Flüchtlingskinder von Inseln retten? Oberbürgermeister erhält viel Zuspruch

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Flüchtlingskind in einem Lager
In den Lagern auf den griechischen Inseln leben mehr als 40000 Menschen, obwohl diese nur für weniger als ein Viertel ausgelegt sind. Tuttlingens OB Michael Beck will vor allem Kinder, die ohne Eltern oder Verwandte dort sind, aus der Situation befreien. (Foto: Lefteris Partsalis)
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Die Stadt Tuttlingen bleibt bei ihrer Haltung. Obwohl seit dem Beitritt zur Initiative Seebrücke im Juli 2019 kein Flüchtling in die Kommune gekommen ist, bekräftigt Oberbürgermeister Michael Beck das vom Gemeinderat einstimmig abgegebene Angebot, aus dem Mittelmeer gerettete Menschen aufzunehmen.

Sein neuer Vorschlag, Kinder aus den überfüllten Lagern in der Ägäis nach Tuttlingen zu holen, schlägt im Internet vergleichsweise nicht so hohe Wellen.

Lars Patrick Berg, Europaabgeordneter der Alternative für Deutschland (AfD), meint, dass Europa nicht der Bereich von Michael Beck sei. „Kümmern Sie sich um die Belange der Einwohner von Tuttlingen! Es gibt genügend Baustellen, Herr Beck“, meint er. Tamara Schmidt schreibt auf Facebook, dass Tuttlingen und der OB die Armut der Menschen und Kinder im Landkreis und Deutschland ignorieren würde.

Die Zustimmung, Menschen zu helfen, ist bei den Kommentaren größer. Schließlich wären es doch die Europäer mit ihren Unternehmen, die den Menschen in Afrika die Möglichkeit nehmen, dort zu leben. „Wir sollten anfangen, ehrlich zu sein“, schreibt ein Internet-Nutzer, der sich über die Internetseite der Schwäbischen Zeitung gemeldet hat. Man dürfe sich nicht wundern, dass „die, die wir ausgeplündert haben, zu uns kommen. Es kann doch nicht sein, dass die Lebensmittel aus Europa in Afrika billiger sind, als die Lebensmittel aus dem eigenen Land. Und wir subventionieren das auch noch. Und dann wird geschrieen, wenn die Menschen kommen.“

Protest gegen AfD-Veranstaltung
Der Tuttlinger Gemeinderat hat im Juli dafür gestimmt, dass sich die Stadt der Initiative „Seebrücke“ anzuschließen. Werden Flüchtlinge auf dem Mittelmeer gerettet, erklärt sich die Stadt bereit, diese aufzunehmen. Ein Entschluss der auf Widerstand stößt. Die Alternative für Deutschland macht Stimmung gegen die Entscheidung und will sie kippen.

Neben dem Bekämpfen der Fluchtursachen müssen man auch Hilfe in Deutschland anbieten, erklärt ein anderer Kommentator. Die Lebensumstände in Afrika zu verbessern brauche Zeit und: „es gibt leider viele Ursachen, die wir nicht beseitigen können.“ Nationen wie Russland oder China hätten, so schreibt er, kein Interesse, die Fluchtursachen zu reduzieren. Viel mehr würde zur Spaltung beigetragen. „Die Bekämpfung der Fluchtursachen ist eine internationale Aufgabe. So wie der Klimaschutz. Da haben wir das alle schon gemerkt, aber eine Zusammenarbeit klappt immer noch nicht.“

Andere wollen die Hilfe nicht auf gewisse Personen beschränkt wissen. Die Menschen, die aus Seenot im Mittelmeer gerettet werden, könnten immerhin den Schlepper bezahlen. „Warum reden wir nicht über die Kinder in Afrika, die am verhungern sind oder durch Krankheiten sterben“, fragt jemand. „Es wird dringend Zeit, in Afrika etwas zu unternehmen und nicht mit den Potentaten und Stammesfürsten zu kuscheln, die seit Jahren unsere Hilfsgelder in die eigene Tasche stecken.“

Die Zölle mit Afrika und die preiswerten Lebensmittel, die nach Afrika verkauft werden, würden dafür sorgen, „dass es für einen Bauern in Afrika nicht rentabel ist, eine Kuh zu halten, weil der europäische Milch-Überschuss billiger ist. Dasselbe gilt für alte Kleider und Autos“, schreibt ein Leser. „Wir müssen an die Ursachen und nicht an die Symptome. Wir müssen es schaffen, dass die Menschen Zuhause bleiben wollen.“

Und Kinder seien ohnehin die „Schwächsten aller Konflikte auf der Welt“, findet ein anderer Leser.

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