Facebook-Gemeinde empört über Urteil

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Am Dienstag ist die Mutter der kleinen Maya wegen Körperverletzung mit Todesfolge vom Landgericht Rottweil zu fünf Jahren Haft verurteilt worden (wir berichteten). Das zweijährige Kind war an Pfingsten des vergangenen Jahres verhungert und verdurstet.

Eine Welle der Entrüstung ob des vermeintlich zu milden Urteils brandete danach auf unserer Facebookseite, schwaebische.de/sigmaringen/tuttlingen, auf. Die einhellige Meinung unserer User: fünf Jahre seien „viel zu wenig“. Vielfach kamen Anmerkungen auf, dass „Steuersünder“ oder „Urkundenfälscher“ härter bestraft würden, als nun die 25-Jährige, die ihr Kind habe sterben lassen. Zahlreiche Facebook-Nutzer wünschen sich, dass der Verurteilten „für immer“ ihre „Kinder weggenommen werden“. Auch kam vielfach die Frage auf, warum niemand – etwa das Jugendamt – tatsächlich eingegriffen habe.

Die Strafkammer unter Vorsitz des Richters Münzer verurteilte die 25-jährige Mutter dreier Kinder wegen Körperverletzung mit Todesfolge (§ 227 Strafgesetzbuch), Verletzung der Fürsorgepflicht (§ 171 Strafgesetzbuch) und Misshandlung Schutzbefohlener (§ 225 Strafgesetzbuch), woraus sich die Gesamtstrafe von fünf Jahren ergibt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Verteidiger angefeindet

Bernhard Mussgnug, der Anwalt, hat in seinem Plädoyer berichtet, er sei „angefeindet“ worden, weil er die Mutter von Maya verteidige. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte er, der häufigste Vorwurf sei gewesen, wie man „so jemand“ verteidigen könne. Die Antwort von Mussgnug ist dreiteilig: 1. „Jeder Mensch hat Anspruch auf eine gute Verteidigung.“ 2. Der Rechtsstaat fordere, dass auch solche Menschen einen Anwalt zur Seite bekämen, die schlimme Straftaten begangen haben. 3. Dem Verteidiger übernehme bei derartigen Fällen, wenn sich alle, auch engste Freunde, von dem Angeklagten abwenden, eine Rolle, die der eines Seelsorgers oder Pfarrers gleiche.

Als er die „Durchfall-Theorie“ aufgebracht habe, so Mussgnug weiter, sei er als „Winkeladvokat“ beschimpft worden. Dabei habe es „ganz konkrete Anhaltspunkte“ dafür gegeben, und am Schluss habe das Gericht diese Theorie im Urteil als Fakt übernommen.

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