Ein Land voller Wunder – und Touristen

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In der Pause und nach dem Vortrag ist der Büchertisch von Reisejournalist und Fotograf Olaf Krüger und der Vulkan-Enthusiastin K
In der Pause und nach dem Vortrag ist der Büchertisch von Reisejournalist und Fotograf Olaf Krüger und der Vulkan-Enthusiastin Kerstin Langenberger dicht umringt. (Foto: Claudia Steckeler)
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Jeder im voll besetzten Saal der Stadthalle Tuttlingen nimmt es Olaf Krüger ab, wenn er sagt, dass er vom Island-Virus infiziert ist. Bei seiner Multivisionsshow verstand es der Naturfotograf mit einfühlsamen Bildern und seinem kurzweiligen Vortrag die Magie der hoch im Norden liegenden Landes zu vermitteln. Eine Insel, auf der sich die Elemente verbünden. Eine Insel, die eine überwältigende Natur bietet, die es zu entdecken und respektvoll wahrzunehmen gilt.

Jede Bucht, jedes Tal, jedes Gebirge der sagenhaften mit unzähligen Mythen behafteten Insel, erzählt seine eigene Geschichte. Und diese hat Krüger inzwischen mehr als ein Jahr lang erkundet und dabei das vielseitige Land gut kennengelernt. „Island ist eines der schönsten und spannendsten Länder unserer Erde. Ein Traumziel, der heilige Kral für Fotografen und Naturliebhaber“, stellte er fest und betonte, dass die Insel auf der Liste des Weltkulturerbes stehen sollte.

Er hat sich der Insel mit ihren insgesamt 350 000 Einwohnern ganz bewusst langsam genähert, mit dem Schiff. „Mit jeder Seemeile wuchs die Vorfreude“, so Krüger und dabei entstanden stimmungsvolle Bilder, die untermalt mit original isländischer Musik auf das Land einstimmten. Dabei schlug er nicht die klassische Rundreise über die Insel ein, sondern er zeigte beeindruckenden Punkten in Nord, Süd und den Hochebenen.

„Obwohl die Natur viel extremer ist als bei uns haben sich die Menschen an die Bedingungen angepasst und gehören mit zu den glücklichsten Menschen. Sie sind unerschütterlich positiv eingestellt, sehr kreativ, total vernarrt in die neueste Technologie und dem Konsum verfallen“, berichtete Krüger. Was eine hohe Verschuldung des Landes zur Folge hatte, die durch den boomenden Massentourismus in den Griff bekommen wurde.

Dieser bringt jedoch nicht nur „Segen“, das machte Krüger deutlich: Steigende Immobilienpreise und Lebenshaltungskosten, Island ist das teuerste Land Europas, führen dazu, dass es auch Altersarmut gibt. Die Touristen-Karawanen zerstören die fragile Landschaft.

Auch der Klimawandel setzt der Insel zu. So ist die Population der inseltypischen Papageientaucher zurückgegangen, da sie durch die Erwärmung zu wenig Futter für ihre Brut finden. Die Gletscher ziehen sich immer weiter zurück. „Die schmelzenden Gletscher könnten sich auf weitere heftige Vulkanausbrüche auswirken, warnen Wissenschaftler“, erklärte Krüger. „Der Mythos vom wilden, ursprünglichen Land bekommt Risse, aber das haben die Isländer, die das zum große Teil nicht wahrhaben wollen, selbst verschuldet“, bemerkte er.

Rund 2,5 Millionen Touristen besuchen jährlich das Land, rund 30 000 Mietwagen sind im Einsatz, „aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht als Gegenpol zu der von einigen Politkern geforderten Ansiedlung von Schwerindustrie“, erklärte Krüger, um dann die Besucher der Stadthalle wieder mit faszinierenden Bildern voller Magie in ein Land zu entführen, das mit seiner Vielseitigkeit gefangen nimmt.

Faszinierend sind auch die Aufnahmen der Vulkan-Enthusiastin Kerstin Langenberger, die sieben Jahre lang auf Island lebte und mit Krüger befreundet ist. Sie hielt mit beeindruckenden Bildern die gewaltigste Lavaeruption Islands seit 250 Jahren fest, und löste mit ihrem Kurzvortrag über die Urkräfte der Erde Begeisterung im Saal aus.

„Die Isländer sind Spezialisten, wenn es um das Extravagante, um das Besondere geht“ betonte Krüger, „egal ob in der quirligen aufgeschlossenen Metropole Reykjavík, beim Schaf- und Pferdeabtrieb im Herbst, bei der Jahrhunderte alten Badekultur, beim Eisschwimmen im 3,7 Grad kalten Wasser, sie verstehen mit den Extremen gut zu leben.“

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