Das Nendinger Archiv ist schimmelfrei

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Weiße Flecken auf braunem Grund: Die Nendinger Bestände waren von Schimmelpilzen befallen. Ein Restaurator hat sie vom Befall be
Weiße Flecken auf braunem Grund: Die Nendinger Bestände waren von Schimmelpilzen befallen. Ein Restaurator hat sie vom Befall befreit. (Foto: Alexander Röhm/Stadtverwaltung Tuttlingen)

Das Ortsarchiv Nendingen ist wieder schimmelfrei. Das hat Archivar Alexander Röhm dem Ausschuss für Verwaltung und Finanzen am Dienstag berichtet. Nach dem Umbau der Räume soll künftig das richtige Klima herrschen, um Schimmelbefall zu verhindern. Doch auf die Archive der Stadt kommen noch ganz andere Herausforderungen zu.

Rechnungsbücher, Grund- und Lagerbücher mit Informationen zu Grundstücksverhältnissen, Verwaltungsakten und Protokolle. All das lagert im Ortsarchiv in Nendingen – Bestände, die zum Teil bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Doch 2017 stellen Stadtarchivar Alexander Röhm und seine Mitarbeiter weiße Flecken auf den dicken Bänden fest: Schimmel. Der Befall ist so schlimm, dass manche Archivalien nicht mehr benutzt werden können. Voraussichtliche Kosten für die Befreiung vom Schimmel: 25 000 Euro. Im Mai des vergangenen Jahres holte ein Restaurator die befallenen Bestände ab. Mit nur 11 000 Euro beiben die Kosten schließlich aber deutlich unter dem Kostenvoranschlag.

Sanierung der Räume

Doch nicht nur die Bestände mussten vom Pilz befreit werden. Auch die zwei Archivräume wurden saniert. „Die Herausforderungen für uns waren groß“, sagte Röhm. Denn für die Arbeiten mussten alle Archivalien ausgelagert werden. Dabei half unter anderem Nendingens Ortsvorsteher Franz Schilling, der den Transport mit seinem Viehwagen tatkräftig unterstützt habe. Geplant hatten die Verantwortlichen mit Kosten in Höhe von 107 000 Euro, die nur knapp überstiegen wurden.

Begünstigt hatte den Schimmelbefall das falsche Klima in den Räumen im Erdgeschoss des Nendinger Rathauses. Deswegen soll in Zukunft ein Klimagerät für die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit sorgen. UV-Folien an den Fenstern würden gerade noch getestet – denn auch Licht kann den Archivalien auf Dauer schaden. Nun sind die Archivräume wieder in Benutzung. Im Dezember zogen die Bestände wieder ein. „Das Ortsarchiv ist für die kommenden Jahrzehnte gut aufgestellt“, so Röhm.

Archiv muss wachsen

Doch der Stadtarchivar machte dem Gemeinderatsausschuss zugleich klar, dass in den kommenden Jahren weitere Herausforderungen auf die Tuttlinger Archive zukommen werden. Denn in Nendingen seien nun zwar die Altbestände in einem guten Zustand, doch mehr Kapazitäten habe die Sanierung nicht gebracht. „Ein Archiv wächst ständig weiter“, sagte Röhm. „Es wird sehr viel Papier auf uns zurollen.“ Denn trotz der Digitalisierung seien die Umfänge von Protokollen und Akten stetig angewachsen. Während im Jahre 1900 Gemeinderatsprotokolle im Durchschnitt drei Zentimeter dick waren, waren es im vergangenen Jahr 106,5 Zentimeter. „Wir müssen mit Kilometern rechnen“, so Röhm. Auf die Tuttlinger Archive kommt kurz über lang ein Platzproblem zu.

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