Ein bisschen Hilfe beim Leben

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Tim Frey und Laura Wundke engagieren sich gerne ehrenamtlich bei „Rock your life“. Auch wenn das zusätzliche Arbeit bedeutet.
Tim Frey und Laura Wundke engagieren sich gerne ehrenamtlich bei „Rock your life“. Auch wenn das zusätzliche Arbeit bedeutet. (Foto: DH)
Schwäbische Zeitung

„Rock your life“ – so heißt das Programm, in dem Studenten sich um Schüler kümmern. Jugendliche, die sich in der Schule schwer tun oder sozial benachteiligt sind, sollen von den Älteren was lernen. Tim Frey und Laura Wundke sind zwei dieser Studenten, die dafür sorgen, dass „Rock your life“ rund läuft. Und das tut es auch – wenngleich sich die Studenten über einige Sponsoren mehr freuen würden.

Sieben Schüler-Studenten-Tandems gibt es dieses Semester, meistens bleiben sie für eineinhalb oder zwei Jahre bestehen. Seit März 2014 gibt es das Programm am Campus Tuttlingen.

Das „Matching“, wie Laura Wundke, Vorsitzende des Vereins Rock your life, es nennt, findet immer zu Beginn des Wintersemesters statt. Dazu gibt es eine Kooperation mit der Albert-Schweitzer-Schule, einer Förderschule in Tuttlingen. „Das ist ein bisschen wie Speed Dating“, sagt Wundke. In Gesprächen von wenigen Minuten lernen sich die Schüler und die sogenannten Mentoren kennen.

„Natürlich lernt man da nicht viel über den anderen, aber das ergibt sich später“, sagt Wundke, die selbst Mentorin war, bevor sie den Vereinsvorsitz übernahm. Mindestens zweimal im Monat treffen sich die Paare dann, geben Nachhilfe, helfen bei Schulproblemen oder hören einfach nur zu. „Die Hemmschwelle ist meistens niedriger als bei Eltern oder Lehrern“, meint Wundke, „da erzählen die Schüler schon mal mehr.“ Wie und was sie erzählen, das hängt aber von der jeweiligen Eins-zu-eins-Beziehung ab. Wundke selbst hat mit „ihren“ Schüler inzwischen keinen Kontakt mehr, „ich kenne aber einige, die nach Abschluss des Programms weiter Kontakt halten“, erzählt sie.

Neben den Treffen versuchen die Studenten auch, die Schüler beruflich voranzubringen. Dazu organisieren sie Praktika und Besuche in Firmen, helfen bei Bewerbungen. Oft ändern sich dadurch die Berufswünsche ganz beträchtlich, weiß Tim Frey. „Es gibt ein Mädchen, das Hotelfachfrau werden wollte, weil sie dachte, das wäre ein Job für ein Mädchen. Jetzt macht sie eine technische Ausbildung bei Chiron.“

Frey hilft dabei, dieses Praktika zu organisieren und Kontakt zu Firmen herzustellen. Solche Angebote zu bekommen, sind meist kein Problem. Wenn es um Sponsoren geht, stoßen die Studenten aber nicht immer auf offene Ohren. Dabei fallen auch rund um die Projekte Kosten an – seien es Schulungen für die Mentoren, die sogenannten Entdeckertage oder Netzwerktreffen. „Im Moment stehen wir ganz gut da“, sagt Wundke, „aber wir wollen natürlich dran bleiben.“

Das müssen sie auch bei ihren Kommilitonen. Zwar kommen um die sechs bis sieben Paarungen jedes Jahr zustande, dieses Jahr hatten sich aber mehr interessierte Schüler als Studenten gefunden. „Klar, wir müssen ja auch noch studieren, das Projekt läuft ehrenamtlich nebenbei“, sagt Frey. Auch wenn es viel Zeit in Anspruch nimmt, sind die beiden deshalb gerne dabei. „Als Studenten haben wir ja schon mal bewiesen, dass wir nicht die Dümmsten sind“, meint Wundke, „ich finde, davon können wir ruhig auch etwas abgeben.“

Weitere Informationen zum Thema finden Interessierte unter:

www.hfu-campus-tuttlingen.de/campus-leben/rockyourlife/

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