Die Eheleute Uwe und Elke Schwartzkopf sowie Barbara Sum und Frank Kunze vor dem neu angelegten Teich. Mit anderen Helfern samm
Die Eheleute Uwe und Elke Schwartzkopf sowie Barbara Sum und Frank Kunze vor dem neu angelegten Teich. Mit anderen Helfern sammeln sie Amphibien ein und bringen sie zu den Laichgewässern. (Foto: Schust)
Schwäbische Zeitung
Manuel Schust

Jedes Jahr im März, wenn die Temperaturen milder werden, spielt sich in unseren Breiten ein wahres Naturschauspiel ab: Kröten, Frösche und Molche erwachen dann aus ihrer Winterstarre und begeben sich scharenweise auf Wanderung zu den Laichgewässern. Hierbei müssen die Amphibien häufig Straßen überqueren und schaffen dies oft nur dank ehrenamtlicher Helfer wie dem Tuttlinger Ehepaar Schwartzkopf.

Es könnte eigentlich so einfach sein: Im vergangenen Jahr wurde in der Möhringer Vorstadt ein etwa 1000 m² großer Teich als Ausgleichsmaßnahme für das Bebauungsgebiet Thiergarten im Tuttlinger Norden angelegt. Den aus den Waldgebieten kommenden Erdkröten sollte so der lebensgefährliche Weg über die B311 erspart werden. Eigentlich fänden die wechselwarmen Tiere hier perfekte Bedingungen vor. Doch bislang wandern die Kröten an dem neuen Teich vorbei und suchen als ortstreue Gewohnheitstiere jene Gewässer auf, in denen sie selbst geschlüpft sind.

Für Elke und Uwe Schwartzkopf bedeutet dies, dass ihre Hilfe bei der Krötenwanderung im Rabental wohl noch längere Zeit gebraucht wird. „Wir hoffen natürlich, dass sich in den nächsten Jahren eine Population in dem sehr schönen, neu angelegten Teich niederlässt. Aber wann das geschieht, lässt sich kaum abschätzen“, berichtet Elke Schwartzkopf.

Bereits seit 2003 sind die Eheleute im Krötenschutz aktiv. Zusammen mit einigen Helfern sind die beiden im März und April mehrere Wochen abends im Einsatz. Entdeckte Tiere werden eingesammelt, behutsam in Behälter gepackt und am Ende des Abends mit dem Auto zum Laichgewässer gefahren. Mit ihrem lebensrettenden Taxidienst befördern die ehrenamtlichen Helfer in einer Saison etwa 2000 Tiere zum Zielort.

Zaun am Straßenrand

Bevor die ersten Kröten ihre Wanderungen antreten, muss ein spezieller Amphibienzaun entlang des Straßenrands errichtet werden, der die Tiere davon abhält, direkt auf die Bundesstraße zu gelangen. Dank einer Kooperation mit dem Immanuel-Kant-Gymnasium erfreuen sich die Schwartzkopfs der Hilfe von Schülern, die jährlich am Aufbau mitwirken. Tiere, die am Zaun ankommen, können leicht eingesammelt werden. Doch wenn einzelne Amphibien die Waldwege benutzen, drohen sie direkt auf der Fahrbahn zu landen. Dass Kröten auch in der 30er-Zone von Autos überfahren werden, ärgert Uwe Schwartzkopf. Er würde sich eine umsichtigere Fahrweise vieler Fahrer wünschen. Denn eigentlich weisen Verkehrsschilder auf die Kröten hin und bei langsamer Geschwindigkeit sollten sie für Autofahrer gut erkennbar sein. Besser sichtbar sind die ehrenamtlichen Helfer durch ihre Warnwesten. Dennoch berichtet Elke Schwartzkopf von bedrohlichen Situationen, bei denen ihr Autos gefährlich nahekamen.

Trotz des erheblichen Aufwands und der nicht ungefährlichen Arbeit ziehen die Schwartzkopfs aus ihrem Engagement eine persönliche Befriedigung. Über die Jahre seien ihnen die Kröten ans Herz gewachsen und es sei einfach ein gutes Gefühl, nach getaner Arbeit zu wissen, dass man etlichen Tieren das Leben gerettet habe. Nicht ohne Stolz mutmaßt Uwe Schwartzkopf, dass es ohne ihre Arbeit vielleicht gar keine Kröten mehr im Rabental geben würde.

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