„Der Islam hat mit Terrorismus nichts zu tun“

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Michael Ilg (rechts), Präventionsbeauftragter der Polizei, verdeutlichte in seinem Vortrag, wie Eltern mit der Terrorgefahr umg
Michael Ilg (rechts), Präventionsbeauftragter der Polizei, verdeutlichte in seinem Vortrag, wie Eltern mit der Terrorgefahr umg (Foto: Simon Schneider)
Schwäbische Zeitung
Simon Schneider

Das Feza-Kulturzentrum Tuttlingen hatte am Freitagabend zu einer Frage- und Diskussionsrunde eingeladen. Thema war der Terror der Gruppe IS, Islamischer Staat, und mögliche Präventionsmaßnahmen.

Gerade der Verein Feza stehe für ein vorurteilsfreies Miteinander und eine Versöhnung der verschiedenen Kulturen, betonen die Mitglieder des Vereins. Deshalb hatten sie den Präventionsbeauftragten der Polizei, Michael Ilg, zu einem gemeinsamen Infoabend gebeten. Rund 50 Zuhörer kamen, darunter der Tuttlinger Muslim Osman Sanverdi: „Ich fühle mich hier in Tuttlingen sehr wohl und werde als ganz normaler Bürger wahrgenommen. Aber es ist schade, dass der Islam immer mit dem Terror verglichen wird. Daher bin ich froh, dass es solche Vorträge gibt, damit allen Menschen klar wird, das auch wir Muslime für ein friedliches Zusammenleben stehen“, erklärte Sanverdi.

In seinem Vortrag ging Michael Ilg auf die Gefahr ein, wie verlockend die Werbung der Terrororganisation der Salafisten im Internet dargestellt wird. Auf Internetplattformen wie Facebook und YouTube seien einige Beispiele davon ganz einfach zu finden. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene sind die Zielgruppen. „Die Eltern müssen, wie in vielen anderen Bereichen auch, sorgsam ihre Schützlinge beobachten und nicht misstrauisch hinterherspionieren“, so Michael Ilg. „Wenn zum Beispiel plötzlich andere Glaubensreligionen als ungläubig angesehen werden oder es kommt zu anderen Auffälligkeiten, die sonst nicht üblich sind bei den eigenen Kindern, sollten Eltern genauer hinsehen und gegebenenfalls reagieren“, sagt der Präventionsbeauftragte.

Unterstützung und Rat bekämen Eltern in solchen Fällen bei der Beratungsstelle vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Aber auch das Polizeipräsidium Tuttlingen hat Ansprechpartner, die die Kontakte in die Moscheen zu muslimischen Verbänden pflegen. „Überall dort, wo es muslimische Einrichtungen gibt, gibt es auch immer Kontaktpersonen. Somit ist hier schon sehr ordentlich gearbeitet worden. Für den Landkreis Tuttlingen bin ich einer, der diese Aufgabe übernimmt“, erklärte Ilg.

In dem vollbesetzten Saal des Feza-Kulturvereins verdeutlichte Ilgs Vortrag, dass sich muslimische Jugendliche nicht von Mitschülern und Medien ausgegrenzt fühlen dürfen, nur weil viele Menschen um die aktuellen Terrorgeschehnisse falsch informiert sind. „Ich fühle mich sehr sicher hier in Tuttlingen“, sagte die muslimische Schülerin Hilal Imamoglu, die bei dem Vortrag dabei war. „Natürlich merke ich auch manchmal, dass mich andere komisch anschauen. Aber die meisten Mitschüler stehen zu mir und ich komme gut mit allen klar.“

Sie und die anderen Besucher hoffen, dass klar geworden ist: Der Terrorismus ist nicht mit dem Islam und mit den Muslimen vereinbar. „Man sollte auf jeden Fall in die Schulen gehen und dort noch einiges mehr an Präventions- und Aufklärungsarbeiten zum Thema Islam vortragen. Der Islam wird oft mit dem Terror in Verbindung gebracht, obwohl es gar nicht zusammengehört. Das stört mich sehr“, betont Imamoglu.

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