„Es geht darum, was diese Frauen im Kopf haben“

Lesedauer: 4 Min
Muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch: Das Bundesverfassungsgericht hat untersagt, das Tragen der Kopftücher pauschal zu verbiete
Muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch: Das Bundesverfassungsgericht hat untersagt, das Tragen der Kopftücher pauschal zu verbiete (Foto: Archiv: dpa)
Schwäbische Zeitung
Sarah-Lena Gombert

Vor wenigen Wochen hat das Bundesverfassungsgericht ein wichtiges Urteil gefällt: Das Tragen von Kopftüchern darf muslimischen Lehrerinnen nicht pauschal verboten werden, da es mit der Glaubensfreiheit nicht vereinbar sei. Baden-Württemberg muss nun das Schulgesetz auf den Prüfstand stellen. Auch in der Region ist das gekippte Kopftuchverbot ein Thema.

„Wir begrüßen das Urteil sehr“, erklärt Fadime Yelmen, Öffentlichkeitsbeauftragte vom FEZA Kulturzentrum in Tuttlingen (FEZA, türkisch für Universum). Der Verein, der sich für ein friedliches Miteinander der Kulturen einsetzt, wurde von Tuttlingern mit ursprünglich türkischem Hintergrund gegründet.

Nach eigener Aussage wollen sie durch ehrenamtichen Einsatz das vorurteilsfreie Zusammenleben in der Region fördern. Das passiert etwa durch Sprachunterricht, Vorträge, auch in Kooperation mit hiesigen Vereinen und Institutionen. Auch über den Islam wird diskutiert, da die meisten Mitglieder muslimisch sind. FEZA hat sich vor einiger Zeit ganz explizit vom Terror durch den IS öffentlich distanziert. „Wir verurteilen jegliche Art von Diskriminierung und Radikalismus“, so Yelmen.

Landesgesetz gibt Schulleitern Rechtssicherheit

Fadime Yelmen selbst trägt zwar zum Beten ein Kopftuch, ansonsten nicht. Sie betont, dass die traditionelle Kopfbedeckung keineswegs aussage, ob eine muslimische Frau „modern oder unmodern“ sei. „Es ist alleine ein Ausdruck ihrer Religiosität.“ Das Kopftuch sei kein religiöses Instrument, sondern eher ein Symbol der Lebensweise der Muslimin. Daher sei durch das Urteil ein großes Missverständnis beseitigt worden. Das friedliche Miteinander werde aufrecht erhalten. Dadurch, dass man nun auch Frauen, denen das Tragen eines Kopftuchs wichtig ist, den Lehrerberuf öffne, schöpfe man ein großes Potential: „Es geht darum, was diese Frauen im Kopf haben, und nicht, ob sie ein Kopftuch tragen.“

Friedliches Miteinander ist auch Hans-Peter Gökelmann in diesem Zusammenhang wichtig. Er ist Leiter der Wilhelmschule in Tuttlingen. An der Gemeinschaftsschule besuchen rund 180 Schüler der Klassen eins bis sechs islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache. „Ich denke nicht, dass die Gesellschaft jetzt schon soweit ist, dass Lehrerinnen problemlos im Unterricht ein Kopftuch tragen können.“ Das Verständnis dafür müsse sich entwickeln. Zu groß seien noch die Ressentiments in der Bevölkerung gegenüber muslimischen Frauen, die so ihre Religion zum Ausdruck bringen. Das Kopftuch stehe aber auch für einen politischen fundamentalistischen Islamismus, der zum Beispiel auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Frage stelle. Diese symbolische Mehrdeutigkeit sei ein wesentliches Problem, das auch einen Schulfrieden stören könnte. Er sei froh, dass das aktuelle Schulgesetz den Schulen das Problem abnehme.

Arzu Akyüz unterrichtet islamische Religion an der Wilhelmschule. Das Thema Kopftuch sei für ihre Schüler kein besonderes Thema: „Die gehen damit viel lockerer um als viele Erwachsene.“

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen