Durchhausen nimmt Glasfasernetz in Betrieb

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Staatssekretär Wilfried Klenk, Bürgermeister Simon Axt, Landrat Stefan Bär und NetCom-Vertriebsleiter Matthias Hermann (von link
Staatssekretär Wilfried Klenk, Bürgermeister Simon Axt, Landrat Stefan Bär und NetCom-Vertriebsleiter Matthias Hermann (von links) nahmen das Glasfasernetz offiziell in Betrieb. (Foto: Larissa Schütz)

Als erste Gemeinde im Landkreis Tuttlingen verfügt Durchhausen über ein vollausgebautes Glasfasernetz - nur zwei Jahre, nachdem der entsprechende Beschluss im Gemeinderat gefallen ist. Am Mittwoch wurde es offiziell in Betrieb genommen.

Als „Meilenstein in der Zukunftsentwicklung der Gemeinde Durchhausen“, bezeichnete Bürgermeister Simon Axt das Glasfasernetz. Rund elf Kilometer Glasfaserkabel wurden im Ort verlegt; 75 Prozent aller Gebäude haben sich direkt ans neue Netz anschließen lassen. Axt betonte, dass dies ohne die Landesförderung von 809 100 Euro nicht möglich gewesen wäre. „Das ist die höchste Fördersumme, die je in die Gemeinde geflossen ist“, sagte er. 875 000 Euro stemmt die Gemeinde selbst, der Eigeneinteil wird über die Einnahmen aus der Verpachtung der Kabel an den Anbieter finanziert. Die NetCom BW wird das Durchhausener Netz betreiben

Landrat Stefan Bär sieht Durchhausen als „Mustergemeinde im Kreis, was den Breitbandausbau angeht.“ Nicht nur, weil sich das Dorf von Anfang an für den Vollausbau entschieden hat, sondern auch, weil es gelang, die Anwohner von dem Projekt zu überzeugen. „75 Prozent aller Gebäude ist eine super Quote“, so Bär. Dabei habe Bürgermeister Axt viel Überzeugungsarbeit leisten müssen - der Weg zum Glasfasernetz sei nicht immer leicht gewesen. „Aber wenn man es schafft, in Durchhausen ein Fasnetsthema draus zu machen, ist die Sache gelaufen“, scherzte Bär in Anspielung auf den Fasnetsumzug, der das Thema BIT und Glasfaser aufgegriffen hatte.

Gemeinde ist Eigentümerin der Infrastruktur

Bär lobte in diesem Zusammenhang auch die Gründung der Breitbandinitiative des Landkreises (BIT). In den kommenden fünf Jahren soll das Backbone-Netz fertiggestellt werden. „Wir erwarten Kosten in Höhne von 25 Millionen Euro und Fördermittel von rund 16 Millionen Euro.“ Die rasanten technischen Entwicklungen machen den Glasfaserausbau unumgänglich, so Bär.

An Staatssekretär Wilfried Klenk gewandt äußerte Bär den Wunsch nach Planungssicherheit - hinsichtlich der Förderung habe es in der Vergangenheit oft Unsicherheiten und Änderungen gegeben.

Das Land Baden-Württemberg werde sich weiterhin stark im Bereich Glasfaserausbau engagieren, versicherte Klenk. „Aber ein flächendeckender Ausbau benötigt auch Bundesfördermittel.“ Er wies darauf hin, dass inzwischen Bundeszuschüsse von bis zu 50 Prozent möglich sind und sich die Kofinanzierung des Landes von 20 auf 40 Prozent verdoppelt. Künftig werden Förderquoten von 90 Prozent möglich sein, so Klenk.

Durchhausen sei zwar nicht in den Genuss dieser Förderung gekommen, sagte NetCom-Vertriebsleiter Matthias Hermann, profitiere aber künftig davon, Eigentümerin der Infrastruktur zu sein. Denn damit gehören der Gemeinde auch die Pachteinnahmen - die Erträge fließen nicht zurück an den Bund. Er wies zudem darauf hin, dass bislang nur vier Prozent der Haushalte in Deutschland an Glasfaser angeschlossen seien.

Für Klenk ist das Durchhausener Glasfasernetz ohnehin „mehr als als Bauprojekt“. Es sei, ganz idealistisch, ein Beispiel für eine Gemeinde, die „ihr Schicksal selbst in die Handnimmt“. Mit Engagement, Einsatzwille und Veränderungsbereitschaft habe sich ein Dorf für die Zukunft gerüstet, das bis dahin in Sachen Internet „regelrecht abgehängt“ gewesen sei, so Klenk. „Viele Bürger haben selbst Hand angelegt und bewiesen, dass man etwas voranbringen kann. Bekennen Sie als Gemeinde sich zu diesem gemeinschaftlichen Erfolg.“

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