Dieser Tuttlinger lebt für Entenhausen

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Dieter Kleibauer mit der Ausgabe 3 aus dem Jahr 1965. Im Straßenverkehr ist er an seinem Kennzeichen mit der Nummer 313 zu erken
Dieter Kleibauer mit der Ausgabe 3 aus dem Jahr 1965. Im Straßenverkehr ist er an seinem Kennzeichen mit der Nummer 313 zu erkennen - der selben, wie auf Donald Ducks Cabrio. (Foto: Sebastian Heilemann)

Dieter Kleibauer ist ein Donaldist. Ob das Nummernschild an seinem Auto, das Hintergrundbild auf dem Smartphone oder das heimische Bücherregal. Im Leben des 61-Jährigen nimmt die Comic-Ente mit den menschlichen Zügen einen festen Platz ein. Damit ist er nicht allein. Denn Kleibauer ist Mitglied des Vereins Donald, der sich intensiv mit der Welt der Comicfigur beschäftigt – und das sogar wissenschaftlich.

Wenn man sich mit Dieter Kleibauer über seine Leidenschaft unterhält, kann man schnell den ein oder anderen Fauxpas begehen. Zum Beispiel Donalds Nachnamen englisch auszusprechen und damit das U zu einem A machen, fragen, ob er Micky Maus genauso gut findet oder gar erzählen, dass man selbst auch gerne im Lustigen Taschenbuch liest. All das sind Dinge, die unter echten Donaldisten verpönt sind. Denn für sie muss ein echter Duck-Comic vor allem zwei Kriterien erfüllen: Er muss von dem amerikanischen Zeichner Carls Barks gezeichnet und von Erika Fuchs ins Deutsche übersetzt worden sein. „Für uns sind diese beiden Namen wie die Bibel“, sagt Kleibauer. Denn der besondere Zeichenstil, ein laut Kleibauer anspruchsvoller Geschichtenaufbau und die Art der Dialoge, finde sich nur bei Barks und Fuchs. „Das sind die einzigen Comics, die wir akzeptieren“, sagt Kleibauer.

Verein für Donald-Fans

Mit „wir“ meint Kleibauer den Verein der Donaldisten (Abkürzung für „Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus“), der in Deutschland rund 1000 Mitglieder zählt. Das Ziel: Die „Pflege und Förderung donaldistischen Sinn- und Gedankengutes und ihre Verbreitung in allen Bereichen unserer Gesellschaft“, schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Der Verein gibt ein Mitgliedermagazin heraus, veranstaltet Stammtische in ganz Deutschland und organisiert einmal im Jahr einen Kongress bei dem hoch wissenschaftliche Vorträge rund um den Enten-Kosmos gehalten werden. „Es gibt da schon ziemlich wahnsinnige Sachen“, erklärt Kleibauer. „Das sind dann Fragen, wie wohl das Justizministerium in Entenhausen funktioniert, oder das Postwesen organisiert ist“. Die Grundlage für die Forschungsarbeiten sind die mehreren Hundert Geschichten von Barks auf rund 6500 Seiten. Ein Ergebnis der langjährigen Forschung: Donald Duck ist eigentlich ein Mensch in Entengestalt. „Das erklärt auch, warum es bei Donald Duck an Weihnachten Gänsebraten gibt“, erklärt der 61-jährige Journalist. Nach den Vorträgen applaudieren die Zuhörer nicht einfach mit den Händen, sondern rufen „Klatsch, Klatsch, Klatsch“ – in Anlehnung an die Comics, in denen Geräusche mit Wörtern dargestellt werden.

„Wir verehren Donald Duck, weil er so ein Loser ist, der aber immer wieder aufsteht“, sagt Kleibauer. Micky Maus hingegen sei langweilig. „Er ist der Spießbürger, der immer alles richtig macht“.

Kleibauers Faszination für Donald Duck beginnt im Alter von zehn Jahren, als er seine ersten Micky Maus Hefte in die Hände bekommt. „Ich habe einfach mit der Zeit bemerkt, dass es deutliche Unterschiede bei der Art der Zeichnungen und der Geschichten gibt“, erinnert sich der Donaldist. Kleibauers Vorliebe für die Barks-Comics entwickelt sich. Und das, obwohl zu Beginn die Namen der Zeichner noch nicht einmal in den Comics genannt worden waren.

Große Sammlung

Als Student mit Anfang 20 fuhr er mit einem Freund zu seinem ersten Kongress nach Frankfurt. Heute zählt Kleibauer das Barks-Gesamtwerk von 30 Bänden zu seiner Sammlung. Darüber hinaus lagern in seiner Wohnung historische Micky Maus Hefte in Plastikfolien, sein Autokennzeichen ist die 313 – genauso wie bei Donalds knallrotem Cabrio. Insgesamt habe er zwei- bis dreitausend Euro investiert.

Doch eine Wertanlage seien die Hefte nicht. Die Preise steigen laut dem Sammler nicht mehr. „Das ist ein Zeichen, dass das Interesse abnimmt“, weiß Kleibauer. Das spürt auch der Verein in Sachen Nachwuchs – einen großen Zulauf gebe es nicht mehr. „Wir werden unseren elitären Status behalten“, sagt Kleibauer. „Es ist eben ein schräges Hobby“.

Die Entenhausen-Forschung wird aber wohl noch eine ganze Weile weitergehen. Die neuesten Erkenntnisse erwartet Kleibauer beim nächsten Kongress. Der findet im März in Freiburg statt. Quasi ein Heimspiel für den 61-Jährigen. „Das ist ein Muss“, sagt er.

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