EU-Verordnung bedroht Unternehmen - Ministerin informiert sich

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Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (rechts) mit Michael Ungethüm (ehemaliger Aesculap-Chef), Katrin Sternberg, Vorstand für das
Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (rechts) mit Michael Ungethüm (ehemaliger Aesculap-Chef), Katrin Sternberg, Vorstand für das Ressort Forschung und Entwicklung, Yvonne Glienke, Geschäftsführerin Medical Mountains und Joachim Schulz, Vorstandsvorsitzender der Aesculap AG. (Foto: Fotos: I. Wagner)

Dass das Land die weitere Sanierung im Bereich Obere Vorstadt/Uhlandstraße in Tuttlingen unterstützt, ist seit Ende März bekannt. Am Montag übergab Nicole Hoffmeister-Kraut den symbolischen Scheck an Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck. Zusätzlich zu den 1,7 Millionen vom Land investiert die Stadt Tuttlingen 1,13 Millionen Euro. Damit soll vor allem das Union-Areal weiterentwickelt werden: Zusätzlich zu dem bereits von der Wohnbau überplanten und abgeräumten Bereich sollen weitere Gebäude gekauft werden. Die Verhandlungen mit den Eigentümern gestalteten sich aber nicht immer einfach, sagte Beck. Auch entlang der Katharinenstraße plant die Stadt mehrere Immobilienkäufe – dort soll die Straße neu gestaltet werden, um das Umfeld des IFC passend zu gestalten. Eine Aufwertung des Spielplatzes im Uhlandpark und Planungskosten für ein Parkdeck an der Brunnenstraße gehören ebenfalls dazu, um die Parksituation um die Hochschule entzerren. (sz/iw)

Einen Bericht über Stationen im Kreis Tuttlingen finden Sie in der Mittwochsausgabe. Weitere Fotos gibt es unter

www.schwäbische.de/tuttlingen

Ein Drittel der kleinen und mittleren Medizintechnikbetriebe im Kreis Tuttlingen sind durch die EU-Medizinprodukteverordnung in ihrer Existenz bedroht, so die Prognosen. Julia Steckeler, Geschäftsführerin von Medical Mountains, nutzte den Besuch von Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) am Montag bei Aesculap, um die tatsächliche Entwicklung darzulegen: „Es zeichnet sich ab, dass auf Ende Mai einige Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern aufgeben“, sagte sie.

2017 ist die Medizinprodukteverordnung in Kraft getreten. Bis 2020 ist sie verbindlich anzuwenden. Steckeler: „Viele der kleinen Unternehmen im Kreis merken nun, dass sie den Aufwand für Prüfungen und Dokumentationen ihrer Produkte nicht mehr leisten können. Weder finanziell noch personell.“ Allein bei der Cluster-Initiative Medical Mountains seien in den vergangenen Tagen und Wochen sechs Schreiben mit einem Bescheid über Betriebsauflösungen eingegangen. Die Geschäftsführerin schätzt, dass es noch weitaus mehr sind: „Das bekommen wir nur nicht unbedingt mit.“ Hoffmeister-Kraut bat darum, die Betriebsaufgaben an sie weiterzuleiten.

Landrat Stefan Bär kündigte ebenfalls Post an: Eine Zusammenfassung des Landkreisbesuchs wird der Ministerin in Stuttgart zukommen, mit allen Wünschen aus Tuttlingen. Und das sind einige: Der Landrat sprach den Breitbandausbau im Kreis an und die Umstellung der Mobilfunkfrequenzen auf 5G. „Wir haben als ländlicher Raum die Sorge, dass wir für die privaten Anbieter nicht so attraktiv sind“ – und daher bei der Versorgung mit G5 unten durch falle. Der Ausbau des Glasfasernetzes gehe zwar voran, doch er bemängelte die „extrem komplizierten Förderverfahren“ und die Absprachen zwischen Land und Bund. Bär: „Da kämpfen wir im Alltag damit, auch wenn wir merken, dass mehr Geld im System ist.“

Auf dem Firmengelände von Aesculap stand nach einem Besuch der Benchmark-Factory ein Austausch mit Vertretern der Medizintechnikunternehmen, der IHK und einigen Kreisräten an.

