„Das war cooler als Schule“

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Wie an einer richtigen Uni: Klimatologe Johannes Schönbein referiert vorn am Pult und die gut 150 Zuhörer im Saal widmen ihre Au (Foto: Kaan Heck)
Schwäbische Zeitung
Kaan Heck

Wenn aus Schülern im Alter zwischen neun und zwölf Jahren plötzlich junge Studenten werden, wenn es im Hörsaal der Aesculap-Akademie ausnahmsweise mal nicht um Medizintechnik geht, sondern um Themen wie „Warum bauen Ritter Burgen?“ oder „Wie passiert Zukunft?“, dann steckt dahinter zumeist die Tuttlinger Kinder-Uni. Auch die jüngste Veranstaltung dieser Vorlesungsreihe war wieder ein großer Erfolg.

Knapp 150interessierte Nachwuchsforscher hörten aufmerksam zu, als der Klimatologe Johannes Schönbein von der Universität Freiburg am Samstagvormittag über die Entstehung des Wetters, den Klimawandel und seine möglichen Folgen sowie den „Schnee von gestern“ referierte. Anschließend löcherten die jungen Studenten den Wissenschaftler mit vielen cleveren Fragen und Autogrammwünschen.

Unter dem Motto „Für das Leben lernen“ organisieren das Otto-Hahn-Gymnasium Tuttlingen und die Firma Aesculap regelmäßig wissenschaftliche Vorlesungen für den Nachwuchs. In den knapp 90-minütigen Vorträgen – zumeist aufgelockert durch animierte Präsentationen und kleine Experimente – versuchen renommierte Dozenten aus unterschiedlichsten Fachrichtungen, ihr Wissen kindgerecht aufzubereiten und für alle verständlich an das junge Publikum weiterzugeben. Dass diese Aufgabe gar nicht so einfach ist, wusste Wissenschaftler Johannes Schönbein am Samstag schon vor seinem Vortrag: „Es ist auf jeden Fall anders als an der Universität. Ich hatte Mühe, das Fachwissen aufs Wesentliche herunterzubrechen.“

„Rezept zum Wettermachen“

Am Ende gelang es dem Klimatologen natürlich trotzdem, dass die Kinder den Hörsaal im Aesculapium ein bisschen schlauer verließen, als sie ihn anderthalb Stunden zuvor betreten hatten. Ohne kompliziertes Vokabular und in angemessenem Tempo präsentierte Schönbein den jungen Studenten sein „Rezept zum Wettermachen“: Durch die Sonne würden Teile der Erde unterschiedlich stark aufgeheizt. So entstünden Winde. Wasserdampf steige auf und transportiere überschüssige Energie dorthin, wo es nicht so viel davon gibt. Reguliert werde dieser Wetterkreislauf durch die Atmosphäre. „Ohne sie bräuchten wir alle Raumanzüge. Und die sind ziemlich teuer“, beeindruckte der Dozent seine kleinen Zuhörer mit neuen Erkenntnissen.

Für die jungen Studenten war der Samstagvormittag im Hörsaal eine ganz neue Erfahrung. „Das war cooler als Schule“, gestand die neunjährige Schrotenschülerin Annika Regge. Stolz fügte sie hinzu, dass sie das ein oder andere Detail aus Schönbeins Vorlesung schon vorher gekannt habe („Wir hatten das Thema schon in der Schule“). Auch die anderen Schüler zeigten sich von der Kinder-Uni beeindruckt. Gemeinsam pilgerten sie nach der Veranstaltung ans Rednerpult und drückten dem Klimatologen Stift und Papier in die Hände. „Das ist das erste Mal, dass ich nach einem Vortrag Autogramme verteilen darf“, lachte Schönbein und nahm sich besonders viel Zeit für das Ausräumen von übrig gebliebenen Unklarheiten. Denn wer nicht fragt, bleibt dumm.

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