Donau-Wehr: Gewässergüte contra Lebensqualität

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Donauwehrabsenkung in vier Schritten?
Bei der städtischen Bürgerinformation zum Sachstandbericht bei der Diskussion über das Absenken des Donauwehrs in Tuttlingen hat Landrat Stefan Bär einen möglichen Fahrplan skizziert. Demnach könnte das Wehr in den kommenden vier Jahren jährlich um 25 Zentimeter abgesenkt werden.
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Mehr als viereinhalb Stunden ist am Donnerstag der Erörterungstermin zum Antrag der Stadt Tuttlingen zum weiteren Betrieb des Stauwehrs an der Groß Bruck im Sitzungssaal des Landratsamts gegangen. Dazu wurde auch der Wasserbiologe Dr. Karl Wurm gehört, der mehrfach betonte, dass im Tuttlinger Schlauch die Gewassergüte und die Durchwanderbarkeit für Fische und Kleinstlebewesen nicht den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) entspreche.

Der Erste Landesbeamte, Stefan Helbig, betonte, dass im Sitzungssaal mehr Leute säßen als beim Erörterungsverfahren für das Prüf- und Testzentrum von Daimler in Immendingen. In den viereinhalb Stunden wurde deutlich, wie sehr sich die Einwendungen mit der hohen Lebensqualität der Donau für die Menschen in Tuttlingen befassen. Aber auch über die Gewässergüte und Durchgängigkeit des Flusses für Tiere wurde reiflich diskutiert.

Doch zuvor erläuterte Tuttlingens Oberbürgermeister Michael Beck den Antrag der Stadt, das Wehr an der Groß Bruck weiter betreiben zu dürfen. Die Genehmigung dazu war Ende des Jahres ausgelaufen (wir berichteten mehrfach). „Wir wollen eine Erlaubnis, die wir bis zum 31. Dezember hatten“, betonte er. Sprich: Ein Aufstau von April bis Oktober um 2,50 Meter und ein Absenken von Oktober bis April. Die Stadt hätte ein fünfjähriges Wehrmanagement betrieben, in der Erwartung, das die Maßnahme die Wasserqualität verbessert.

Kein ökologischer Wettstreit

„Es geht doch nicht um einen ökologichen Wettstreit, wer das beste Wasser hat“, sagte Beck. Erst vor wenigen Tagen hatte die Stadt beim Landratsamt eine Machbarkeitsstudie für eine Rauhe Rampe eingereicht. Damit soll die Durchwanderbarkeit für Fische und Kleinstlebewesen am Wehr verbessert werden.

Doch das scheint nach den Aussagen von Wurm und Gerhard Bartl vom Regierungspräsidium nicht die ultima ratio zu sein. Denn: Das Problem ist der Staubereich vor der Elta-Mündung, die verschlammt und die Durchwanderbarkeit aufgrund einer fehlenden Haltestruktur beeinträchtigt: „Je kürzer der Stau, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Fische durchkommen“, sagte Wurm. Das bestätigte auch Bartl.

Michael Hensch, Abteilungsleiter Umwelt- und Grünplanungsamt bei der Stadt, brachte die Donauversickerung zwischen Möhringen und Immendingen ins Spiel. Dort sei an vielen Tagen im Sommer keine Durchwanderbarkeit gegeben. Aufgrund der Verhältnismäßigkeit könne man nicht nur einen kleinen Teil der Donau betrachten, auch wenn er nicht bestreiten wolle, dass es im Schlauch ein Problem geben würde. Bartl betonte, dass es auch im Sommer Tage geben würde, an denen die Durchwanderbarkeit gegeben sei.

Auch bei der Gewässergüte gebe es laut Wurm noch Defizite im Schlauch, die nicht der EU-WRRL entsprechen würden. Deswegen hatte er in seinem Gutachten zum Wehrmanagement der Stadt auch geschrieben, dass das Wehr um einen Meter abgesenkt werden sollte, um die Wasserqualität in diesem Bereich der Donau zu verbessern. Daher sagte auch Thomas Jankowski vom RP, dass das Land verpflichtet sei, die Vorgaben der EU-WRRL umzusetzen. Allerdings betonte Wurm, dass sich die Wasserqualität durch das Wehrmanagement in den Jahren 2011 bis 2015 deutlich verbessert habe.

SPD-Fraktionssprecher Hellmut Dinkelaker wie auch Klaus Storz von der Bürgerinitiative „Erhaltenswe(h)rt“ wollten wissen, ob etwa wegen verbesserter Kläranlagen der Elta neue Daten erhoben werden müssten. Das sei laut Wurm nicht der Fall. Er geht nicht davon aus, dass sich an den Ergebnissen seines Gutachtens viel geändert hat. Paul Roder von der Bürgerinitiative plädierte mit Blick auf die Donauversinkung dafür, einen Ermessensspielraum zu nutzen.

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Ansonsten ging es bei dem Erörterungstermin um die Fragen zu den Auswirkungen auf den Baumbestand entlang der Donau durch das Absenken, das Stadtbild, die Ufergestaltung, den Freizeit- und Tourismuswert der aufgestauten Donau und den Bootsbetrieb am Golem sowie durch THW, DLRG und Feuerwehr.

Vor allem mit Blick auf die Bäume wurde mehrfach der Wunsch geäußert, dass die Donau zeitnah aufgestaut werden sollte, damit sie keinen Schaden nehmen. Helbig stellte zum Ende des Erörterungstermins eine zeitnahe vorläufige Erlaubnis zum Aufstau in Aussicht – ob diese dann bei 2,50 oder 2,25 Metern liegt, werde sich zeigen. Und er zeigte sich darüber zuversichtlich, dass das Landratsamt eine Entscheidung treffen werde, die vor Gericht Stand halten wird. Denn, sollte die Stadt mit der Entscheidung nicht einverstanden sein, so kann sie den Weg vors Verwaltungsgericht einschlagen.

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