Der Club d’Or nach 60 Jahren wieder geöffnet

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 Am Freitagabend dabei waren (von links): Claus-Peter Bensch, Ulrike Martin, Daniel Stehle, Adelia Terrenghi, Bert Schutzbach, M
Am Freitagabend dabei waren (von links): Claus-Peter Bensch, Ulrike Martin, Daniel Stehle, Adelia Terrenghi, Bert Schutzbach, Marlies Allgaier-Schutzbach, Manfred Scheffner, Roland Martin und Hubert Weber. (Foto: Siegrid Bruch)

Der Club d´Or ist wieder zum Leben erweckt worden. Am Freitagabend drängte sich eine große Besucherschar in die Vereinsräume des Kulturkastenvereins für interkulturellen Austausch „Kukav“ im Tuttlinger Bahnhof, um die Wiederauferstehung des Tuttlinger Jazzclubs zu erleben.

Es herrschte eine gute Stimmung im „Abteil 42“ im Bereich des ehemaligen Kiosks, viele alte Bekannte trafen sich zur Vernissage mit Musik, Geschichten und vielen Informationen über den Club d´Or. Es war eine Hommage an den legendären Jazzclub, der in Tuttlingen vor 60 Jahren gegründet wurde. In einer Ausstellung gab es dann viele Stücke aus der Zeit von 1958 bis 1962 zu sehen: Fotos, Plakate, ein Protokollbuch, Einladungen, Mitgliederausweise und mehr.

Mit der Grüdung des Jazzclubs in Tuttlingen etwas bewegen

Nach einer schwungvollen musikalischen Eröffnung mit Tom Martin, Sohn von Roland Martin, dem ehemaligen Vorsitzenden des Club d´Or, am Saxophon und Dirk Blümlein am Bass, begrüßte Daniel Stehle im Namen des „Kukav“ die zahlreichen Gäste. Marlies Allgaier-Schutzbach, ein Gründungsmitglied, habe das Team mit der Idee, den Jazzclub wiederzubeleben, „angefixt“. Denn das „Kukav“ vertrete in vielerlei Hinsicht die gleichen Motivationen wie der Jazzclub damals: Etwas bewegen in Tuttlingen. Den ganzen November über werden freitags Veranstaltungen des Jazzclubs stattfinden, das Café und die Ausstellung werden mittwochs von 18 bis 20 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet sein.

Im Namen des Oberbürgermeisters hieß Stadträtin Ulrike Martin die Gäste willkommen. Manchmal gebe es Parallelen der Geschichte: Junge Leute, die einen Treffpunkt suchten und gleichzeitig einen Raum für ihre Art der Kultur schaffen wollen. Wenn heute bei „Kukav“ die Geschichte des Club d´Or dargestellt wird, könnte es nicht besser passen. Ein Verdienst der Ausstellung sei, ein Stück Tuttlinger Stadtgeschichte vor dem Vergessen zu bewahren. Nur wenige haben bis jetzt gewusst, dass es im ehemaligen „Schützen“ im Schlössleweg einmal einen Jazzkeller gegeben hat, der aber leider nur eine kurze Geschichte hatte.

Jazz – das Gegenprogramm zur bürgerlichen Bravheit

Marlies Allgaier-Schutzbach berichtete den zahlreichen Gästen, wie es dazu kam, die Geschichte des Jazzclubs aufzuarbeiten. Schließlich sei der Tuttlinger Jazzclub einer der ersten im deutschen Südwesten gewesen. Jazz in Tuttlingen, das sei das Gegenprogramm zur bürgerlichen Bravheit gewesen und hätte ein Gefühl von Freisein, Anderssein, Avantgarde vermittelt. Viele Fotos, die jetzt in der Ausstellung gezeigt werden, sind vom damaligen „Hoffotografen“ Werner Sartorius für die Ausstellung von seiner Frau zur Verfügung gestellt worden. Und so konnte aufgrund des vielfältigen vorgefundenen Bild- und Schriftmaterials eine Ausstellung zusammengestellt werden.

Marlies Allgaier-Schutzbach war es im Rahmen der Veranstaltung wichtig, auf die Örtlichkeit und die Aussteller hinzuweisen. Im Kukav seien nämlich - wie damals im Jazzclub – überwiegend junge Leute, die sich in Aufbruchstimmung befänden, um in Tuttlingen etwas kulturell Neues, Alternatives zu schaffen.

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