„Wir wollen Taten sehen“

Die Ministerin signalisierte, dass ihr bewusst sei, welche Herausforderungen und Innovationen die Zertifizierung der Medizinprodukte bedeutet, vor allem wegen der kurzen Übergangsfristen. Deshalb habe sie sich nach einem Austausch mit Gesundheitsminister Jens Spahn an die zuständige EU-Kommissarin gewandt, um eine Verlängerung der Frist zu erwirken, sagte sei. „Gesetzgeberisch wird es hingegen keine Änderung geben.“ Spielraum sieht sie in Auslegungsfragen und pragmatischer Umsetzung der Verordnung.

Peter Decker, Geschäftsführer von Henke-Sass, Wolf, forderte die Ministerin auf, dass sich die Politik jetzt hinter die Unternehmen stelle und sie in dieser schwierigen Phase unterstütze: „Worte haben wir genug gehört, wir wollen Taten sehen.“ Sonst sehe er schwierige Zeiten auf den Landkreis Tuttlingen zukommen. Bär regte an, dass die Prüfverfahren, die teilweise zwei- bis dreifach erfolgten, vereinfacht würden. Geplant sei, im Land eine Arbeitsgemeinschaft für regulatorische Maßnahmen für Gesundheitszulassung einzurichten, sagte die Ministerin zu.

Während sich Jens von Lackum, Vorstand Marketing und Vertrieb der Aesculap AG, mehr Unterstützung wünschte, damit die Kompetenzen der Universitäten und Hochschulen im Land deutlich stärker in marktfähige Produkte mündeten, sorgte sich Joachim Schulz, Vorstandsvorsitzender von Aesculap und im Hochschulrat vertreten, um die Finanzierung der Hochschule: „Wir haben eine große Unsicherheit, wie es hier weitergeht“, bekannte er. Viele der breit angelegten Finanzierungsmodelle würden 2020 auslaufen. Eine Fortführung müsse zeitnah geklärt werden, fügte er an. Hoffmeister-Kraut sagte zu, dass sie das Thema aufgreifen und im Finanz- und dem Wissenschaftsministerium dafür werben werde.

Zudem mache sie sich stark für modernste Technologien aus dem Ländle. Vor allem im Bereich Künstliche Intelligenz hat Hoffmeister-Kraut den Wunsch, dass baden-württembergweit eigene Kompetenzen entwickelt würden. „Das wird eine Basistechnologie der Zukunft sein“, sagte sie.

Dass das Land die weitere Sanierung im Bereich Obere Vorstadt/Uhlandstraße in Tuttlingen unterstützt, ist seit Ende März bekannt. Am Montag übergab Nicole Hoffmeister-Kraut den symbolischen Scheck an Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck. Zusätzlich zu den 1,7 Millionen vom Land investiert die Stadt Tuttlingen 1,13 Millionen Euro. Damit soll vor allem das Union-Areal weiterentwickelt werden: Zusätzlich zu dem bereits von der Wohnbau überplanten und abgeräumten Bereich sollen weitere Gebäude gekauft werden. Die Verhandlungen mit den Eigentümern gestalteten sich aber nicht immer einfach, sagte Beck. Auch entlang der Katharinenstraße plant die Stadt mehrere Immobilienkäufe – dort soll die Straße neu gestaltet werden, um das Umfeld des IFC passend zu gestalten. Eine Aufwertung des Spielplatzes im Uhlandpark und Planungskosten für ein Parkdeck an der Brunnenstraße gehören ebenfalls dazu, um die Parksituation um die Hochschule entzerren. (sz/iw)

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