Durch die „grüne Hölle“ in den Renn-Himmel

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Als Gesamtführender in der NES 500 wollen Sebastian Sommer und Christian Ladurner vom Tuttlinger Greenlion Motorsport ihre Spitz
Als Gesamtführender in der NES 500 wollen Sebastian Sommer und Christian Ladurner vom Tuttlinger Greenlion Motorsport ihre Spitzenplätze am Nürburgring verteidigen. (Foto: Greenlion Motorsport)

Als Führende in ihrer Klasse greifen die Tuttlinger Rennfahrer Sebastian Sommer und Christian Ladurner am Wochenende in der Langstreckenserie NES 500 auch nach dem Gesamtsieg. Auf dem Weg in ihren Motorsport-Himmel müssen die beiden Piloten mit ihrem Team Greenlion Motorsport aber durch die „Hölle“ fahren. Der abschließende Lauf findet am Sonntag auf der Nordschleife des Nürburgrings statt.

Als „grüne Hölle“ hatte der britische Formel 1-Fahrer „Jackie“ Stewart – immerhin dreimal Weltmeister – die gut 20 Kilometer lange Strecke durch die Eifel bezeichnet. Diesen Ruf wurde die Nordschleife, die den Fahrern in 73 Kurven bei maximal 17 Prozent Steigung und elf Prozent Gefälle alles abverlangt, nicht mehr los. „Das wird ein Ritt auf der Kanonenkugel“, ahnt Ladurner.

Insgeheim hoffen die Tuttlinger, dass sie mit ihrem grünen Löwen – einem Seat Leon TCR – nicht in die „grüne Hölle“ müssen. „Wenn es keinen Sinn mehr macht, fahren wir am Sonntag nicht mehr“, sagt Ladurner. Heißt: Ist die Entscheidung bei dem Rennwochenende mit zwei Fahrten über je 500 Kilometer über die Grand-Prix-Strecke und die Nordschleife bereits nach dem Samstag gefallen, werden sich die Tuttlinger den „Wahnsinn“ auf der Piste durch die Eifelwälder nicht mehr antun.

Mit Rennsimulator und Testfahrten geübt

Denn: Im Gegensatz zur Grand-Prix-Strecke („Da haben wir wenig Sorge“) ist der Respekt vor der Nordschleife riesig. Zwar hatten sich Sommer und Ladurner mit einer Rennsimulation auf dem Computer auf die Strecke vorbereitet. Das hat aber nicht zur Beruhigung beigetragen. „Das Problem sind die uneinsehbaren Kurven. Man fährt mit Vollgas auf die Kuppe zu und weiß nicht, was dahinter kommt“, erklärt Ladurner, dem auch die zum Teil schlechte Fahrbahn sowie das Wetter Sorgen bereitet.

Bei einer Testfahrt hatten Sommer und Ladurner eigentlich gutes Wetter erwischt. „Wir sind bei Sonne losgefahren. Im hinteren Teil der Strecke gab es aber eine Passage, auf der die Straße nass war“, meint der Teamchef, der mit seinem Team in den vergangenen Wochen mehrfach in der Eifel getestet hat. Zusätzlich hätte das Team auch in der Werkstatt „Vollgas gegeben“, um den Wagen für die letzten beiden Rennen – 1000 Kilometer an zwei Tagen – fit zu machen. „Wir haben die Antriebsachse und die Radlager erneuert“, sagt Ladurner. Anders als bei normalen Autos, die nur im Straßenverkehr fahren, habe man das Wechseln vorgezogen. „Normal wird bis zum Verschleiß gefahren. Wir haben für das Rennen gewechselt, weil die Laufzeit der Teile abgelaufen war.“

Sicher die richtige Entscheidung: Vor allem, wenn sich die beiden Tuttlinger die „grüne Hölle“ ersparen wollen. Dann muss es bereits im ersten Lauf auf der Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings optimal laufen. Sicherheit, die eigene Klasse- und die Gesamtwertung zu gewinnen, haben Sommer und Ladurner selbst dann nicht, wenn sie ihr Rennen gewinnen und der punktgleiche Konkurrent von Mierschke Motorsport ausfällt.

Bei zwei Rennen habe der Widersacher in seiner Klasse mehr Konkurrenten gehabt – an der Anzahl der Autos pro Klasse werden die Punkte bemessen. Zudem habe das Mierschke-Team ein „richtig schlechtes Rennen“ gehabt, würde durch die Regelung eines Streichergebnisses profitieren. „Wenn unser Gegner beide Rennen gewinnt, haben wir keine Chance ihn einzuholen“, sagt Ladurner. Aber vielleicht läuft es in der Eifel auch höllisch gut.

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