut ankommt, kann der Gasthaus-Rose-Chef sich nicht vorstellen, dass der Vorschlag bei seinen Kollegen auf Gegenliebe stößt. Bei der Hauptversammlung Mitte April will er dieses Thema in jedem Fall ansprechen und sich die Meinungen der Gastronomen im Landkreis anhören.

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