Die Farbe hat Heinz Mack wieder

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Die Farbe hat Heinz Mack wieder

Die Ausstellung „Die Sprache meiner Hand“ von Heinz Mack ist am Freitagabend im Beisein zahlreicher Gäste in der Galerie der Stadt Tuttlingen eröffnet worden. Die Einführung in die Vernissage gestaltete Friederike Weber am Klavier mit Stücken aus den Goldberg Variationen von Johann Sebastian Bach.

„Diese epochale Musik passt sehr gut zu dem Künstler heute Abend“, betonte Dr. Hans Roll, der in Vertretung des Oberbürgermeisters die Gäste und „eine ganz große Persönlichkeit des Jahrhunderts“, den Künstler Prof. Heinz Mack in der Städtischen Galerie begrüßte. Er habe mit der Gruppe Zero gemeinsam mit Otto Piene ein bedeutendes Kapitel der Kunstgeschichte aufgeschlagen. Heinz Mack ist weltweit unterwegs, hat zahlreiche Kunstpreise erhalten und ist Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes.

Die Kunstrichtung Zero, die wie keine andere den künstlerischen Neuanfang nach dem zweiten Weltkrieg markiert, propagierte neue, elementare Aspekte, erklärte die Leiterin der Städtischen Galerie, Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck, in ihrer Einführung. Diese entsprachen einem neuen Lebensgefühl: Licht, Bewegung, Raum, Zeit, Dynamik, Serielles. Nicht mehr um den Gegenstand ging es, sondern um seine Essenz. Wenngleich sich die Gruppe Zero schon 1966 auflöste, sei Heinz Macks Kunst bis heute von der großen gestalterischen Energie durchdrungen, so Ehrmann-Schindlbeck.

Er gehört seit mehr als fünf Jahrzehnten zu den wichtigen deutschen Künstlern mit internationaler Ausstrahlung. (Sein damaliger Partner Otto Piene wird übrigens im Herbst nach Tuttlingen kommen). Bei aller dynamischen Entwicklung und einer universellen Vielseitigkeit gibt es im Werk von Heinz Mack immer auch Konstantes. Er bekennt sich zu Schönheit und Harmonie, die für ihn Ausdruck seiner Lebensbejahung sind und der ethischen Ausrichtung des Kunstwerks entsprechen. Ganz gleich, welchen Aspekt seines Werkes man betrachtet, sei es seine kinetischen Lichtobjekte, seine Metallstelen oder die Steinbildhauerei, seine Projekte in der unberührten Natur der Arktis oder der Sahara, seine Malerei oder – wie in dieser Ausstellung – seine Zeichnung: sein eigentliches Medium ist das Licht. Das Licht als „kreative Potenz“, die strukturierte Flächen im Bild, das Raster eines Reliefs oder die polierte Oberfläche einer Skulptur zum Leben erweckt.

Die Ausstellung in der Städtischen Galerie gibt einen Überblick von 1950 bis heute und widmet sich einem bisher weniger bekannten Bereich von Macks Schaffen, nämlich seinen Arbeiten auf Papier. Die Zeichnungen sind nach seinen eigenen Aussagen das Fundament seiner Kunst, die Grammatik seiner künstlerischen Arbeit – eben „Die Sprache meiner Hand“. Eine lange Zeit ist die Farbe aus Macks Werken verschwunden. Doch in den 90-er Jahren beginnt er wieder zu malen. Die Farbe hat ihn wieder und entfaltet sich wie in einem Regenbogen. Schönheit und Harmonie, bei Mack liegen sie in einer strengen Ordnung wie man sie im Zauber der Musik findet, so Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck abschließend. Heinz Mack freute sich darüber, dass seine Lieblingsmusik gespielt wurde, bedankte sich bei der Galerieleiterin und seinen Gästen und scherzte: „Jetzt weiß ich endlich, wo Tuttlingen liegt, keiner konnte es mir sagen“.

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