Drogen im Vormarsch aufs Land

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Sieben Männer stehen derzeit vor dem Landgericht Rottweil, die in Geisingen und Tuttlingen in großem Stil mit Rauschgift gehand
Sieben Männer stehen derzeit vor dem Landgericht Rottweil, die in Geisingen und Tuttlingen in großem Stil mit Rauschgift gehandelt haben sollen. (Foto: Imago)
Lothar Häring

Der Drogen-Prozess wird am 24. September fortgesetzt.

Drogen unter Jugendlichen auf dem Land sind offenbar weit verbreitet. Diesen Eindruck vermittelt derzeit ein Prozess vor dem Landgericht Rottweil.

Angeklagt sind sieben Männer, die in Geisingen und Tuttlingen in großem Stil mit Rauschgift gehandelt und es auch zum Teil selbst konsumiert haben sollen.

Ein 22-jähriger Mann aus Geisingen, der zum Kreis der Beschuldigten gehört, berichtete ziemlich unbefangen, „viele“ in seinem Bekanntenkreis griffen vor allem am Wochenende regelmäßig zu verschiedenen Drogen. Ein 22-Jähriger aus der Gemeinde schilderte ähnliche Erfahrungen. Beide räumten ein, dass sie drogenabhängig seien und ihnen nur noch eine Therapie helfen könne, von der Sucht wegzukommen.

Die Anklageschrift von Staatsanwältin Dr. Annemarie Grimm lässt erahnen, welche Mengen von Rauschgift im Umlauf sind: Die Angeklagten im Alter von 22 bis 42 Jahren sollen zwischen August und November 2017 in unterschiedlicher Besetzung bandenmäßigen Handel betrieben haben. Der Wert der festgestellten Höchstmengen dürfte in die Hunderttausende gehen: 30 beziehungsweise 40 Kilogramm Marihuana, ein Kilo Amphetamin, 300 Gramm Kokain sowie Ecstasy und LSD in unbestimmten Mengen.

Das Gericht wird im Laufe des Prozess, der sich bis Mitte Oktober hinziehen wird, auch der Frage nachgehen, woher diese Drogen kommen. Ein junger Albaner wird beschuldigt, den Handel mit organisiert zu haben, unter anderem zwischen Stuttgart und dem Kreis Tuttlingen. Er wurde per internationalen Haftbefehl gesucht und dann in Italien verhaftet.

U-Haft sei „Katastrophe“

Er habe nur ein Auto in Mailand kaufen wollen, beteuerte der 23-Jährige am gestrigen zweiten Prozesstag. Auf die Frage nach seinem Verdienst in Albanien gab er 400 Euro monatlich an. Zu den Tatvorwürfen werde er sich nicht äußern, sagte er. Gleichzeitig erklärte der aber: „Ich habe mit der Tat nichts zu tun und weiß nicht, warum ich im Gefängnis bin.“ Auf die Frage von Karlheinz Münzer, dem Vorsitzenden Richter, wie er es mit Drogen- und Alkoholkonsum halte, antwortete der Mann mit irokesenhafter Frisur: „Ich nehme nichts und kenne so etwas nicht.“ Die U-Haft sei für ihn „eine Katastrophe“.

Wie weit Drogen-Konsum verbreitet ist, machte auch der Prozess um die Messerstecherei am Tuttlinger Busbahnhof deutlich, der am Donnerstag begonnen hat (wir berichteten). Die drei Angeklagten aus Pakistan berichteten freimütig, regelmäßig Marihuana zu konsumieren.

Der Drogen-Prozess wird am 24. September fortgesetzt.

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