Galatasaray ist keltischen Ursprungs

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Ralph Hauptmann signiert Bücher. (Foto: Adrian Riess)
Schwäbische Zeitung
Adrian Riess

Bei ihren antiken Nachbarn waren sie erst als geschäftstüchtige Händler geschätzt, später als kriegerische Barbaren gefürchtet – die Kelten. Kein anders europäisches Volk ist so geheimnisumwittert. Und obwohl ihre Geschichte mehr als 2000 Jahre zurückreicht, begeistert sie heute noch Generationen. Zeitgleich zur aktuell sehr erfolgreichen, großen Landesausstellung mit dem Titel „Die Welt der Kelten“ in Stuttgart, hat der Hobbyhistoriker und leidenschaftliche Keltenforscher Ralph Hauptmann sein neues Buch „Herrscher der Eisenzeit“ fertiggestellt. Am Mittwochabend präsentierte er es im Scala Kino in Tuttlingen.

Der Ort war nicht ohne Grund gewählt, war Hauptmann doch selber vier Jahre lang Scala-Leiter und ist heute noch als Unternehmensberater tätig. Deshalb war er ganz besonders stolz, diesen „für ihn persönlich sehr wichtigen Moment“ in seiner früheren Arbeitsstätte erleben zu dürfen.

Während der Buchvorstellung wurde klar, dass es sich bei seinem Werk nicht um ein gewöhnliches 544Seiten schweres Sachbuch handelt. Es ist historisch genau recherchiert, packend und interessant – nicht zuletzt weil es mit vielen bildhaften Szenen gespickt ist. Diese reißen den Leser durch ihre filmerische Unmittelbarkeit emotional mit und führen ihn tief in den Alltag der Kelten. „Diese Szenen sind durch meine Arbeit im Filmgeschäft entstanden. Sie sind nicht frei erfunden, sondern besitzen einen realen historischen Fakt und lassen den Leser so das Leben der Kelten verstehen“, erklärte der Autor.

Aber nicht nur Hauptmanns bildhaften Erzählungen, auch seine Fähigkeit komplexe, historische Zusammenhänge einfach und eingehend zu schildern, werden den Leser begeistern. „Ich wollte kein Buch schreiben, das nur eine Expertengruppe von Historikern und Fachleuten versteht. Ich wollte eins schreiben, mit dem ich die breite Masse anspreche und auch fachfremde Laien begeistern kann“, sagte der Keltologe. Und so erklärt und erläutert er die gesamte keltische Geschichte von ihren Anfängen und Ursprünge bis hin zu ihrem Untergang.

Die Druiden von Stonehenge

Er erzählt von nackten, bemalten und fanatischen Krieger, die wilder gar nicht sein könnten, aber auch von Händlern mit buntgeschmückten Gewändern und deren Gütern, die aus weit entfernten Zivilisationen außerhalb der Grenzen Europas stammen. Darüberhinaus beschreibt er die Riten, Symbole und Zeremonien der Druiden in dem für sie heiligen Steinkreis von Stonehenge. Hauptmann verlagert dabei bewusst den Schwerpunkt auf die unbekannteren Fakten, um Einblicke zu geben, die so noch nie gegeben wurden. Trotzdem geht er nicht zu sehr in die Tiefe, um dem Leser einen Gesamtüberblick zu geben. Ebenso thematisiert er die Spuren jener Zeit, die heute noch unter uns sind. So sorgt er immer wieder für Überraschungsmomente und Verblüffung. „Hätten sie gedacht, dass der Name des türkischen Fußballclubs Galatasaray Istanbul einen keltischen Ursprung hat?“, verriet der Experte.

Der Auto freute sich besonders über die Unterstützung, die er nicht nur zu Hause, sondern auch bei seinen Recherchen in ganz Europa erfahren hat. „Ein Historiker aus Toulouse hat mir einmal 17 Seiten handschriftlich aus einem Buch abgeschrieben, weil das Original zu alt war, als das man es hätte kopieren können.“

Ralph Hauptmann hat Anglistik, Romanistik und vergleichende Sprachwissenschaften studiert. Auf die Kelten ist er erst während seines Studiums gestoßen. „Es war ein Zufall, dass ich eine Belegarbeit über den Nordirlandkonflikt schreiben musste. Bei meinen Recherchen über die Geschichte Irlands habe ich mich aber schließlich bei den Kelten festgefressen.“ So beschrieb der Autor seinen ersten Kontakt mit den Kelten, der eine Faszination in ihm geweckt hatte, die ihn den Rest seines Lebens nicht mehr los lassen würde.

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