Der Wohnungsbau wird immer teurer

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An der Stuttgarter Straße baut die Tuttlinger Wohnbau derzeit ein Haus mit 40 Mietwohnungen.
An der Stuttgarter Straße baut die Tuttlinger Wohnbau derzeit ein Haus mit 40 Mietwohnungen. (Foto: zg)
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Das Bauen von Wohnraum ist in Tuttlingen kaum mehr unter 3000 Euro pro Quadratmeter möglich. Das sagte Horst Riess, Geschäftsführer der Tuttlinger Wohnbau, in der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Gemeinderats am Montagnachmittag. Das hat zur Folge, dass billige Mieten bei neuem Wohnraum eigentlich nicht realisierbar seien: „Sechs Euro Kaltmiete geht nicht. Das ist verständlich“, sagte er.

Einer der Gründe für die hohen Baupreise seien auch die hohen Sätze für Handwerkerleistungen. Das sei auch ausschlaggebend dafür gewesen, dass die Wohnbau im vergangenen Jahr lediglich zwei Millionen Euro in ihre Gebäude investiert habe: „Wir hätten gerne mehr gemacht“, sagte Riess. Ein weiterer wichtiger Grund sei aber auch gewesen, dass die Handwerker kaum Termine übernehmen konnten. „Die Ware Wohnen wird immer teurer, da das Bauen immer teurer wird“, sagte er.

Die Nachfrage nach Eigenheim sei in Tuttlingen nach wie vor ungebrochen. Der Anteil der Kapitalanlage sei dabei aber weiterhin höher als der der Selbstnutzer. Der Druck ist laut Riess bei den Eigentumswohnungen genauso groß wie bei Mietwohnungen. „Viele Menschen investieren wegen der niedrigen Zinsen in Immobilien. Dabei haben sie ein höheres Sicherheitsgefühl“, betonte der Wohnbau-Chef. Angesichts von Preisen von 5000 Euro je Quadratmeter für eine Penthouse-Wohnung werde ihm aber „Angst und Bange“.

Weitere Wohnungen im Blick

Das Angebot der Wohnbau sei „breit und vielfältig“. Sie würde sich weiterhin umschauen, ob es Häuser gebe, die sie kaufen und vermieten könne. In den vergangenen Wochen und Monaten habe sich Riess einige leerstehende Wohnungen angeschaut – so etwa in der Bismarckstraße, die aber in einem desolaten Zustand seien: „Es ist teilweise ernüchternd, was einem unterkommt“, sagte er. Auch nach Möhringen würde die Wohnbau gerne kommen, um sich die Wünsche anzuhören.

Mit Blick auf die langjährigen Mieter einer Altbauwohnung könne die Miete für den Neubau an der Stuttgarter Straße nicht lediglich 50 Cent mehr pro Quadratmeter kosten. Das könnte man ihnen nicht plausibel erklären. Es seien nicht etwa die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in der Moltkestraße, die die Wohnbau in Neubauten haben wolle, sondern vielmehr die Pendler, die in Tuttlingen arbeiten und den Verkehr belasten. Nur so könne die Stadt auf die anvisierten 40 000 Einwohner wachsen. Es gebe Pläne für 80 bis 100 Wohnungen, für die alle Förderprogramme angezapft werden sollen. Die Leute müssten dann bei einer solch sozialen Durchmischung auch zusammenleben wollen: „Das ist eine heikle Aufgabe“, meinte Riess.

Einige Zahlen

Die Tuttlinger Wohnbau hat im vergangenen Jahr einen Überschuss in Höhe von 1,55 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Vorjahr war es noch etwas mehr als eine Million Euro gewesen. Von dem Überschuss wurden bereits 1,2 Millionen Euro in die Gewinnrücklage eingestellt. Über die restliche Summe entscheidet die Gesellschafterversammlung. Die Wohnbau zahlt laut Gesellschaftervertrag eine Dividende von vier Prozent. Die Eigenkapitalquote liegt laut Geschäftsführer Horst Riess bei rund 52,2 Prozent und damit deutlich über dem Schnitt in Bund und Land. An Mieten nahm die Wohnbau, die 1700 Wohnungen in Tuttlingen besitzt, 9,4 Millionen Euro ein. Das waren 700 000 Euro mehr als noch im Jahr zuvor. Das sei laut Riess einerseits durch eine Zunahme an Wohnungen, aber „natürlich auch durch eine moderate Mieterhöhung“ zustande gekommen. An Steuern zahlte das Unternehmen rund 900 000 Euro. Die gezahlten Löhne und Gehälter an die Wohnbau-Mitarbeiter bezifferten sich im vergangenen Jahr auf fast zwei Millionen Euro.

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