Die Wirtschaft will weiter anpacken

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Will auch in 2019 seinen Titel als „gewichtigster Minister im Kabinett“ verteidigen und den Stellenwert der Unternehmer in Deuts
Will auch in 2019 seinen Titel als „gewichtigster Minister im Kabinett“ verteidigen und den Stellenwert der Unternehmer in Deutschland weiter stärken: Gastredner Peter Altmaier (von links) mit Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner und IHK-Präsident Thomas Conrady. (Foto: HWK)
Schwäbische Zeitung

Gemeinsinn statt Egoismus, Farbe bekennen statt Schwarzsehen, Anpacken statt Zuschauen: Beim gemeinsamen Neujahrsempfang der Handwerkskammer Konstanz, die auch für den kreis Tuttlingen zuständig ist, und der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee im Konstanzer Bodenseeforum haben Vertreter beider Kammern am Donnerstagabend die Losungen ausgegeben, die 2019 zu einem Jahr des anhaltenden wirtschaftlichen Erfolgs und eines stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalts machen sollen.

Wie’s funktionieren könnte, demonstrierte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) den mehr als tausend Gästen nicht nur durch hochgekrempelte Ärmel am Rednerpult. Auch politisch will der gebürtige Saarländer etliche Themen anpacken, die im Koalitionsgerangel des vergangenen Jahres lie-gen geblieben sind.

Nachholbedarf sieht der Wirtschaftsminister etwa in Sachen Digitalisierung und beim Ausbau des Mobilfunknetzes, aber auch bei einer Stärkung der Gründerkultur in Deutschland. „Wir müssen uns etwas zutrauen“, so sein Appell. Überall in der Welt stehe Deutschland beispielhaft für eine Industrienation, der es gelinge, Lebensqualität mit Umweltschutz und einer leistungsfähigen Wirtschafts- und Arbeitswelt zu verbinden. Allerdings fehle es mittlerweile häufig an der Entschlossenheit: „Wir brauchen die vielen kleinen Taten, den Fleiß und die Zusammenarbeit. Aber wir brauchen auch die Bereitschaft, uns große Ziele zu setzen“, sagte Altmaier.

Farbe zu bekennen, hatte zuvor auch Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner von Politik und Gesellschaft gefordert – etwa beim Thema Zuwanderung: „Deutschland ist längst ein Einwanderungsland und wird noch bunter werden. Ohne geregelte Zuwanderung werden wir die Zukunft nicht stemmen können.“ Bereits heute seien rund sieben Prozent der Auszubildenden im Kammergebiet geflüchtete Menschen.

Rückendeckung für den Meister

Dass Solidarität letztlich allen zugute käme, betonte auch IHK-Präsident Thomas Conrady. Als Beispiel nannte er das duale Ausbildungssystem, um das man Deutschland weltweit beneide: „Es ist eine historisch gewachsene Struktur, eine Gemeinschaftsaufgabe, die wir seit jeher zusammen bewältigen.“ Gemeinsame Aufgaben auch gemeinsam zu lösen und solidarisch zu finanzieren, sei eines der Geheimnisse einer erfolgreichen Wirtschaftsordnung, aber auch einer intakten Gesellschaft.

Als Voraussetzung für ein funktionierendes Ausbildungssystem, aber auch für Qualität im Sinne des Verbraucherschutzes und für die Nachhaltigkeit von Unternehmensgründungen brachte Reiner die Meisterpflicht ins Spiel, deren Wiedereinführung in den 2004 deregulierten Berufen das Handwerk seit langem fordert. Dafür erhielt er prompt Rückendeckung vom Bundeswirtschaftsminister: „Ich will, dass jun-ge Menschen etwas in der Hand haben“, sagte Altmaier und kündigte eine erste Entscheidung Mitte des Jahres an.

Auch ansonsten macht der Wirtschaftsminister dem Handwerk und der Industrie Hoffnung auf ein gutes neues Jahr – trotz aller internationaler Herausforderungen von Brexit bis Handelsstreit: „Der Aufschwung wird weitergehen“, so seine Prognose. Das größte Risiko seien die Schwarzmaler, die den Mittelstand verunsicherten. Staatlicherseits wolle man durch Investitionen und Steuerentlastungen für den richtigen Rahmen sorgen. Der Blick in die Geschichte zeige: „Wir sind besser geworden und haben aus unserem Land viel gemacht.“

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