Dollingerie Theater füllt das Festplatz-Zelt

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Das Dolingerie Theater überzeugte bei seinem Gastspiel im Zelt am Festplatz.
Das Dolingerie Theater überzeugte bei seinem Gastspiel im Zelt am Festplatz. (Foto: Simon Schneider)
Simon Schneider

Die zwei Damen des Dollingerie Theaters haben am Donnerstagabend mit ihrem Stück „Schwäbisch macht sexy“ für ein randvolles Zirkuszelt auf dem Donauspitz im Rahmen von „Sommer im Park“ und für Lacher am Fließband gesorgt. Die Zuschauer waren begeistert.

Christina, eine waschechte Schwäbin, ist nicht nur am Dialekt erkennbar, sondern auch an der Denkweise. Sparsam, einfach und konservativ begrüßt sie die fast 200 Besucher im vollen Zirkuszelt und will direkt Geschäfte machen. Ein Lesezeichen für zehn Euro, ein Aufkleber für 15 Euro oder gar ein T-Shirt für 60 Euro – keiner kaufte ihr das ab.

Felixa hingegen präsentiert sich wenige Minuten später ganz anders. Im perfekten Hochdeutsch will sie die Gegenstände im Publikum verschenken. Die Schwäbin kann hierbei kaum zusehen und rät ihr davon ab. Ihr Verkaufstipp an Felixa: „Du muscht a bissle taffer ran an den Mann – erotisch und seriös.“ Spontan findet sie aus dem Publikum die richtigen Männer, die Lacher waren programmiert. Trotzdem fühlt sie sich im schmackhaften Ländle mit „Zwiebelroschtbrota“ und „Maultäschle“ wie „ein Schwerverbrecher auf Freigang“.

Auf der Suche nach dem richtigen Mann

„I mog di“ hört sich laut Christina schließlich viel besser an als „Ich liebe dich“. Überhaupt ist das Thema Liebe ihr Fachgebiet – und dieses Wissen kommt gerade recht. Seit acht Jahren ist die „neigschmäckte“ Felixa Single. Sie selbst hat nichts dagegen: „Bevor ich einen Schwaben heirate, gehe ich ins Kloster“. Der Geheimtipp der Freundin: Immer abchecken, ob er beim Daimler schafft und einen Bausparvertrag besitzt, denn dann sei er zielstrebig und standfest.

„Ja“ antwortet ein Tuttlinger. Wunderbar, der Richtige scheint für Felixa in der Donaustadt gefunden zu sein. „Aber hast du die Wampe gesehen?“, fragt sie Christina. Diese antwortet: „Die kann man sich ja wegdenken“. „Na prima und obenrum muss ich mir was dazu denken“, so die nicht überzeugte Anti-Schwäbin.

Die Suche nach der Liebe gestaltet sich, jedenfalls am Donnerstagabend, für Felixa kompliziert. Christina ahnt woran es hakt: „Es liegt an deinem Styling“. Sie stattet ihre Freundin mit einer Kittelschürze aus und der richtigen buckligen Körperhaltung, denn schließlich würde im Ländle hart „geschafft“ werden und diese „Tradition“ wiederum komme sympathisch bei den Männern an.

Intim wird es, als Christina aus ihrem Buch vorliest „Wenn der Kehrwisch zum Sextoy wird“. Die Folge: Eine Liebesgeschichte zwischen ihr und dem Kehrwisch bahnt sich an. Diese schwäbische Erotik bringt so manchen Tuttlinger im Zirkuszelt vor Lachen in eine schweißtreibende Wallung.

Wenn die Fahrt mit dem Krankenwagen etwas kostet ...

Die Stimmung findet ihren Höhepunkt, als Felixa obendrauf noch in die Rolle des Kehrwischs schlüpft. Doch Felixa unterbricht den Liebeszauber und flirtet lieber selbst mit den Männern – wenn auch total übereifrig. Ihre Freundin geht dazwischen: „Mensch Felixa, muss denn hier jeder mitbekommen, dass du chronisch untervögelt bischt“.

Weitere Sketche folgten nach den typischen Klischees der Schwaben, darunter: Christina verletzt sich am Knie. Als sie erfährt, dass sie den Krankentransport selbst zahlen müsse, entpuppt sich ihre Verletzung als Phantomschmerz, und erneut ist bewiesen, dass einer „Neigschmäckten“ die Uhrzeitangabe „dreiviertel acht“ nicht zu vermitteln ist.

Vertauschte Rollen zum Schluss: Christina verwandelt sich zur intellektuellen hochdeutschen Persönlichkeit, und Felixa erklärt ihr „I schwätz ja scho in Schriftsproch“. Mit einem „Tschüs“ von Christina und der Korrektur von Felixa „Des heißt ade“, verabschiedeten sich die beiden Damen unter minutenlangem Applaus des Publikums aus dem Zelt. „Ade“ wollten die Tuttlinger jedenfalls nicht sagen. Ein Wiedersehen im kommenden Jahr ist daher nicht ausgeschlossen.

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