Donauversickerung gibt es bald als App

Lesedauer: 5 Min

Die Stadt Tuttlingen beteiligt sich an der neuen Vermarktungsstrategie der Donauversickerung.
Die Stadt Tuttlingen beteiligt sich an der neuen Vermarktungsstrategie der Donauversickerung. (Foto: Patrick Seeger)

Das Naturphänomen Donauversickerung soll nicht nur bekannter, sondern auch erlebbarer gemacht werden. Die Stadt Tuttlingen wird sich mit rund 42 000 Euro für drei Jahre an einem Gesamtkonzept beteiligen, lautete der Beschluss im Verwaltungs- und Finanzausschuss am Montag. Der Gemeinderat beschäftigt sich am 16. Juli mit dem Thema.

Arno Specht, Stabsstellenleiter Medien, Stadtmarketing und Tourismus bei der Stadt, stellte den Stadträten die Pläne vor. „Die Vermarktung und Bekanntmachung der Donauversickerung ist nicht so, wie sie sein sollte“, sagte er. Das sei sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass das Naturphänomen auf die Gemarkungen dreier Kommunen – also Immendingen, Tuttlingen mit Möhringen sowie Fridingen – verteilt sei und jede auf eigene Faust agiert habe.

Nun soll ein schlüssiges Gesamtkonzept umgesetzt werden, das die Agentur Kohl und Partner aus Stuttgart ausgearbeitet hat, mit Ergebnissen aus Workshops mit Bürgern und Experten. Dabei wurde dem Namenswirrwarr ein Ende gesetzt: „Faszination Donauversickerung“ heißt das Naturphänomen ab sofort. Immendingen hatte bislang konsequent von „Donauversinkung“ gesprochen.

Phase eins des Projekts, die kurzfristig ab 2019 umsetzbar sei, so Specht, sieht eine einheitliche Beschilderung der Versickerungsstellen vor, graphisch aus einem Guss, sowie unter dem Tital „Lauschtour“ eine interaktive App, die entsprechend vermarktet werden soll. Der Vorteil: Damit sollen Besucher gezielt von Ort zu Ort geführt werden. Die Aufenthaltsdauer im Kreis Tuttlingen steige dadurch. Gastronomie und Handel könnten profitieren.

In Phase zwei steht die Planung und Errichtung von Info-Points in den jeweiligen Kommunen im Mittelpunkt, wobei von einfachen Schautafeln bis hin zu Pavillons alles denkbar sei. Die Ausgestaltung sowie Finanzierung dieser Info-Punkte ist den Kommunen überlassen.

Als nächster Schritt käme dann ab 2022 der Aufbau eines zentralen Informationszentrums – falls das überhaupt gewünscht sei. „Das Konzept funktioniert auch ohne dieses Informationszentrum“, führte Specht aus.

Vermarktung erfolgtüber Donaubergland

Die Vermarktung der „Faszination Donauversickerung“ werde zentral über Donaubergland-Tourismus erfolgen, von gedruckten Werbebroschüren über die Webseite bis hin zur App. Dafür wird eine 20-Prozent-Stelle eingerichtet. Noch offen ist, ob sich – wie im Konzept vorgesehen – auch die Gemeinde Aach mit der Aachquelle beteiligen wird, hieß es in der Sitzung am Montag.

Die Räte im Ausschuss begrüßten die Pläne, auch Oberbürgermeister Michael Beck. „Gut, dass wir uns da geeinigt haben“, sagte er. Wichtig ist ihm, dass, wenn es größere Investitionen geben sollte, „wir nicht für andere zahlen. Das ist die Bedingung, dass wir mitmachen“.

Herwig Klingenstein (SPD) sprach sich dafür aus, die Gelegenheit nun beim Schopfe zu packen. In Möhringen könnte das Rathaus zum zentralen Info-Punkt werden, so sein Vorschlag: Der Donauradweg führe direkt dort vorbei.

Für Uwe Schwarzkopf (LBU) ist der Tourismus eines der am meisten unterschätzten Themen in der Region. Er sieht ein „riesenhaftes Potenzial“, ihn weiter auszubauen. Eine einheitliche Beschilderung der Versickerungsstellen der Donau findet er gut, wies aber darauf hin, dass diese Schilder auch gepflegt werden müssten. Und Carl-Roland Henke (FW) fragte nach, wie es weitergeht: „Wir geben 42 000 Euro aus und sind 2021 fertig. Was geschieht dann?“

Laut Specht sei das Konzept zunächst auf drei Jahre ausgelegt. Wie und mit welchem Aufwand es fortgeführt werde, wird sich zeigen.

Auch über die Ausgestaltung der Info-Points wird das Gremium auf dem Laufenden gehalten. Inhaltlich ist vorgesehen, dass in Möhringen der Schwerpunkt bei Natur sowie Völkerrecht und Politik liegen soll. In Tuttlingen stehen die Themen Natur, Europäischer Kulturraum, Industriekultur und Wirtschaft im Mittelpunkt.

Angedacht ist, größere Schilder aufzustellen, am Tuttlinger Donaupark oder am Gerberufer. Ein Pavillon soll es eher nicht werden – da befürchten die Räte sowie die Verwaltung Schäden durch Vandalismus.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen