Ein Stück, das zum Nachdenken anregt

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Die Familie Ötztürk lebt in Deutschland und hat doch mit viele, zu kämpfen. Dennoch ist für sie klar: „Almanya ich liebe dich –
Die Familie Ötztürk lebt in Deutschland und hat doch mit viele, zu kämpfen. Dennoch ist für sie klar: „Almanya ich liebe dich – mehr als du denkst.“ (Foto: CLST)

Eine ausverkaufte IKG-Aula hat am Samstagabend bestätigt, dass das Thema „Integration“ zwischen deutschen und türkischen Bürgern nach wie vor ein „Brennpunkt“-Thema ist. Mit der Theatergruppe „Halber Apfel“ hatte das Kulturzentrum FEZA ein Ensemble engagiert, das den schmalen Grat zwischen Spaß, Ironie und den durchaus bestehenden realen Problemfeldern hervorragend präsentierte. Das erfreulich ausgewogen gemischte Publikum wurde zum Lachen, aber auch zum Nachdenken gebracht.

Mit dem Stück „Almanya, ich liebe dich“ sollte an diesem Abend nicht nur Comedy gezeigt werden, sondern es sollten Menschen verschiedener Kulturen zusammengebracht und zum gemeinsamen Gespräch angeregt werden.

„Türke der dritten Generation“

Nach der Begrüßung durch den neuen FEZA-Vorsitzenden Muslüm Yelken lüftete sich der Vorhang für ein amüsantes Stück, das augenzwinkernd, ironisch, mit oftmals spontanen Dialogen die Missverständnisse, Vorurteile und Dialoge zwischen der deutschen und türkischen Kultur auf meist lustige Weise nachstellte. „Die Geschichten, die wir erzählen, sind nicht weit hergeholt. Es ist unsere Geschichte, so wie wir sie eigentlich kennen“, erklärte Murat Isboga, Gründer, Regisseur und Drehbuchautor der Gruppe, im persönlichen Gespräch. Nur etwas übertrieben und mit Witz und Ironie. Isboga wurde in Deutschland geboren und bezeichnete sich dabei selbst als „Türke der dritten Generation“.

In dem Stück ging es um die in Deutschland lebende Familie Öztürk, die nach wie vor mit den überall geltenden Regeln und Vorschriften und dem ganz „normalen“ Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen zu kämpfen haben: Egal ob die Tochter eine berufliche Karriere hinlegen will, die selbstbewusste Ehefrau einen romantisch eingestellten Mann fordert, sich die Arbeitssuche schwierig gestaltet oder aber der Umgang mit der neuen deutschen Nachbarin Hannelore Müller nicht ganz einfach ist. Die Pointen saßen auf jeden Fall.

Zum Nachdenken regte jedoch der Schluss des Stückes an, denn als die Geschichte von Vater Ali Öztürk erzählt wurde, der mit 13 Jahren von seinem Vater mit der Mutter bei den Großeltern in der Türkei zurückgelassen wurde, damit dieser als Gastarbeiter in Almanya Geld verdienen konnte, waren viele Zuschauer betroffen. Erst als Ali 20 Jahre alt ist, holte ihn sein Vater nach Deutschland. Eine lange Zeit der Beziehung fehlte, „eine Zeit, in der ich dich sehr gebraucht hätte“, blickt Ali Öztürk zurück. In Deutschland fehlte die Zeit zur Aussprache.

Dies soll nun im kommenden Familienurlaub nachgeholt werden, da will Ali Öztürk seinem Vater sagen, „dass ich ihn vermisst habe, dass ich ihn liebe“. Doch ein Telefonanruf mit einer nur wenige Sekunden dauernden Nachricht zerstört dieses Vorhaben. Ebenso den Traum, zurück in die Heimat zu gehen. Mit der Erkenntnis von Ali Öztürk – „Almanya ich liebe dich – mehr als du denkst“ – endete das Stück schließlich nachdenklich.

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