Ein Contest, der nicht nach Contest riecht

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Kaan Heck

Wer als Zuschauer bereits beim vergangenen „Männle“ BMX-Turnier mit dabei gewesen ist, der dürfte überrascht gewesen sein, wie viel sich in nur einem Jahr Training erreichen lässt. Die am Samstag gezeigten Tricks waren zum Teil noch wahnsinniger als beim vergangenen Mal, und für eine Top-Platzierung waren viele der Fahrer bereit, im Tuttlinger Skatepark Kopf und Kragen zu riskieren. Vor allem die in der Kategorie „Profi“ angetretenen Starter versetzten Konkurrenz und Publikum mit meterhohen Sprüngen, Salti und anderen Manövern mitunter in staunendes Schweigen.

Viele der Jungs, die sich beim „Männle“ zum sportlichen Wettkampf trafen, gingen nicht zum ersten Mal an den Start. Der 18-jährige „Local“ Kutay Kusagli beispielsweise war im vergangen Jahr noch als „Anfänger“ gelistet, doch am Samstag mischte er bereits bei den Fortgeschrittenen mit. Mit einem erweiterten Trick-Portfolio und mehr Selbstvertrauen als noch beim „Männle 2012“, war es Zeit für eine neue Herausforderung – den Vergleich mit erfahreneren BMXern.

So wie Kusagli ging es vielen. Und auch die Jury war sich nach dem ersten Durchgang bereits sicher: „Im nächsten Jahr müssen viele der Fahrer bei den Profis starten.“ Dass sich irgendjemand bei der Anmeldung schlechter einstuft, um mehr Chancen auf den Sieg zu haben, ist übrigens genauso verpönt wie ausgeschlossen. „Wir kennen alle und wissen genau, wie gut die sind“, sagte eines der Jury-Mitglieder im Interview.

Gewinnen ist Nebensache

Doch auch, wenn die Preise beim „Männle“ BMX-Turnier auch dieses Jahr wieder durchaus attraktiv waren, wer am Ende den Tagessieg mit nach Hause nahm, war – mal wieder – nebensächlich. „Einen Contest, der nicht so sehr nach Contest riecht“ hatte sich Veranstalter Maik Nagel im Vorfeld gewünscht, und den hat er auch bekommen: Gutes Wetter (von kurzen Schauern abgesehen), entspannte Menschen, coole Musik und eine stets freundschaftliche Atmosphäre zeichneten die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder aus.

Und trotzdem: Nur, weil die Stimmung locker war, bedeutet das nicht, dass die Fahrer ihre Aufgabe nicht ernst genommen hätten. Gerade mal eine knappe Minute hatte jeder der Jungs Zeit, um die Jury mit einem möglichst perfekten Lauf zu überzeugen. Für den Laien unaussprechliche Trick-Kombinationen wurden vorgeführt und je höher das Leistungsniveau, desto schwindliger wurde dem Publikum beim Beobachten.

Apropos Publikum: Das Spektakel im Tuttlinger Skatepark hat mittlerweile auch Menschen jenseits der BMX-Gemeinschaft in seinen Bann gezogen. Friedemann Häberlen zum Beispiel hat mit dieser halsbrecherischen Form des Radsports eigentlich wenig am Hut, doch einen Besuch als Zaungast ließ er sich am Samstag trotzdem nicht nehmen. „Ich war vergangenes Jahr schon hier“, sagte der passionierte Marathonläufer und lächelte.

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