Das Tuttlinger „Zebra“ wird 30

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Der Leiter der Jugendkunstschule Zebra, Hans-Uwe Hähn (Mitte) stellt beim Tag der offenen Tür mit den Kindern Rasseln her.
Der Leiter der Jugendkunstschule Zebra, Hans-Uwe Hähn (Mitte) stellt beim Tag der offenen Tür mit den Kindern Rasseln her. (Foto: Archiv- Claudia Steckeler)
Schwäbische Zeitung
Nele Fauser

Seit 30 Jahren gibt es die Städtische Jugendkunstschule „Zebra“ in Tuttlingen in diesem Jahr. Auf ihrem Erfolg will sie sich nicht ausruhen – im Gegenteil: Für die kommenden Jahre sind weitgefächerte Ergänzungen des Stundenplans angedacht.

Wie die Jugendkunstschule, wie sie heute besteht, entstanden ist, wissen nur die wenigsten. „Tuttlingen war eine von zehn Städten, die im Rahmen eines landesweiten Modellprogramms 1988 eine Jugendkunstschule eröffneten“, berichtet der Leiter der Einrichtung, Hans-Uwe Hähn. Er selbst gehörte damals zusammen mit Jörg Bach, Martin Bachmann und dem ersten Schulleiter Albrecht Werwigk zum Gründungsteam. Zusammen erarbeiteten sie ein Leitbild und die ersten Angebote der Jugendkunstschule. Aus einem Kreis engagierter Eltern wurde dann 1997 der Förderverein der Jugendkunstschule gegründet. Ein Jahr später erfolgte der Umbau und Einzug in das Werkstatthaus Königstraße 19, in dem die Jugendkunstschule seither eine feste Heimat hat.

Trägerschaft hat Stadt Tuttlingen

Dass sie bis heute beständig sein kann (bereits drei Schülergenerationen haben die Schule durchlaufen), ist laut Hähn der Trägerschaft durch die Stadt Tuttlingen und dem hohen Niveau der künstlerischen Lehrkräfte geschuldet. „Die kontinuierlichen Schülerzahlen und die Tatsache, dass gegenseitige Kommunikation, Fantasie und Kreativität eine große Anziehungskraft haben, geben dieser Haltung Recht“, bestärkt Hähn seine Aussage.

Auf ein persönliches Highlight kann und will er sich nicht festlegen. „Die vielen kleinen und großen Momente und auch die wunderbaren Überraschungen, die ich erleben durfte, würden aufgeschrieben ein ganzes Buch füllen“, sagt Hähn. Besonders eindrucksvoll waren für ihn der Kunstpfad „Nach Sonnenuntergang“ über den Honberg, das „wagemutige Seifenkistenrennen“ in der Bergstraße und verschiedene Aktionen an der Donau wie „Freundschaft mit einem Baum“ und die „Schwimmenden Lichter“.

Heute umfasst das Angebot 30 Semesterkurse, offene Werkstätten und Workshops, die von drei festangestellten künstlerischen Lehrkräften (Sabine Krusche, Hannah Monninger und Hans-Uwe Hähn) und den Dozenten Ines Fiegert, Jeremias Heppler und Anna Laura Bach geleitet werden. Zudem sind Stefanie Moser und Claus-Peter Bensch zuständig für das Kursmanagement und die Verwaltungsleitung. Sie kümmern sich momentan um 150 eingeschriebene Schüler. Etwa gleich viele Kinder kommen jedoch durch Kooperationen mit Schulen und Kindergärten noch hinzu.

Drei Kunstprojekte geplant

„Es ist mit Sicherheit für jeden etwas dabei, ob Multimedia-Werkstatt, Design-Gestaltung oder Mädchenwerkstatt“, kommentiert Hähn das Programm der Schule. „Die Kurse sind altersgemäß abgestimmt und bauen aufeinander auf.“ Das kunstpädagogische Konzept habe sich bewährt, lediglich die Anfangszeiten einiger Kurse seien geändert worden.

Neben dem regulären Kursprogramm sind im Jubiläumsjahr drei Kunstprojekte geplant: Ein Kunstmobil, dass im Landkreis unterwegs sein soll, ist Voraussetzung für eine Geburtstagsausstellung im Tuttlinger Rathausfoyer im Juni. Weiterhin werden im Juli die Werke der Workshop-Reihe „Cool Arts“ ausgestellt. Dazu erscheint auch ein Buch, das Einblicke in die Tätigkeiten und Ideen der jungen Teilnehmer geben soll.

„Außerdem wird als Zusammenarbeit der beiden Jubilare, nämlich der Jugendkunstschule und der Musikschule Tuttlingen, vor Weihnachten das Musiktheater ’Der blaue Vogel’ aufgeführt“, erzählt Hähn. Die Aufführung in der Stadthalle wird von den Schulen gemeinsam erarbeitet und durchgeführt.

„Ich denke, also bin ich“ („Cogito ergo sum“, erster Grundsatz des Philosophen René Descartes): Das ist das Motto, unter dem Schulleiter Hähn seine Mitarbeiter auch in Zukunft anleiten will. „Die künstlerische Praxis besteht im Hier und Jetzt und wird Teil der eigenen Persönlichkeit“, so Hähn. Diese Erfahrungen, so hofft er, wirken auf die Jugendkunstschule zurück, ermöglichen einen offenen, kreativen Dialog und werden gute Impulse für die Zukunft sein.

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